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Patienten bei Görlitzer Urologen in guten Händen

Zehn Jahre nach dem Urologenstreit haben beide Görlitzer Kliniken heute gute Patientenzahlen. Dem Konkurrenzkampf begegnen sie mit Spezialisierung.

Millimetergenau kann Chefarzt Vladimir Novotny im Görlitzer Klinikum Prostata-Gewebe untersuchen.
Millimetergenau kann Chefarzt Vladimir Novotny im Görlitzer Klinikum Prostata-Gewebe untersuchen. © Foto: Klinikum Görlitz

Er kennt beide Seiten: Dr. Andreas Lammert war elf Jahre Chefarzt der Urologie im Städtischen Klinikum. Und ist es nunmehr fast genauso lange am Malteser-Krankenhaus St. Carolus. Als im Herbst vor zehn Jahren nach Streitigkeiten wegen eines Ärztehonorars sechs Urologen - und damit quasi eine komplette Abteilung - vom Klinikum ins Carolus wechselte, war Lammert dabei. „Eine turbulente Zeit“, sagt er rückblickend. „Das brachte eine deutliche Unruhe in beide Häuser, die lange anhielt und sich erst über die Jahre wieder legte.“ Für ihn persönlich sei es damals ein notwendiger Schritt gewesen, heute ist er zufrieden so wie es ist, sagt Lammert.

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Die Urologie am St. Carolus hat sich in den zehn Jahren genauso etablieren können wie jene im Klinikum, die vor allem in den vergangenen vier Jahren stark steigende Patientenzahlen aufweisen kann. Solange ist Chefarzt Dr. Vladimir Novotny schon hier. Von der Dresdner Uniklinik kommend hat er neue Impulse in die Urologie des Klinikums gebracht und sie weiter ausgebaut - vor allem was die komplette Entfernung von Prostata oder Blase bei Krebs angeht. Auf diesem Gebiet hat Novotny auch habilitiert, gilt somit überregional als ein Spezialist. Die Zahlen für diesen Eingriff, der viele Patienten von Krebs befreit, ist stark gestiegen. 2016 wurde er am Klinikum noch 16 Mal durchgeführt, 2020 schon 78 Mal. Das hat nun nichts damit zu tun, dass es plötzlich so viele Fälle von Krebs gibt, sondern dass Patienten aus ganz Ostsachsen, zum Teil sogar aus Pirna oder Dresden dafür hierher kommen.

Erst Chefarzt der Urologie im Städtischen Klinikum, nun seit zehn Jahren im Malteser-Krankenhaus St. Carolus: Dr. Andreas Lammert.
Erst Chefarzt der Urologie im Städtischen Klinikum, nun seit zehn Jahren im Malteser-Krankenhaus St. Carolus: Dr. Andreas Lammert. © Martin Schneider

Sechs Urologen wechselten damals zum St. Carolus

Damit kann das Klinikum auf diesem speziellen Gebiet auch mit großen, etablierten Urologie-Abteilungen etwa am Uniklinikum Halle oder Chemnitz mithalten, wo die OP-Zahlen nur wenig höher sind. Dr. Novotny hat diese OP seit 2004 ungefähr 1.450 Mal durchgeführt. Auch zwei der Oberärzte aus dem insgesamt achtköpfigen Team machen die. Muss die Blase wegen Krebs entfernt werden, wird sie anschließend sofort durch eine künstliche ersetzt, die die Görlitzer Ärzte aus einem Stück Dünndarm formen.

Stolz und dankbar ist der Chefarzt für die komplette neue Funktionsabteilung, die die Urologie 2019 bekam und die sich das Klinikum 1,3 Millionen Euro hatte kosten lassen. Hier gibt es beispielsweise einen eigenen Aufwachraum nur für urologische Patienten. Auch die eigene Pathologie ist ihm Gold wert, denn so sind Befunde möglich noch während der Patient auf dem OP-Tisch liegt.

Verstecken muss sich aber auch das zweite Görlitzer Krankenhaus nicht. Heute sind noch drei der damals sechs übergewanderten Urologen hier tätig, insgesamt besteht das Team aus Chefarzt Lammert, drei Oberärzten sowie weiteren Assistenzärzten, darunter eine Ärztin. „Wir sind von der Stellenzahl her voll besetzt, hätten aber natürlich nichts gegen weitere Verstärkung. Zu tun ist genug. Und mit 25 Betten ist die Urologie im Carolus nahezu gleich groß wie jene im Klinikum mit 27 Betten. Auch die Patientenzahlen sind ungefähr gleich.

Wer geht aber nun wohin? Beide Chefärzte erklären, dass das in erster Linie der niedergelassene Urologe entscheidet - der wiederum den Patient nach dessen Präferenz fragt. Natürlich steht auch das Krankheitsbild im Fokus und so stellt sich die Frage nach dem wohin manchmal auch nicht. Beispielsweise ist das St. Carolus in der sogenannten Neuro-Urologie Spezialist, dazu zählen etwa nervenbedingte Blasenentleerungsstörungen. „Im großen Maße operieren wir die vergrößerte Prostata“, sagt Chefarzt Lammert. Das ist häufig ein Problem älterer Männer. Zwar ist die Vergrößerung oft gutartig, muss aber eben meistens entfernt werden.

Dass sie damit kürzlich in einem Barmer-Ranking auf vorderen Plätzen auftauchten, habe ihn stolz gemacht, so der 63-jährige Chefarzt. Bei den transurethralen Blasentumorentfernungen - das passiert per Endoskop durch die Harnröhre - landet das St. Carolus auf Platz fünf, bei der Prostataentfernung gar auf Platz drei. Bei der Nierensteinentfernung wiederum auf Platz drei.

Seit Januar 2017 Chefarzt der Urologischen Klinik am Städtischen Klinikum Görlitz: PD Dr. habil. Vladimir Novotny - hier am neuen Biopsie-Gerät.
Seit Januar 2017 Chefarzt der Urologischen Klinik am Städtischen Klinikum Görlitz: PD Dr. habil. Vladimir Novotny - hier am neuen Biopsie-Gerät. © Martin Schneider

Beide nehmen viel Geld in die Hand

„Letztlich machen eigentlich beide Kliniken im Wesentlichen das gleiche, nur mit unterschiedlichen Schwerpunkten“, sagt Andreas Lammert. Beide seien gefestigt und etabliert, hätten medizintechnisch in etwa den gleichen Stand, der kollegiale Umgang sei gut. Man sehe sich schließlich bei Weiterbildungen oder Kongressen - so auch auf dem von den Maltesern und dem Dresdener Friedrichstadt-Krankenhaus organisierten Urologentag am 13. November im Gut am See.

Trotzdem stehen beide Häuser nach wie vor in Konkurrenz zueinander, das macht sich aktuell vor allem bei den Investitionen in hochmoderne medizinische Technik bemerkbar. Nagelneu im Klinikum: ein 110.000 Euro teures Gerät, mit dem viel genauer als bisher Gewebe untersucht und Krebs festgestellt werden kann. MRT-fusionierte Prostatabiopsie nennt sich das Verfahren, das Dr. Novotny nun einsetzt. Die Echtzeit-Aufnahmen der Biopsie werden dabei mit den mitgebrachten MRT-Aufnahmen zusammengeführt. „Wir punktieren auf diese Weise schon kleinste Gewebeveränderungen und können so bösartige Zellen exakt ausmachen“, erklärt der 46-jährige Chefarzt. Dieses Verfahren gab es östlich von Dresden bislang nicht.

Das St. Carolus will technisch dem Klinikum nicht nachstehen. „Wir werden Anfang nächsten Jahres mit einem Röntgengerät nachziehen“, sagt Dr. Lammert. Dies kommt übrigens beiden Geschlechtern zugute. Denn anders als viele Menschen glauben, ist die Urologie nicht reine Männerheilkunde. Ein gutes Drittel der Patienten sind Frauen, die mit Blasen- oder Nierenerkrankungen oder Inkontinenzproblemen kommen. Im Klinikum behandelt Dr. Novotny auch Kinder mit urologischen Krankheitsbildern.

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