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Feuerwehrkleidung lässt Hitze durch

Die Stadt Görlitz muss 240.000 Euro ungeplant ausgeben - weil die erst vor fünf Jahren gekaufte Einsatzkleidung nicht mehr getragen werden kann.

Da war die Kleidung noch in Ordnung: Im Oktober 2019 besuchte Oberbürgermeister Octavian Ursu die Feuerwache auf der Görlitzer Krölstraße und Leiter Uwe Restetzki.
Da war die Kleidung noch in Ordnung: Im Oktober 2019 besuchte Oberbürgermeister Octavian Ursu die Feuerwache auf der Görlitzer Krölstraße und Leiter Uwe Restetzki. © André Schulze

Die Feuerwehr bleibt Sorgenkind in der Stadt. Musste der damals frisch gewählte Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu im Herbst 2019 das Problem des jahrelang gewachsenen Überstundenberges bei der Berufsfeuerwehr lösen, so steht er jetzt schon wieder vor neuen Herausforderungen. Richtig teuren.

Denn wie sich jetzt herausstellte, muss die Stadt neue Einsatzschutzbekleidung kaufen - und zwar in Größenordnungen. Öffentlich wurde die Sache, nachdem Stadtrat Andreas Kolley (Motor Görlitz) eine entsprechende Anfrage im jüngsten Stadtrat stellte. Demnach müssen 120 neue Einsatzsets - jeweils Jacke, Hose, Stiefel und Handschuhe - neu angeschafft werden. Wie Uwe Restetzki, der Chef der Görlitzer Berufsfeuerwehr, auf SZ-Nachfrage erklärt, sollen 100 an die Freiwillige und 60 Stück an die Berufsfeuerwehr gehen.

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Grund für die außerplanmäßige Ausgabe, die die Stadt immerhin 240.000 Euro - aufgeteilt in drei Jahresscheiben - kostet: Die Anzüge sind kaputt. Aufgefallen ist das Mitarbeitern der Berufsfeuerwehr nach der Wäsche und Kontrolle der Kleidung. Es sei üblich, dass die Kollegen, die gerade nicht im Einsatz sind, sich darum kümmern. Dazu gibt es eigens eine große Industriewaschmaschine und einen Trockenschrank, in dem die Anzüge auch automatisch imprägniert werden.

Auch die Görlitzer Feuerwehrmänner üben den Ernstfall regelmäßig in solchen Brandübungscontainern. Schon allein davon kann ein Schutzanzug so beschädigt werden, dass er nicht mehr im Einsatz getragen werden kann.
Auch die Görlitzer Feuerwehrmänner üben den Ernstfall regelmäßig in solchen Brandübungscontainern. Schon allein davon kann ein Schutzanzug so beschädigt werden, dass er nicht mehr im Einsatz getragen werden kann. © Daniel Schäfer

"Hinten in den Anzügen ist eine Revisionsöffnung, wo man prüfen kann ob die einzelnen Schichten noch in Ordnung sind", sagt Restetzki. Das erschreckende Ergebnis nach der letzten Prüfung: Die Noppen auf einer Zwischenfolie waren abgenutzt und damit hitzedurchlässig geworden. Eigentlich dienen sie als Wärmeisolation. Nachdem das intern festgestellt worden war, sind zwei Sets an den Hersteller geschickt worden - dort wo man die Kleidung erst 2015 gekauft hatte. Der Fehler wurde bestätigt, die Garantiezeit war allerdings bereits abgelaufen. Ist es möglicherweise ein Materialfehler vom Hersteller? "Man kann nicht sagen, was die Ursache ist. Der Hersteller lehnt sich da natürlich auch nicht zu weit heraus", so Restetzki. Haben die Kollegen die Kleidung möglicherweise falsch gewaschen? Das glaubt der Feuerwehrchef nicht.

Fakt ist: Manchmal kann so ein Anzug schon nach einem einzigen Einsatz hinüber sein - "ablegereif", wie es im Fachjargon heißt. Wenn ein Feuerwehrmann komplett in den Flammen gewesen ist, zum Beispiel - ob im Einsatz oder bei Übungen in Brandübungscontainern, wie sie die Görlitzer Kameraden regelmäßig nutzen. "Dann greift die Schutzwirkung der Anzüge voll, aber es kann eben auch sein, dass der Oberstoff nachher zu stark beschädigt ist."

Deshalb hat die Stadt alle beschädigten Kleidungssets aus dem Bestand der Feuerwehr genommen und durch Bekleidung aus dem Pool der Feuerwehr beziehungsweise durch Leihkleidung verschiedener Herstellerfirmen ersetzt. In den kommenden drei Jahren sollen nun 200 Sets neu gekauft werden. Die Lieferung soll mittels Rahmenvertrag zwischen 2021 und 2023 erfolgen: Im kommenden Jahr sollen demnach 110 Sets für 132.000 Euro gekauft werden, und 2022 und 2023 jeweils noch einmal 45 Stück für jeweils 54.000 Euro. Insgesamt also 240.000 Euro, allerdings stehen 80.000 Euro aus dem Wegfall geplanter Maßnahmen zur Verfügung.

Jedes Set maßgeschneidert

Die Stadträte stimmten also der Ausgabe von 160.000 Euro zu - eine Eilentscheidung, schließlich geht es um die Sicherheit der Feuerwehrmänner. Richtig erfreut über die hohe Summe ist freilich niemand. Matthias Urban, der für die CDU im Stadtrat sitzt, ist selber Feuerwehrmann. "Das passiert, ist aber sehr ärgerlich. Die Qualität ist einfach Mist." Dennoch, er betont, dass die Stadt mehr als in den Jahren davor in die Ausrüstung und Ausstattung der Feuerwehr investiere. "Allerdings fehlen uns nach wie vor die Eigenmittel für den Neubau des Feuerwehrgerätehauses Innenstadt. Ich hoffe sie werden noch gefunden. Eigentlich sollte dieses Jahr Baubeginn sein." Nach Angaben von Bürgermeister Michael Wieler vor Journalisten am Freitag, rechnet die Stadt nun fest mit einem Baubeginn im kommenden Jahr.

Die Ausschreibung für die neue Kleidung läuft bereits, Uwe Restetzki hofft, dass es im Januar dazu eine Entscheidung gibt und im Juni vielleicht die ersten neuen Kleidungssets da sind. Früher werde es auf keinen Fall, da der Hersteller die Anzüge auf jeden Kameraden einzeln zuschneiden müsse. Das heißt, erst wenn der Auftrag bestätigt ist und die Männer vermessen sind, kann die Produktion beginnen.

Und die aussortierten Anzüge? Was damit geschieht, ist noch nicht entschieden. Vielleicht kann sie noch zu Ausbildungszwecken getragen werden, es gibt schließlich auch Betätigungsfelder bei der Feuerwehr, wo Wärmedämmung nicht so entscheidend ist.

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