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Wenn man nicht in die Straßenbahn kommt

Immer wieder haben vor allem Ältere Probleme beim Einsteigen, etwa an der Endhaltestelle in Weinhübel. Die Görlitzer Verkehrsbetriebe suchen nach Lösungen.

Auch Gertraude Hesse hat Probleme mit ihrem Rollator in die Straßenbahn einzusteigen - an der Endhaltestelle in Weinhübel.
Auch Gertraude Hesse hat Probleme mit ihrem Rollator in die Straßenbahn einzusteigen - an der Endhaltestelle in Weinhübel. © Martin Schneider

Mehr als mühsam ist es für manchen älteren Menschen, wenn er in die Straßenbahn einsteigen muss. Gleiches gilt für Mütter mit Kinderwagen. Besonders an der Endhaltestelle in Weinhübel sei das aufgefallen, sagte CDU-Stadtrat Dieter Gleisberg in der jüngsten Ratssitzung und fragte, ob es dort irgendwelche Hilfen gibt. Etwa wie in anderen Städten, wo beispielsweise Rampen heruntergeklappt werden können oder der Fahrer aussteigt, um Hilfsbedürftige zu unterstützen.

Die Görlitzer Verkehrsbetriebe (GVB) bestätigen das Problem. Dieser Zustand sei seit Jahren absolut unbefriedigend, da man als ÖPNV-Dienstleister natürlich daran interessiert sei, alle Fahrgäste transportieren zu können und niemanden von der Beförderung auszuschließen, so Sprecher Andreas Kolley.

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„Doch durch die Einstiegsstufen lassen sich für unsere aktuellen Straßenbahnfahrzeuge leider keine schnellen und einfachen Lösungen zur Herstellung der Barrierefreiheit realisieren.“ Ein Umbau der Fahrzeugflotte durch den Einbau von Niederflurteilen, wie es bei anderen Verkehrsunternehmen schon vor vielen Jahren erfolgte, sei heute durch das hohe Alter der Fahrzeuge und die bevorstehende Neubeschaffung von Straßenbahnen nicht mehr wirtschaftlich. Aufgrund der Einstiegshöhe lasse sich auch keine Rampenlösung wie etwa bei den GVB-Bussen realisieren. Der Neigungswinkel wäre einfach zu groß.

Clemenz Jonkisch hievt an der Endhaltestelle in Weinhübel den Kinderwagen in die Bahn.
Clemenz Jonkisch hievt an der Endhaltestelle in Weinhübel den Kinderwagen in die Bahn. © Martin Schneider

Fahrer kann oft nur an Endhaltestellen helfen

„Darüber hinaus ist uns keine bauliche Maßnahme bekannt, wie wir durch die Anpassung oder den Umbau der Bahnsteige das Problem adäquat lösen könnten“, sagt Kolley.

Allerdings würden die GVB-Fahrer und Kundendienstmitarbeiter selbstverständlich beim Einsteigen helfen. Viele Fahrgäste wissen das Kolley zufolge auch. „Zugegebener Maßen funktioniert dies leider oft nur an den Endhaltestellen oder falls der Fahrplan entsprechende Pufferzeiten vorsieht. Darüber hinaus ist es für die betreffenden Fahrgäste oft schwierig, sich bemerkbar zu machen – hier befinden wir uns gerade in der Prüfung eines möglichen Lösungsansatzes.“

In den nächsten Jahren soll das Görlitzer Straßenbahnnetz erneuert werden. Die Stadt hofft auf 67 Millionen Euro aus dem Strukturwandel-Topf, will Modellregion werden. Unter anderem sollen acht neue Straßenbahnen gekauft werden. Die ersten Fahrzeuge könnten im Probebetrieb ab Ende 2024 eingesetzt werden.

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