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Spendenfee hilft Frauenhaus

Die Görlitzerin Anne Kraft-Liebig unterstützt Mütter in Polen. Das ist wegen Corona schwierig. Doch sie hat prominente Unterstützung.

Lächeln für ein Selfie: die Spendenfee Anne Kraft-Liebig und Fanny Jander (von links).
Lächeln für ein Selfie: die Spendenfee Anne Kraft-Liebig und Fanny Jander (von links). © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Anne Kraft-Liebig ist die Görlitzer Spendenfee. Der Komiker Olaf Schubert verpasste ihr diesen Namen. Die Spendenfee sammelt für bedürftige Familien, auch solche, die jenseits der deutschen Grenze leben.

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Seit etwa drei Jahren unterstützt sie ein Mutter-Kind-Heim im polnischen Zgorzelec. Anders als in Deutschland wird um den Standort einer solchen Einrichtung in Zgorzelec kein Geheimnis gemacht: Sie ist nicht weit weg von der Grenze, gleich hinter dem Dom Kultury (Ruhmeshalle) in Richtung eines kleinen Wäldchens. Betrieben wird das Haus vom polnischen Verein Monar.

Weg vom gewalttätigen Mann

In dem Heim leben Frauen mit ihren Kindern, die aus einer gewaltvollen Beziehung geflüchtet sind. „Das Heim arbeitet ähnlich wie bei uns die Frauenhäuser“, erklärt Anne Kraft-Liebig. Etwa zehn bis 15 Frauen mit Kindern leben dort. Manche für drei Monate, manche länger. Dramatische Geschichten hat die Spendenfee gehört. Auch Schwangere, mitunter im Teenager-Alter, finden Zuflucht im Mutter-Kind Heim. Die Mütter und ihre Kinder werden nicht nur mit drei Mahlzeiten am Tag unterstützt, sondern auch mit Unterkunft und Kleidung. Es gibt sozialtherapeutische Angebote und Rechtsberatung, psychologische Hilfe, Workshops zur Vermittlung von Erziehungskompetenzen und Unterstützung bei der beruflichen und sozialen Aktivierung der Mütter.

Die meisten der Bewohner kommen aus ärmlichen Verhältnissen. Geld ist nicht viel da, und auch der Träger des Heims muss haushalten. Umso erfreuter ist man über jede Unterstützung, die man bekommen kann. Derzeit ist der Verein auf der Suche nach einer Kommode und einem Kleiderschrank. Für einen neuen Anstrich in den Räumen beispielsweise sorgten vor einiger Zeit etliche Eimer mit Farbe, die die Spendenfee organisierte.

Mut wird belohnt

Anne Kraft-Liebig sammelte auch im Vorjahr für das polnische Haus. Dann kam die zweite Welle der Pandemie und mit ihr die de facto Grenzschließung. Für die Weihnachtszeit hatte die Görlitzerin die Übergabe einer großen Spende an das Heim geplant. Wie aber sollte sie über die Grenze kommen? Ohne triftigen Grund war das nicht erlaubt.

Also war sie mutig und bat den Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu um Unterstützung. „Und tatsächlich, er half“, freute sich die Spendenfee. Sie vermutet, dass der OB sich an sie erinnerte, war sie doch erst im letzten Herbst mit dem Meridian des Ehrenamtes ausgezeichnet worden. Diese Auszeichnung verleiht die Stadt Görlitz jedes Jahr an Bürger, die sich hervorragend im Ehrenamt engagieren.

Umarmung als Dankeschön unmöglich

Anne Kraft-Liebig und ihre Begleiterinnen auf der Spendentour - Claudia Altmann und Fanny Jander - bekamen vom Ordnungsamt ein Schreiben mit, das ihnen den problemlosen Grenzübertritt in der Europastadt ermöglichen sollte. Da sie weit weniger als zwölf Stunden in Polen blieben, mussten sie auch nicht in die Quarantäne.

Mit Sack und Pack und drei großen Autos fuhren die drei Frauen kurz vor Weihnachten nach Zgorzelec. Haltbare Lebensmittel, darunter auch Milch, Hygieneprodukte für Frauen und Windeln für Kinder, Bekleidung und mehr stellten sie den Frauen im Heim vor die Tür. „Reintragen war nicht möglich, denn auch wir halten uns an die Corona-Regeln und Mindestabstände“, betont die Spendenfee.

Wie immer waren die Freude und die Dankbarkeit sehr groß. „Aber diesmal wurde deutlicher als sonst, wie gern die Frauen uns gedrückt, umarmt und gedankt hätten. Wegen Corona blieb es bei einem sehr dankbaren Lächeln und Winken“, erzählt die Görlitzerin. „Und herzlichen Dankesworten, die Claudia Altmann übersetzte, sie spricht im Gegensatz zu mir polnisch.“

Das Dom Kultury - erbaut als deutsche Ruhmeshalle - in Zgorzelec. In der Nähe befindet sich das Mutter-Kind-Heim.
Das Dom Kultury - erbaut als deutsche Ruhmeshalle - in Zgorzelec. In der Nähe befindet sich das Mutter-Kind-Heim. © SZ-Archiv
St. Bonifatiuskirche Zgorzelec
St. Bonifatiuskirche Zgorzelec © SZ-Archiv
Jacob-Böhme-Haus am polnischen Ufer der Neiße. Hier lebte der berühmteste Sohn der Stadt Görlitz - ein Mystiker, Philosoph und christlicher Theosoph.
Jacob-Böhme-Haus am polnischen Ufer der Neiße. Hier lebte der berühmteste Sohn der Stadt Görlitz - ein Mystiker, Philosoph und christlicher Theosoph. © SZ-Archiv
Blick über die Neiße in Richtung Dreiradenmühle (rechts). Links ist die Vierradenmühle am deutschen Ufer zu erkennen.
Blick über die Neiße in Richtung Dreiradenmühle (rechts). Links ist die Vierradenmühle am deutschen Ufer zu erkennen. © SZ-Archiv
Blick vom Ziegeleiweg in Görlitz-Königshufen in Richtung Zgorzelec, wo diese markanten Hochhäuser stehen.
Blick vom Ziegeleiweg in Görlitz-Königshufen in Richtung Zgorzelec, wo diese markanten Hochhäuser stehen. © Rolf Ullmann

Görlitzer zeigen sich spendabel

Möglich machen die Hilfen – nicht nur für das Mutter-Kind-Heim in Zgorzelec, sondern auch für bedürftige Familien in Görlitz und dem Umland - die zahlreichen Spender. „Görlitzer sind sehr spendabel“, sagt die Spendenfee. Kaum habe sie auf ihrer Facebookseite einen Aufruf gestartet, treffen die ersten Spenden ein. „Manchmal reicht auch schon eine Bemerkung in einem Nebensatz und die Leute fragen an, wie sie helfen können“, berichtet die Spendenfee.

Derzeit will sie ihre „Reichweite“ erhöhen und postet neben Facebook auch bei Instagram. Sie hofft darauf, Menschen zu finden, die sie selbst als Person sponsern, damit sie weiterhin als Spendenfee tätig sein kann. Reich werden will sie damit aber nicht, sondern lediglich die Kosten der Spendentätigkeit begleichen. Die Kosten entstehen ihr unter anderem mit einem Lager, wo sie die gespendeten Sachen aufbewahrt und von dort aus verteilt, meist mit ihrem eigenen Pkw.

Spendenfee braucht selbst Unterstützung

Dabei könnte sie selbst Hilfe gebrauchen, ihre private Situation sieht alles andere als rosig aus. Bis April bekommt sie noch Erziehungsgeld für den jüngsten ihrer drei Sprösslinge. Danach will sie wieder arbeiten. Ihr Mann erhielt gerade als einziger Mitarbeiter des Unternehmens, in dem er arbeitet, die Kündigung. Und das, ohne ein einziges Wort im Vorfeld und obwohl der Firma für den Mitarbeiter gar keine Kosten entstehen: Der Mann ist krankgeschrieben, seit er im Vorjahr einen Schlaganfall erlitt und sich mit regelmäßigem Training zurück ins Leben kämpft.

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