SZ + Görlitz
Merken

Görlitzer Königspaar: "Für uns sind Waffen Sportgeräte"

Die Görlitzer Renate und Manfred Funk kamen wegen der Geselligkeit zum Schießsport. Das schlechte Image der Schützenvereine ärgert sie.

Von Gabriela Lachnit
 5 Min.
Teilen
Folgen
Renate Funk und ihr Mann Manfred Funk sind die Schützenkönige der Görlitzer Schützengilde für 2020. Den Wettbewerb gab es im Vorjahr, die Königsehren konnten aber erst dieses Jahr überreicht werden.
Renate Funk und ihr Mann Manfred Funk sind die Schützenkönige der Görlitzer Schützengilde für 2020. Den Wettbewerb gab es im Vorjahr, die Königsehren konnten aber erst dieses Jahr überreicht werden. © Martin Schneider

Der Wettbewerb war schon im vorigen Jahr, aber erst in diesem gab es die Proklamation. Renate und Manfred Funk sind als Schützenkönigin und Schützenkönig der Görlitzer Schützengilde 1377 erst vor Kurzem öffentlich geehrt worden. Wegen der Pandemie musste das verschoben werden. Das Görlitzer Ehepaar reiht sich mit der Königswürde in die zufällige Vereins-Tradition ein, dass Paare in einem Jahr zugleich die Königswürde erreichen.

Das gelang in den vergangenen Jahren mehreren Paaren aus der Schützengilde, darunter Erika und Horst Bruske (er starb im Februar dieses Jahres), Sabine und Hartmut Kroll sowie Birgit Menzel und Jens Buschmann.

Mehrere Königstitel, aber nie im selben Jahr

Für das Ehepaar Funk sind es nicht die ersten Königstitel. Renate Funk war 2013 und 2016 Schützenkönigin, 2015 schaffte das Manfred Funk. "Aber noch nie hatten wir den Titel im selben Jahr", sagt Frau Funk. Da sei aber auch ein bisschen Glück dabei, erklärt die 68-Jährige. "Schützenkönig in unserem Verein wird, wer mit einem Schuss die beste 10 erreicht", erklärt sie. Denn 10 ist nicht gleich 10. Da gibt es minimale Unterschiede im Trefferbild.

Renate und Manfred Funk sind seit einigen Jahren im Ruhestand. Zum Schießsport kamen sie, weil sie von Bekannten gefragt wurden, ob sie sich das nicht mal anschauen wollten. Sie wollten. "Wir waren beide als Handelsvertreter und Außendienstmitarbeiter berufstätig und hatten überhaupt keine Kollegen, sondern wir waren immer allein unterwegs", erzählt Renate Funk. "Uns fehlte einfach die Geselligkeit." So wurden beide im Januar 1999 Mitglied in der Görlitzer Schützengilde.

Nicht nur der 1. Vorsitzende der Görlitzer Schützengilde 1377, André Worbs, ist stolz auf die neue elektronische Anlage auf dem Luftdruckwaffenstand der Gilde.
Nicht nur der 1. Vorsitzende der Görlitzer Schützengilde 1377, André Worbs, ist stolz auf die neue elektronische Anlage auf dem Luftdruckwaffenstand der Gilde. © Foto: Verein

Wegen der Geselligkeit...

Die Geselligkeit dort gefiel ihnen recht gut. "Aber wenn wir Mitglied sind, dann wollen wir auch Sport betreiben und schießen", erklärt Manfred Funk den eigenen Anspruch. Der 71-Jährige weist darauf hin, dass man zwar schnell Mitglied im Schützenverein werden kann, das heißt aber noch lange nicht, dass man eine Sportwaffe besitzen darf. "Der Vereinsvorstand prüft, ob man geeignet ist, dem Schießsport nachzugehen, es wird ein polizeiliches Führungszeugnis verlangt. Und schließlich gibt es noch den Sachkundenachweis, den man erst nach bestandener, nicht einfacher Prüfung bekommt."

Und so ist jeder Sonnabend dem Training vorbehalten. Manchmal wird auch montags trainiert. Renate Funk fährt nicht mehr zu Wettkämpfen, "ich bin da viel zu aufgeregt", sagt sie. Manfred Funk dagegen vertritt die Schützengilde noch immer bei verschiedenen Wettbewerben.

Schießsport ist Randsportart mit schlechtem Image

Wie in vielen anderen Vereinen fehlt auch der Schützengilde der Nachwuchs. Das Ehepaar Funk kann da nicht viel tun: Beide Söhne und die vier Enkel haben eher wassersportliche Ambitionen. Dazu kommt, sagt der 71-Jährige, dass der Schießsport als Randsportart in den Medien so gut wie gar nicht vorkommt. Das Image der Schützenvereine sei schlecht, seit vor Jahren meist psychisch kranke Menschen Sportwaffen von Familienangehörigen entwendeten und damit ein Blutbad anrichteten.

Seither ist das Waffenrecht in Deutschland verschärft worden. "Wir haben das schärfste Waffenrecht weltweit", sagt Manfred Funk, "und ich finde das richtig." Allerdings ärgert es ihn, wenn Sportschützen dann verallgemeinert als verantwortungslos dargestellt werden, sagt er. "Für uns sind die Waffen Sportgeräte, die wir hegen und pflegen und vor fremdem Zugriff schützen", erklärt der Schützenkönig. "Wir sind verantwortungsbewusst."

Mitglieder der Schützengilde Görlitz sind bei vielen Anlässen dabei. Hier schießen sie Salut zum Abschluss der Feierlichkeiten zur offiziellen Einweihung der Altstadtbrücke in Görlitz. Das war im Oktober 2004.
Mitglieder der Schützengilde Görlitz sind bei vielen Anlässen dabei. Hier schießen sie Salut zum Abschluss der Feierlichkeiten zur offiziellen Einweihung der Altstadtbrücke in Görlitz. Das war im Oktober 2004. © SAE Sächsische Zeitung

Hierzulande kann jeder Schützenkönig werden

Alle drei Jahre darf man bei der Schützengilde Schützenkönig werden. "Nicht etwa, weil sich das keiner leisten könnte, sondern damit jeder mal dran ist", erklärt Renate Funk. Ihr Mann ergänzt, dass hierzulande der Schützenkönig nicht ständig in der Pflicht stehe, etwas auszugeben. In den alten Bundesländern muss man sich den Schützenkönig leisten können, denn da wird oft beim öffentlichen Auftreten des Schützenkönigs eine Saalrunde gefordert. Hier ist das nicht so. "Bei der Proklamation gab es eine Runde und das war's", berichtet Manfred Funk.

Dennoch geben Renate und Manfred Funk dem Verein in gleichem Maße zurück, was sie an Geselligkeit empfangen. Zwar steht in der Vereinssatzung, dass jedes Mitglied mindestens 20 Stunden für den Verein im Ehrenamt leisten muss, aber diese Summe erreicht und überbietet das Ehepaar recht schnell und gern. Der 71-Jährige ist Schießleiter im Verein, seine Frau Kassenprüferin. Außerdem helfen sie oft, in und an der Schießanlage in Weinhübel für Ordnung und Sauberkeit zu sorgen. Letztens war erst der neu aufgebaute Luftgewehrstand zu putzen, erklärt Frau Funk.

Beide Schützen-Majestäten wollen noch lange im Verein bleiben, auch wenn vielleicht irgendwann das Schießen nicht mehr möglich ist. "Man könnte auch im Sitzen schießen, aber das muss man dann wieder neu trainieren", erklärt Frau Funk.