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Görlitzer Kreiskantorin verabschiedet sich mit Konzert

Ulrike Scheytt hat elf Jahre lang die Chöre der ländlichen evangelischen Gemeinden betreut. Bevor sie in den Ruhestand geht, spielt sie mit ihrem Mann an der Sonnenorgel.

Kreiskantorin Ulrike Scheytt hat in ihrer Görlitzer Zeit mit vielen Kindern und Chören geprobt und einigen das Orgelspiel beigebracht.
Kreiskantorin Ulrike Scheytt hat in ihrer Görlitzer Zeit mit vielen Kindern und Chören geprobt und einigen das Orgelspiel beigebracht. © Bettina Ernst-Bertram

Gleich zu Beginn ihrer Görlitzer Zeit im Jahr 2010 war Ulrike Scheytt "gerührt von der Nächstenliebe" der Einheimischen.

Ihre Lieblingsgeschichte dazu geht so: Sie war mit dem Auto von Löbau nach Melaune unterwegs, es war Winter, Schneegestöber und schon dunkel. Als sie den Weg verlor, fragte sie einen der wenigen, die sie antreffen konnte. "Kein Problem, ich fahr voraus", sagte der und brachte sie bis vor die Kirchentür.

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Görlitz inspiriert mehr als Köln oder Aachen

"Diese Solidarität ist es, die ich hier so schätze", sagt die Kreiskantorin. Auch das "Wir kümmern uns" und "Sie können sich darauf verlassen" habe sie in Görlitz und Umgebung mehr kennengelernt als irgendwo anders. Kulturell sei Görlitz ohnehin inspirierender als etwa Köln oder Aachen, wo sie ihren Hauptwohnsitz hat.

Die kleine Orgel in der ehemaligen Hochschule für Kirchenmusik wurde auf Ulrike Scheytts (2.v.l.h.) Initiative erneuert. Mit Görlitzer Musikern gab sie hier Anfang 2020 ein Konzert.
Die kleine Orgel in der ehemaligen Hochschule für Kirchenmusik wurde auf Ulrike Scheytts (2.v.l.h.) Initiative erneuert. Mit Görlitzer Musikern gab sie hier Anfang 2020 ein Konzert. © Nikolai Schmidt

Ursprünglich stammt Ulrike Scheytt aus der Nähe von Schwäbisch Gmünd, einem urkatholischen Gebiet, wo sie als Tochter eines protestantischen Pfarrers mit fünf Geschwistern aufwuchs – in der Diaspora.

Stolz auf "Enkelschüler"

Umso schwerer fällt es ihr nun, das evangelisch geprägte Görlitz zu verlassen, wo sie in den vergangenen elf Jahren die ländlichen Gemeinden und deren Chöre als Kantorin betreut hat, wo sie mehrere Schüler an der Orgel ausbildete und wo sie inzwischen stolz auf ihre "Enkelschüler" ist. So nennt sie die Kinder ihrer Schüler, die inzwischen bei ihr Orgelunterricht nehmen.

Ulrike Scheytt begleitete auch einige Schüler des Augustum-Annen-Gymnasiums zum "Orgelabitur", das vor einiger Zeit als Novum in der Bundesrepublik möglich wurde. Damit ihre Schüler auf einer erstklassigen Orgel spielen können, ergriff sie vor zwei Jahren die Initiative, die kleine Orgel im Saal der ehemaligen Hochschule für Kirchenmusik auf der Görlitzer Langenstraße erneuern zu lassen.

Konzert mit Ehemann an der Sonnenorgel

Zum Oktober scheidet Ulrike Scheytt aus ihrem Berufsleben aus und wird sich stärker dem konzertanten Orgelspiel widmen, das sie nicht nur mit klassischer Kirchenmusik betreibt. Nahe sind ihr auch Jazz, Pop und Musikstile, die man sonst seltener auf der Orgel hört.

Am Sonnabend, dem 25. September, gibt Ulrike Scheytt um 18.30 Uhr gemeinsam mit ihrem Ehemann Werner von Witzighausen ein Konzert an der Görlitzer Sonnenorgel in der Peterskirche, bei dem Werke des Barock, sinfonische Musik der französischen Romantik, spanische und zeitgenössische lettische Musik sowie Ad-hoc-Improvisationen erklingen.

Als Gesangssolistin tritt die Sopranisten Liga Jankovska auf, die sonst im Chor des Gerhart-Hauptmann-Theaters singt. Superintendant Thomas Koppehl wird Ulrike Scheytt an diesem Abend offiziell verabschieden.

Konzert am Sonnabend, 25. September, 18.30 Uhr in der Peterskirche. Eintritt frei, Spenden erbeten.

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