merken
PLUS Görlitz

Flotte Kindermode aus Görlitz

Die Historikerin Alice Peterich recherchierte über das Görlitzer Steppke-Werk. Die SZ half dabei. Die Ergebnisse fasst jetzt ein Buch zusammen.

Alice Peterich (links) und ihr Mann Dieter besuchten 2016 in Havelberg das Prignitz-Museum, wo Kinderkleidung zu den Exponaten gehört. Museologin Sabine Ball (rechts) führte durch die Ausstellung.
Alice Peterich (links) und ihr Mann Dieter besuchten 2016 in Havelberg das Prignitz-Museum, wo Kinderkleidung zu den Exponaten gehört. Museologin Sabine Ball (rechts) führte durch die Ausstellung. © SZ-Archiv / Andrea Schröder

Ein Sommerkleid aus geblümtem Perlon mit Petticoat aus ihrer Kindheit war die erste Inspiration für die Historikerin Alice Peterich, sich mit Kinderkleidung aus der DDR zu beschäftigen. Görlitzer Kindermode spielte dabei eine große Rolle.

Nach fünfjähriger Recherche ist nun im mecklenburgischen Wieden Verlag Crivitz das Buch "Kinderkleidung in der DDR 1949 - 1989" in einer sehr kleinen Auflage erschienen. 

StadtApotheken Dresden
Die Stadt Apotheken Dresden sind für Sie da
Die Stadt Apotheken Dresden sind für Sie da

Die Stadt Apotheken Dresden unterstützen Sie bei einer gesunden Lebensweise und stehen Ihnen sowohl mit präventiven als auch mit therapeutischen Maßnahmen, Arzneimitteln und Gesundheitsprodukten zur Seite.

Alice Peterich: "Kinderkleidung in der DDR 1949 - 1989"
Alice Peterich: "Kinderkleidung in der DDR 1949 - 1989" ©  privat

Recherche am Original und mit viel Unterstützung

Alice Peterich, die jetzt im (Un-)Ruhestand lebt, legte bereits mit einer Historie zu Kindermode im Norden Deutschlands den Grundstock für weitere Recherchen.  "Durch meine Tätigkeit als Museologin war schließlich meine Neugier geweckt, kulturgeschichtliche Objekte in ihrem Entwicklungskontext zu hinterfragen", erklärt sie im Vorwort zu ihrem neuen Buch. In ihm analysiert sie die modehistorische Einordnung von Kinderbekleidung und geht der Frage nach, inwiefern in der Produktion von Kinderbekleidung die Empfehlungen des DDR-Modeinstitutes berücksichtigt wurden.

Schon bald stellte die Historikerin fest, dass es bislang keine umfassende Darstellung der Kindermode in der DDR gibt. Mit ihrem Buch schließt sie diese Lücke ein wenig. Alice Peterich sammelte Jungen- und Mädchen-Bekleidung, um sie am Original zu studieren. Verschiedene Regionalzeitungen in Ostdeutschland berichteten über ihr Vorhaben, darunter auch die Sächsische Zeitung.

Zeitzeugen berichten über Produktion und Umstände

Die Autorin interessierte sich besonders für das Görlitzer "Steppke-Werk". Der Betrieb auf der Salomonstraße zählte einst zu den bedeutendsten Herstellern von Knabenoberbekleidung in der DDR. Aufgrund der Berichte in der SZ meldeten sich  mehrere Zeitzeugen bei der Historikerin und gaben Informationen und Berichte zur Herstellung der Kinderkonfektion. Auch einige Kindersachen wurden ihr zur Verfügung gestellt, darunter eine Weste und ein kleines Sakko aus Steppke-Produktion. Beides wurde 1992 anlässlich des Schulanfanges beim Werksverkauf erworben. 

Von den Zeitzeugen erfuhr sie viele Dinge über die Produktion und die Umstände, unter denen gearbeitet wurde. "Textilingenieurinnen, Bekleidungsgestalterinnen, Betriebsleiter und Näherinnen sprachen in Interviews über neu kreierte Kollektionen aus den Modellabteilungen, die zu den Messen in Leipzig im Ringmessehaus präsentiert wurden", beschreibt Alice Peterich im Vorwort zum Buch. 

Die Zeitzeugen berichteten auch über die Anfertigung von Zuschnitten, die auf strengste Sparsamkeit setzte. Das Nähen von Kindersachen erfolgte auf robusten Industrienähmaschinen, Schnellnähern genannt. "Die meisten Näherinnen und viele Frauen überhaupt schneiderten für ihre Kinder selber, da das Angebot von Kindersachen in den Geschäften mangelhaft war", erzählt die Autorin weiter, "denn in der DDR unterlag die Herstellung von Kinderkleidung wie bei der Erwachsenenkleidung strengen wirtschaftlichen Zwängen."

Werbeplakat aus dem Görlitzer Steppke-Werk.
Werbeplakat aus dem Görlitzer Steppke-Werk. ©  privat

Nicht alles fand Platz

In vier Kapiteln beleuchtet Alice Peterich die Kindermode der verschiedenen Jahrzehnte in der DDR, darunter Bekleidung für den Alltag und beispielsweise zum Schulanfang, denn der war in der DDR ein festliches Ereignis. Sie erzählt, wie es in den 1960ern die Rückbesinnung auf die Mode der 1920er gab, wie in den 1970ern die Jeansmode aufkam und in den 1980ern auch die Pionierkleidung neu gestaltet wurde. Aber nicht alles fand Platz in ihrem Buch. "Das Kapitel Festbekleidung zur Jugendweihe zum Beispiel musste ich weglassen, obwohl ich auch dazu schöne Zeitzeugenaussagen und Fotos habe", erklärt die Historikerin.

Den Buchdruck finanzierte die Autorin aus eigenen Mitteln. Die Bücher vertreibt sie aber wegen der sehr kleinen Auflage selbst. "Kinderkleidung in der DDR" ist nicht im Buchhandel erhältlich.

Bucheinband von "Kindermode in der DDR",.
Bucheinband von "Kindermode in der DDR",. ©  Screenshot

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Görlitz