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Ab jetzt rettet Falck in Görlitz und Niesky

Der private Rettungsdienstleister übernimmt nun die Aufgabe vom ASB. Manches ist neu, Bewährtes bleibt, einiges wird besser.

Die Falck Rettungsdienst GmbH übernimmt den Rettungsdienst in Görlitz und Niesky.
Die Falck Rettungsdienst GmbH übernimmt den Rettungsdienst in Görlitz und Niesky. © Falck GmbH

Andreas Wünsche startet mit einem weinenden und einem lachenden Auge in seine neue Anstellung: Vor genau 30 Jahren war sein erster Arbeitstag beim Rettungsdienst des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB). Das Betriebs-Jubiläum feiert der langjährige Leiter des ASB-Rettungsdienstes jedoch beim Rettungsdienstleister Falck GmbH. Auch die Funktionsbezeichnung ist neu: Wünsche ist jetzt Hauptwachkoordinator - er hat die operative Leitung vor Ort. Wie bisher.

Mit ihm sind ein weiterer Mitarbeiter und eine Mitarbeiterin genauso lange im Rettungsdienst dabei. Auch für sie gibt es einen Neubeginn.

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Andreas Wünsche ist jetzt nicht mehr Leiter des ASB-Rettungsdienstes in Görlitz, sondern Hauptwachkoordinator beim Rettungsdienstleister Falck.
Andreas Wünsche ist jetzt nicht mehr Leiter des ASB-Rettungsdienstes in Görlitz, sondern Hauptwachkoordinator beim Rettungsdienstleister Falck. © Archivfoto: nikolaischmidt.de

Qualität überzeugte

Das in Hamburg ansässige Unternehmen Falck mit rund 2.600 Mitarbeitern an mehr als 60 Standorten in Deutschland – darunter im Landkreis Bautzen und im gesamten Landkreis Spree-Neiße - ist ab sofort und für die nächsten sieben Jahre für den Rettungsdienst in Görlitz und Niesky zuständig. Der Rettungsdienstleister hatte eine entsprechende Ausschreibung gewonnen und damit den ASB aus dem Rennen geworfen. Man habe nicht das günstigste Angebot abgegeben, aber „wir konnten durch unsere qualitätsorientierten Konzepte überzeugen", sagt Falck-Geschäftsführer Klaus Runggaldier.

Auch in Löbau gibt es einen neuen Dienstleister im Rettungswesen. Dort übernimmt ein Gemeinschaftsunternehmen vom DRK-Rettungsdienst und Kreisverband Löbau die Versorgung. In Weißwasser und Zittau fährt weiter das DRK die Rettungsdienste.

Beim ASB Görlitz bedauert man die Entscheidung des Landkreises, einen anderen Rettungsdienstleister zu beauftragen. "Nach über 30 Jahren Erfahrung gehören die Notfallrettung und der Krankentransport ab Februar 2021 nicht mehr zum ASB Görlitz", sagte die Geschäftsführerin Silke Lorenz damals auf SZ-Nachfrage. Dennoch sorgte der ASB jetzt mit dafür, dass es einen reibungslosen Betriebsübergang gibt. "Der ASB zeigt sich sehr kooperativ. Wir erleben ein professionelles Miteinander auf allen Ebenen, von der Geschäftsführung, über die Rettungsdienstleitung bis hin zum Betriebsrat", erklärt der Falck-Geschäftsführer.

Standorte von Falck in Deutschland.
Standorte von Falck in Deutschland. © Foto: Falck

Fast 70.000 Einsätze im Jahr

Welchen Stellenwert der Rettungsdienst für den Landkreis Görlitz besitzt, unterstreichen ein paar Zahlen: 2020 waren im Kreis insgesamt 367 Mitarbeiter aktiv im Rettungsdienst unterwegs, davon 111 Mitarbeiter in Görlitz und Niesky – in allen Qualifikationsstufen, also vom Rettungshelfer bis zum Notfallsanitäter.

Der Rettungsdienst wurde im Kreis zu insgesamt 69.725 Einsätzen alarmiert und rückte aus. 64 Fahrzeuge sind dabei eingebunden, darunter 20 Rettungswagen, fünf Notarzteinsatzfahrzeuge und 18 Krankentransportwagen. Aktuell gibt es insgesamt 15 Rettungswachen, einschließlich der Berufsfeuerwehr Görlitz, die per Gesetz einen Teil der Rettung abdeckt. In Planung beziehungsweise im Bau befinden sich die Wachen Schleife, Rietschen und Jonsdorf.

Zum Rettungswachenbereich Görlitz/Niesky gehören sieben Rettungswachen, einschließlich die Berufsfeuerwehr Görlitz. Die Falck GmbH als neuer Leistungserbringer ist zuständig für die Rettungswachenstandorte in Mücka, Rothenburg, Niesky, Görlitz (Reichertstraße), Görlitz (Leschwitzer Straße) und Reichenbach.

Das Finanzvolumen des Rettungsdienstes für Leistungen der Notfallrettung und des qualifizierten Krankentransports betrug im Vorjahr insgesamt rund 19,2 Millionen Euro, informiert Landkreissprecherin Franziska Glaubitz. Wie viel Falck ab sofort davon erbringen will, sagt das Unternehmen nicht.

Die Rettungswache in Görlitz auf der Reichertstraße ist erst vor wenigen Jahren neu gebaut worden.
Die Rettungswache in Görlitz auf der Reichertstraße ist erst vor wenigen Jahren neu gebaut worden. © nikolaischmidt.de

Neuer Name, gleiche Aufgaben

Für die 111 Mitarbeiter beim Rettungsdienst Görlitz/Niesky ändert sich jetzt nicht sehr viel. Klaus Runggaldier betont: Alle Mitarbeiter des ASB, die übernommen werden wollten, wurden sehr gern übernommen. "Sie kennen die Strukturen, Örtlichkeiten und Prozesse vor Ort bestens. Wir freuen uns, mit erfahrenen, hochqualifizierten und sehr motivierten Mitarbeitern unsere Leistungen zu erbringen.“ Drei Mitarbeiter schieden aus. Sie suchten und fanden heimatnah eine neue Anstellung oder orientierten sich beruflich völlig neu. Dafür stellte Falck neue Mitarbeiter ein.

Finanziell büßen die bislang beim ASB angestellten Retter nichts ein, im Gegenteil. Ab heute bekommen sie mehr Geld. Das wäre auch passiert, wenn es keinen Wechsel des Arbeitgebers gegeben hätte. Der ASB schloss erst im letzten Jahr einen Tarifvertrag für die Rettungsdienstmitarbeiter ab. „Dieser gilt weiterhin und wir übernehmen die damit verbundenen Konditionen eins zu eins. Wir haben dazu sogar extra noch mit der Gewerkschaft ver.di eine gesonderte Vereinbarung geschlossen, damit diese Konditionen auch in unserem eigenen Tarifvertrag uneingeschränkt gelten“, erklärt Klaus Runggaldier. Die Tarifentwicklung für die Görlitzer Retter sei damit für die nächsten sieben Jahre gesichert. Darüber freut sich nicht nur der Hauptwachkoordinator.

Nagelneue Defibrillatoren

Vom ASB übernimmt Falck die Ausstattung der Wachen. Die Einsatzfahrzeuge, die Medizintechnik und alle Rettungsmittel gehören allerdings dem Landkreis – Falck nutzt diese als Dienstleister. Im engen Austausch mit dem Landkreis plant Falck Verbesserungen. „Beispielsweise werden mit Vertragsbeginn nagelneue EKG-Geräte/Defibrillatoren sowie Beatmungsgeräte auf den Fahrzeugen eingeführt, die zum Besten gehören, was es aktuell gibt“, erläutert der Geschäftsführer.

Außerdem ist geplant, zeitnah die neuesten elektrischen Tragensysteme einzuführen. „So werden unsere Rettungsfachkräfte sowohl bei der medizinischen als auch bei der körperlich anspruchsvollen Arbeit technisch noch besser unterstützt und sie können die Patienten noch besser behandeln.“

Ausblick: positiv

Andreas Wünsche, der Hauptwachkoordinator, schaut positiv in die Zukunft. In den letzten Wochen und Monaten arbeitete er an der ordnungsgemäßen Abwicklung des Betriebsübergangs. Bis zum letzten Tag - also Sonntag - engagierten sich Wünsche und „seine“ ASB-Retter für die Versorgung von Patienten und retteten Leben. „Das ist ab heute nicht anders“, betont Andreas Wünsche – jetzt allerdings bei einem anderen Arbeitgeber.

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