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Görlitz profitiert von großem Serien-Dreh

Torstraße 1, Ze Network, Wolfsland - diesen Herbst entstehen in Görlitz gleich mehrere Serien. Das bringt der Stadt Vorteile. Macht aber auch Probleme deutlich.

Dreharbeiten zum Serien-Drama „Torstraße 1“ am Kaufhaus in Görlitz.
Dreharbeiten zum Serien-Drama „Torstraße 1“ am Kaufhaus in Görlitz. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Die Krimiserie "Wolfsland" wird schon seit Jahren in Görlitz produziert - und läuft seit Jahren mit guten Einschaltquoten im TV, selbst bei den Wiederholungen. Vor einem knappen Monat fiel in Görlitz die erste Klappe für die Serie "Torstraße 1". Insgesamt wird etwa zwei Monate in Görlitz gedreht, Berlin und Brandenburg sind weitere Drehorte. Voraussichtlich in den kommenden Tagen werden US-Star David Hasselhoff und der deutsche Schauspieler Henry Hübchen in Görlitz vor der Kamera stehen, ebenfalls für eine Serie, "Ze Network". Serien - sind sie die neuen Filme?

"Film und Serie haben ihre Daseinsberechtigung"

Michael Polle ist einer von drei Produzenten von "Torstraße 1" in Görlitz.
Michael Polle ist einer von drei Produzenten von "Torstraße 1" in Görlitz. © X-Filme

Michael Polle schätzt es anders ein. Gemeinsam mit Stefan Arndt und Uwe Urbas ist er Produzent von "Torstraße 1". Seit 2010 arbeitet er für die von Stefan Arndt mitgegründete Produktionsfirma X-Filme, die zum Beispiel auch für die Serie "Babylon Berlin" verantwortlich zeichnet. "Wir haben einen Serienboom, der seit einigen Jahren bereits anhält", erklärt Michael Polle. "Ich sehe Serien aber eher als eine Ergänzung", nicht als die Ablösung vom Film. "Beides hat seine Daseinsberechtigung."

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Film-Teams länger in Görlitz

Das Crewfoto zum zehnten Teil von "Wolfsland", der voriges Jahr in Görlitz entstand. Das Team um Yvonne Catterfeld und Götz Schubert will ebenfalls diesen Herbst wieder in Görlitz drehen.
Das Crewfoto zum zehnten Teil von "Wolfsland", der voriges Jahr in Görlitz entstand. Das Team um Yvonne Catterfeld und Götz Schubert will ebenfalls diesen Herbst wieder in Görlitz drehen. © MDR/Molina Film/MAOR WAISBURD

Vorteil der Serien-Drehs für Drehorte wie Görlitz: die Laufzeiten sind länger, erklärt Polle. Wie man jetzt auch an "Torstraße 1" merkt. Dass über zwei Monate hinweg in der Stadt gedreht wird, kam länger nicht mehr vor.

"Unser Hauptmotiv ist Görlitz mit dem Kaufhaus, und wir sind über einen längeren Zeitraum hier beheimatet", erzählt Michael Polle. "Das bedeutet auch, dass die Mitarbeiter eine längere, gemeinsame Zeit verbringen, und auch engere Partnerschaften entstehen." Etwa zur Stadtverwaltung, zu Institutionen, den Menschen vor Ort. Auch ein wirtschaftlicher Faktor: Unterkünfte, Sicherheitsdienst, Catering werden so lange benötigt.

Die andere Seite: Fachkräftemangel wird deutlich

Auf der anderen Seite: Die Mitarbeiter sind länger gebunden. "Im Moment wird wahnsinnig viel gedreht", sagt Polle. Wie Stefan Arndt zu einem Vorstellungstermin für "Torstraße 1" im Kaufhaus vor einer reichlichen Woche sagte, bestätigt auch Polle: "Es bedeutet auch, dass Nachwuchsgewinnung in der Filmbranche ein immer größeres Thema wird". Arndts Idee, in Görlitz eine Filmakademie zu etablieren, findet er deshalb sehr sinnvoll. Der erste Zertifikatskurs startet jetzt zum Wintersemester.

"Torstraße 1" wird in zwei Abschnitten gedreht. Für die ersten sechs Folgen zeichnet Regisseurin Sherry Hormann verantwortlich, für die zweiten sechs Teile kommt der österreichische Regisseur Umut Dag an die Neiße. Dahinter stehen noch viel mehr Menschen, vom Sicherheitspersonal über Kulissenbauer, Beleuchter, Visagisten, die Hauptdarsteller wie Nina Kunzendorf, Alexander Scheer, Samuel Finzi, Naemi Feitisch und Ludwig Simon. Alleine rund 350 Menschen gehören zum engeren Drehteam. Dazu kommen weit über 1.000 Komparsen.

Detailverliebte Serie

So einige von ihnen waren am späten Freitagabend auf der Konsulstraße im Einsatz. Eine Szene, so schien es, bei der zwar keine Hauptdarsteller dabei waren, dafür aber so einige Oldtimer. Über mehrere Stunden dauerte der Dreh, bei dem durch Lichtanlagen auf Kränen die Szenerie ausgeleuchtet wurde, die Straßenlampen am Konsulplatz eine neue Ummantelung und die Bewohner zum Beispiel eine Feuermeldestation bekommen hatten. "Es ist ein sehr aufwändiges Projekt", sagt Michael Polle. "Wir legen Wert darauf, die Zeit der 20er Jahre bis ins kleinste Detail herzustellen."

Etwas, das bei heutigen Serien-Produktionen allgemein sehr wichtig sei. "Eine Produktion braucht eine klare Identität", sagt der Produzent. "Woher kommt sie, in welcher Welt spielt sie." Bei "Torstraße 1" geht es um eine junge Frau, die zum Ende der 20er Jahre nach Berlin kommt und den Sohn des Besitzers eines neu eröffneten Kaufhauses - das Kaufhaus Jonass, das es wirklich in Berlin gab - kennenlernt. Die Geschichte der beiden jungen Leute, der beiden Familien, des Kaufhauses sind die Geschichte von Torstraße 1.

Geschichte beruht auf Buchvorlage

Auf der anderen Seite steht die Internationalisierung. "Das Interesse ist auch groß, an andere Orte auf der Welt 'zu reisen' und zu schauen: Wie haben die das Thema erzählt?" Großen internationalen Erfolg hatte etwa "Babylon Berlin". Den erklärt Polle sich auch mit der Geschichte: "'Babylon' spielt in einer Zeit, die lange nicht erzählt wurde", ebenfalls in der Weimarer Republik. "Auf der anderen Seite steht aber auch Bekanntes". Die Serie beruht auf den Bestseller Krimi-Romanen von Volker Kutscher. Auch "Torstraße 1" taucht in die 20er Jahre ein, "aber es ist ein anderes 'Programm'", erklärt Polle. Die Serie beruht auf dem gleichnamigen Roman von Sybil Volks. "Wir haben mit unserer Vicky eine ganz klare weibliche Hauptfigur und zeigen wiederum ganz andere Teile dieser Welt".

Bleibt das Drehteam noch länger - für mehr Staffeln?

Auch bei "Torstraße 1" soll es einen Weltvertrieb geben. Ob es auch weitere Staffeln nach der ersten gibt? Darüber halten die Produzenten sich bedeckt. "Ich sage es mal so: Bei allem Engagement, dass wir jetzt hier hineingelegt haben, will man vielleicht nicht gleich wieder alles abbauen", vermittelt Polle etwas Hoffnung.

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