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Komödie aus der Nazi-Zeit: Görlitzer Studierendenensemble erzählt Flüchtlingsgeschichte als Posse

Die Laiendarsteller bringen am Wochenende im Görlitzer Apollo-Theater ein neues Stück auf die Bühne. Dessen Vorlage stammt aus der Zeit um die NS-Machtergreifung - und das Thema könnte kaum aktueller sein.

Von Marc Hörcher
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Schillers "Die Räuber" war die zweite Inszenierung des Görlitzer Studierendenensembles. Dieses Bild, aufgenommen im Apollo-Theater, zeigt eine Schauspielerin bei den Proben zu dem Stück.
Schillers "Die Räuber" war die zweite Inszenierung des Görlitzer Studierendenensembles. Dieses Bild, aufgenommen im Apollo-Theater, zeigt eine Schauspielerin bei den Proben zu dem Stück. © privat / Eike Zastrow (GHT)

Das Studierendenensemble des Gerhart-Hauptmann-Theaters Görlitz/Zittau zeigt am Wochenende seine neueste Inszenierung. Unter dem Titel "Ein Hin und Her" frei nach einem Stück nach Ödön von Horvárth bringen die jungen Leute eine Komödie auf die Bühne des Apollo-Theaters in der Hospitalstraße, welche das "seit Generationen relevante Thema der Frage nach Zugehörigkeit und der Sinnhaftigkeit von Grenzen" zum Thema hat, heißt es im Pressetext.

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Im Originalstück erzählt wird die Geschichte von Ferdinand Havlicek, der nach dem Konkurs seiner Drogerie aus dem Staat, in dem er ein halbes Jahrhundert gelebt hatte, abgeschoben wurde. Nun möchte er in sein Geburtsland zurückreisen - hat jedoch versäumt, dort die erforderliche Erneuerung der dortigen Staatsbürgerschaft vorzunehmen. Nun diskutiert er vor Ort mit den Zuständigen - und merkt recht schnell: "Man hat's nicht leicht als Grenzorgan!", denn "herüber will ich, aber darf ich nicht und hinüber soll ich, aber darf ich nicht". ‎ Der Autor selbst bezeichnete sein 1934 uraufgeführtes Stück als eine „Posse in zwei Teilen“.

Den Studentinnen und Studenten ist es wichtig, dass sie in ihrer Fassung bei weitem nicht auf alle Probleme eingehen, die der Autor des Original-Stücks aufgeworfen hat. "Natürlich geht es um die Zugehörigkeit, wie es im Pressetext des GHTs steht, aber viele andere Anteile wurden von uns geändert oder weggelassen", erklärt Lena Wallwitz stellvertretend für das Studierendenensemble. Zudem werde die NS-Zeit, in welcher die Urform des Stücks spielt, kein Thema in ihrer Inszenierung sein. "Auch die Namen stimmen nicht mit denen überein, für die wir uns entschieden haben. Aufgrund unserer Gruppenkonstellation haben wir die meisten Geschlechterrollen im Namen getauscht."

Gegründet wurde das Studierendenensemble vor zwei Jahren von Eike Zastrow, damals selbst Student des Studiengangs Kultur und Management an der Hochschule in Görlitz. Zuvor hatte Zastrow bereits ein Schauspielstudium in Hamburg sowie ein Regie-Studium in Regensburg abgeschlossen. Zastrow hat mit dem unbezahlten Laien-Ensemble drei Inszenierungen erfolgreich auf die Beine gestellt. Mittlerweile ist er aus privaten Gründen aus Görlitz weggezogen. Aktuelle Leiterin des Ensembles ist die Studentin Janika Stelley, die die Gruppe von Zastrow übernahm. "Ein Hin und Her" ist die erste Inszenierung unter ihrer Leitung.

Aufführungen am 22. und 23. Juni jeweils ab 19.30 Uhr im Apollo Theater, Hospitalstraße, Görlitz, Karten erhältlich an der Theaterkasse und auf der Webseite