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Wer kauft zwei Kliniken in Görlitz und Kamenz?

Die Malteser-Krankenhäuser in Görlitz und Kamenz wurden an eine frisch gegründete Gesellschaft verkauft. Wer dahinter steckt und warum sie sich mit Kliniken auskennt.

Von Daniela Pfeiffer
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Alles neu im Carolus: Die Malteser geben es an die Gesellschaft für Gesundheit und Versorgung Sachsen GmbH ab.
Alles neu im Carolus: Die Malteser geben es an die Gesellschaft für Gesundheit und Versorgung Sachsen GmbH ab. © André Schulze

Leicht hatte man es als Mitarbeiter im Görlitzer St. Carolus-Krankenhaus in den vergangenen Jahren nun wahrlich nicht. Von solchen Krisen wie aktuell durch die Pandemie einmal abgesehen, gab es auch zur Zukunft des Hauses immer wieder neue Ansagen und Entwicklungen und alles in allem recht turbulente Zeiten.

Als vor einem Jahr die Malteser verkündeten, sie würden nicht verkaufen, schien alles endlich in ruhigem Fahrwasser. Nun plötzlich platzt die Nachricht herein, dass eine ganz neue Gesellschaft mit den Kliniken in Kamenz und Görlitz die letzten beiden Malteser-Krankenhäuser gekauft hat. Doch die Belegschaft ist wenig beunruhigt, wie die SZ erfuhr. Einmal, weil wegen der schlimmen Coronalage ohnehin gerade wenig Zeit für anderes ist. Zum anderen, weil gleich zu Beginn versichert wurde, dass alles beim alten bleibt - auch finanziell. Dass keiner gehen muss.

Eigentümer sind selber Mediziner

Auf Veränderung werden sich die Mitarbeiter, vielleicht auch die Patienten aber schon einlassen müssen. Schließlich sind diejenigen, die das St. Carolus und das St. Johannes in Kamenz gekauft haben, mit Plänen angetreten. Käufer ist die Gesellschaft für Gesundheit und Versorgung Sachsen (GGS) mit Sitz in Hamburg. Sie wurde eigens für den Kauf der beiden Kliniken gegründet. Dahinter stehen drei Herren - zwei Ärzte und ein Gesundheitsmanager - die Unternehmen im Gesundheitssektor besser betreiben und im Falle kleinerer Kliniken auch retten wollen.

Konkret sind das Ulf Völkel, langjähriger Gesundheitsmanager, der bundesweit viele Dialysen aufbaute. Außerdem Prof. Christian Wallwiener, Arzt und Geschäftsführer der WMC Healthcare in München sowie Prof. Wieland Sommer, ein Radiologe und Unternehmer im Gesundheitswesen, der sich auch durch Digitalisierung von Arbeitsprozessen im Klinikalltag einen Namen machte - etwa durch digitale Dienstplanung oder durch den Einsatz künstlicher Intelligenz in der Diagnostik. Er gilt als Pionier auf diesem Feld.

Werden das St. Carolus auch unter den neuen Eigentümern führen: Standortleiterin Daniela Kleeberg und Geschäftsführer Sven Heise, der noch einen zweiten Geschäftsführer an die Seite bekommt.
Werden das St. Carolus auch unter den neuen Eigentümern führen: Standortleiterin Daniela Kleeberg und Geschäftsführer Sven Heise, der noch einen zweiten Geschäftsführer an die Seite bekommt. © Martin Schneider

Warum kaufen sie aber Krankenhäuser? Einer, der sich damit auskennt und der die neue GGS berät, ist Florian Friedel, der wiederum selbst ein Unternehmen hat: die Hospital Management Group GmbH (HMG) mit Sitz in Schleswig. 30 Mitarbeiter hat diese, die Hälfte davon agiert als Geschäftsführer in Kliniken - der Rest in Schlüsselpositionen, wo es um Budget, Finanzen, Pflege- und OP-Management geht.

Kern der Sache ist, kleinere Kliniken zu erhalten, ihr Potenzial zu sehen, sie in Zusammenarbeit mit großen Krankenhäusern und Unikliniken zu bringen - und ja, sie weiterzuentwickeln, auch mit ganz modernen, digitalen Ansätzen. 15 Krankenhäuser managt die Hospital Management Group GmbH. „Sie gehören alle unterschiedlichen Trägern“, erzählt er. „Aber alle haben erkannt, dass es schwierig ist, als kleines Krankenhaus auf sich gestellt zu überleben. Es ist alles sehr kompliziert geworden mit den Regelungen und Anforderungen im Gesundheitswesen.“ Da kann es entscheidend sein, sich zu vernetzen. In Süddeutschland ist das nichts Ungewöhnliches mehr, es sei ein Geschäftsmodell, das sich durchsetzt. Jetzt also auch in Sachsen? „Wir glauben an die Existenzberechtigung kleiner und mittelgroßer Krankenhäuser“, sagt Friedel. „Sie haben eine Berechtigung und man kann auch sie wirtschaftlich führen.“ In Görlitz und Kamenz soll das bewiesen werden.

Typisches Carolus-Bild: Klinikleitung, Ärzteschaft und mittendrin die Schwestern des Borromäer-Ordens, die das Haus über Jahrzehnte führten und hier immer noch leben. Im Bild: Standortleiterin Daniela Kleeberg (Mitte), Schwester M. Gemma Biliboc (links) u
Typisches Carolus-Bild: Klinikleitung, Ärzteschaft und mittendrin die Schwestern des Borromäer-Ordens, die das Haus über Jahrzehnte führten und hier immer noch leben. Im Bild: Standortleiterin Daniela Kleeberg (Mitte), Schwester M. Gemma Biliboc (links) u © Archiv: Raphael Schmidt

Dabei soll sich an der grundsätzlichen Ausrichtung und Kultur beider Häuser erstmal gar nichts weiter ändern. Ohne aber eine Ewigkeitsgarantie zu geben, sagt Friedel auch. Wer erfolgreich sein möchte, müsse sich auch hinterfragen.

Den großen Unterschied zwischen Kamenz und Görlitz sieht er darin, dass es in Görlitz zwei Kliniken gibt. In Kamenz sei der Fall klar, dort wird das Krankenhaus Grund- und Regelversorger bleiben. Es sei völlig außer Frage, dass es als solches dort gebraucht wird - natürlich auch mit der Gynäkologie und Geburtenstation.

Es soll gemeinsam mit dem Klinikum gehen

In Görlitz ist das Städtische Klinikum Platzhirsch. An das gehen klare Signale: „Wir wollen keinen harten Wettbewerb, sondern eine verlässliche und konstruktive Kooperation. Wie diese im Detail aussehen wird, lässt sich noch nicht sagen, das Spektrum ist breit.“ Beide Häuser verfügen über eine Urologie und Chirurgie, warben sich in der Vergangenheit Ärzte gegenseitig ab.

Gespräche hat es zumindest mit dem Rathaus schon gegeben. Oberbürgermeister Octavian Ursu spricht selbst von Kooperation, sagt, dass die Gesundheitsversorgung in Görlitz weiterhin so gut wie möglich ausgebaut und abgesichert werden sollte. „Dementsprechend wollen wir, dass sich beide Krankenhäuser möglichst gut untereinander abstimmen.“ Beide Häuser sollen gestärkt werden - für eine optimale Patientenversorgung.

Zunächst geht es also darum, sehr viel zu reden. Probleme benennen und dann überlegen, wie es besser geht, ist das Ziel. Auch mit den bisherigen Kooperationspartnern wie etwa dem Universitätsklinikum Cottbus. Da seien die neuen Eigentümer nach allen Seiten offen.

Investitionen soll es ebenfalls geben, der Aufbau integrierter ambulant-stationärer Versorgungsmodelle soll vorangetrieben, ebenso Modernisierung und Digitalisierung - gegebenenfalls mit baulichen Veränderungen. Mittelfristig gehe es dabei um mehrere Millionen. Personell ändert sich, dass die HMG Lutz Möller als zweiten Geschäftsführer einsetzt, der nun die Häuser in Kamenz und Görlitz gemeinsam mit dem bisherigen Klinikleiter Sven Heise führen wird - neben Standortleiterin Daniela Kleeberg in Görlitz.