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"Ich will zu den ersten Kunden im Kaufhaus gehören"

Erika Rohne arbeitete einst im Görlitzer Jugendstilkaufhaus. Sie hofft, dort bald einkaufen zu können. Jetzt gab es eine Überraschung für sie.

Erika Rohne war in den 1960ern Verkäuferin im Kaufhaus Görlitz. Jetzt wartet sie auf dessen Wiedereröffnung.
Erika Rohne war in den 1960ern Verkäuferin im Kaufhaus Görlitz. Jetzt wartet sie auf dessen Wiedereröffnung. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Erika Rohne nahm sie selbst in Augenschein - die beiden alten Villen neben dem Parkhaus in der Görlitzer Innenstadt. „Nein, die zu erhalten lohnt sich wirklich nicht“, sagt die 81-jährige Görlitzerin.

In einem Leserbrief an die Sächsische Zeitung schreibt Frau Rohne, dass man um die beiden Gebäude nicht streiten müsse. Eins der Häuser sei eine Ruine, das andere sehr verfallen. Beide seien ein Schandfleck für die Stadtmitte.

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So könnte das Kaufhaus einmal aussehen.
So könnte das Kaufhaus einmal aussehen. © Grafik: Stöcker Kaufhaus GmbH

"Lasst den Mann doch machen!"

Erika Rohne freute sich sehr, dass der Stadtrat entschied, die alten Villen in das Stöcker-Konzept einzubeziehen. Winfried Stöcker, gebürtiger Oberlausitzer und bekannt geworden als Inhaber eines Unternehmens aus der Medizintechnik, erwarb das Görlitzer Jugendstilkaufhaus im Stadtzentrum und will es wieder als Kaufhaus eröffnen. Außerdem hat er das City-Center erworben, das er ebenso umbauen und als neues Marktzentrum mit dem Kaufhaus verbinden will. Schließlich plant er, das Parkhaus zu erweitern und bessere Zufahrten für die Anlieferung der Waren zu schaffen. Die beiden Villen sollen deshalb weichen. Nur aus diesem Grund erwarb sie Winfried Stöcker vor etwa zwei Jahren.

Die Görlitzer Seniorin versteht nicht, dass dem Kaufhaus-Investor immer wieder Knüppel zwischen die Beine geworfen werden, indem Protestler gegen die Stöcker-Pläne rebellieren. „Lasst den Mann seine Pläne verwirklichen“, fordert die Görlitzerin, das Stadtbild könne nur profitieren vom neuen Kaufhaus, es gäbe neue Arbeitsplätze, das Kaufhaus ziehe viele Kunden auch von außerhalb an und die finden im Parkhaus einen sicheren Abstellplatz für ihr Auto. „Und dann müsste niemand mehr bis nach Bautzen, Dresden oder Hoyerswerda zum Einkaufen fahren“, ist die Seniorin überzeugt.

Diese Stadtvillen am Görlitzer Postplatz sollen der Erweiterung der Parkdecks für das künftige Kaufhaus weichen.
Diese Stadtvillen am Görlitzer Postplatz sollen der Erweiterung der Parkdecks für das künftige Kaufhaus weichen. © Sebastian Beutler

Mit Stolz im Kaufhaus gearbeitet

Sie selbst hofft auf das Kaufhaus, gern würde sie es noch einmal betreten. Denn viele Jahre lang war Erika Rohne selbst Verkäuferin in dem Kaufhaus. Von 1965 bis 1973 arbeitete sie in der Abteilung Haushaltwaren und Tapeten. „Wir hatten auch einen Bereich für schönes Porzellan und Glas“, erinnert sie sich. Die ehemalige Verkäuferin war „immer sehr stolz, in diesem Kaufhaus zu arbeiten“, erzählt sie.

Sehr gern würde sie in dem neuen, sanierten Kaufhaus einen Einkaufsbummel machen. Doch bis es soweit ist, überraschten SZ und sächsische.de die Seniorin mit einem Besuch auf der Baustelle. Ina Stephan vom Baubüro Stöcker schloss am Mittwoch für Erika Rohne die Tür auf.

Prof. Winfried Stöcker im ehemaligen Hertie-Kaufhaus in Görlitz. Er will es beleben. Doch seine Pläne sind nicht nach jedermanns Geschmack.
Prof. Winfried Stöcker im ehemaligen Hertie-Kaufhaus in Görlitz. Er will es beleben. Doch seine Pläne sind nicht nach jedermanns Geschmack. © Pawel Sosnowski/80studio.net

Mehr Parkplätze und unterirdische Anlieferung

Ganz neu ist das leergeräumte Kaufhaus für Erika Rohne nicht. Immer wieder mal war sie seit dessen Schließung im Gebäude, wenn es Sonderverkäufe oder Tage der offenen Tür gab. Ina Stephan kann der gebürtigen Breslauerin einiges über die Kaufhauspläne erzählen, die Erika Rohne staunen lassen, obwohl sie die Berichte in der Sächsischen Zeitung über das Kaufhaus sehr aufmerksam verfolgt. Vom Einbau einer Rolltreppe ist die Rede, von neuen Lieferzonen, unterirdischen Anlieferwegen, neuen Parkflächen und offenen, nicht mehr verbauten Fenstern, die dem künftigen Kunden einen Blick nach draußen erlauben.

Eine Erlebniswelt soll das Kaufhaus werden, hört die 81-Jährige, mit Schokomanufaktur, Bier- und Weinkeller und einem Restaurant mit Blick auf das Glasdach, dort, wo früher die Verwaltung war. Und viele Modegeschäfte.

Erika Rohnes Augen glänzen, als sie das hört. Zurück schweifen die Gedanken in die 1960er-Jahre, als sie in dem Haus arbeitete. Sie kann sich noch gut an das Restaurant im Kaufhaus erinnern. Sogar eine Fleischerei gab es. "Da konnten wir abends unsere bestellten Waren als Päckchen abholen", erinnert sie sich. "Da war sogar manchmal was drin, was draußen für die Bürger nicht erhältlich war."

Das ehemalige Kaufhaus am Demianiplatz in Görlitz fristet derzeit ein stilles Dasein. Das Gebäude ist entkernt und wartet auf die Sanierung.
Das ehemalige Kaufhaus am Demianiplatz in Görlitz fristet derzeit ein stilles Dasein. Das Gebäude ist entkernt und wartet auf die Sanierung. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Es wird nicht besser, wenn das Haus noch lange zu bleibt

Und so ging zumindest ein Wunsch von Erika Rohne in Erfüllung – sie durfte das Kaufhaus noch einmal betreten. Zwar nicht zum Einkauf, aber sie gibt die Hoffnung nicht auf, dass Winfried Stöcker der Stadt Görlitz und den Menschen in der Oberlausitz ein wunderschönes Kaufhaus schenkt. „Und deswegen soll man den Mann machen lassen. Besser wird unser Kaufhaus nicht, wenn es noch lange zu bleibt“, sagt die 81-Jährige. Sie will zu den ersten gehören, die das neue Kaufhaus zum Einkaufsbummel betreten. "Ich hoffe, ich schaffe das noch", sagt sie mit einem Lachen.

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