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"Bares für Rares": Was nach Bildverkauf in Görlitz geschah

In der TV-Sendung wurde ein Bild des Görlitzer Künstlers Fritz Neumann-Hegenberg verkauft. Daraufhin schrillten im Görlitzer Museum die Alarmglocken.

Kai Wenzel, Kurator des Kulturhistorischen Museums Görlitz, vor dem Gemälde "Görlitzer Peterskirche im Winter" von Fritz Neumann-Hegenberg. Das Bild ist im Kaisertrutz ausgestellt.
Kai Wenzel, Kurator des Kulturhistorischen Museums Görlitz, vor dem Gemälde "Görlitzer Peterskirche im Winter" von Fritz Neumann-Hegenberg. Das Bild ist im Kaisertrutz ausgestellt. © Martin Schneider

Gleich nach der TV- Ausstrahlung am letzten Augusttag hörte auch Dr. Jasper von Richthofen davon: In der Fernseh-Serie "Bares für Rares" wurde ein Bild von Fritz Neumann-Hegenberg zum Verkauf angeboten. Der Direktor der Görlitzer Sammlungen für Geschichte und Kultur war aber nur bedingt froh über diesen Fernsehbeitrag.

Einerseits erfuhr er mehr über den Verbleib von Werken des Künstlers Neumann-Hegenberg, andererseits wurde da eine Behauptung aufgestellt, die der Sammlungsdirektor so nicht stehen lassen möchte.

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Aussage in der Sendung nicht korrekt

"Ich kannte das Paar - Mutter und Sohn aus Essen in Nordrhein-Westfalen - gar nicht", erklärt von Richthofen. Insofern empfindet er deren Aussage in der Sendung, das Görlitzer Museum habe sich nach einem Kontakt vor etwa zwei, drei Jahren einfach nicht mehr gemeldet, als nicht korrekt.

Richtig ist dagegen, sagt von Richthofen, dass das Museum vor einiger Zeit Kontakt mit einem anderen Nachkommen der Familie von Fritz Neumann-Hegenberg hatte. Dabei ging es um Kunstwerke, an denen das Görlitzer Museum großes Interesse hatte.

Dieses Interesse kommt nicht von ungefähr. Fritz Neumann-Hegenberg lebte etliche Jahre in Görlitz. Geboren wurde er am 14. Februar 1884 in Strehlen/Schlesien. Er besuchte die Kunstakademie Breslau und studierte in Berlin und Weimar. 1914 bekam er eine Anstellung als Lehrer an der Gewerbeschule Görlitz. Am 1. August 1924 starb er 40-jährig an der Schwindsucht.

Das letzte Foto von Fritz Neumann-Hegenberg, das im März 1924 aufgenommen wurde. Es stammt aus dem Nachlass der Witwe.
Das letzte Foto von Fritz Neumann-Hegenberg, das im März 1924 aufgenommen wurde. Es stammt aus dem Nachlass der Witwe. ©  privat

Neumann-Hegenberg wurde in Görlitz sehr geschätzt

Doch bis dahin hatte Fritz Neumann-Hegenberg viele Spuren in Görlitz hinterlassen, die heute allerdings nahezu verblasst sind. Neumann-Hegenberg beschäftigte sich neben seiner Lehrertätigkeit mit Mystik und Theosophie, wurde aber auch wegen seiner expressionistischen Malerei bekannt und geschätzt, vor allem wegen seiner Ausstellungen und Vorträge in Görlitz. Der Maler Johannes Wüsten schrieb 1925, dass die Bildende Kunst in Görlitz lebendig wurde, als Neumann-Hegenberg nach Görlitz gekommen sei. Und wenn sich in jener Zeit die Menschen mit Kunst beschäftigten, so sei dies in erster Linie "diesem Maler und Redner zu verdanken, dessen Leben einfach aufging im Kunstdienst am Nächsten."

Als Anhänger der Philosophie von Jakob Böhme war Neumann-Hegenberg Gründungsmitglied des Jakob-Böhme-Bundes, der als Sondergruppe im Kunstverein Lausitz von 1920 bis 1924 bestand.

Großteil der Kunstwerke gilt als verschollen

Die Görlitzer Sammlungen besitzen 25 Gemälde und Zeichnungen von Fritz Neumann-Hegenberg, informiert der Kunsthistoriker Kai Wenzel. Sie sind im Kaisertrutz ausgestellt. Er nahm gleich nach der TV-Sendung Kontakt mit dem Sender auf. Aber auch mit jenem Nachfahren, mit dem das Museum schon früher im Austausch war. Auch Wenzel kannte das Verkäufer-Paar aus der Sendung bislang nicht. Der Sohn meldete sich jedoch im Museum, sodass man nun in Kontakt mit der Familie sei. Sie besitzt noch einige Werke von Neumann-Hegenberg. Weitere Bildverkäufe seien allerdings derzeit nicht geplant, wie Wenzel in Erfahrung brachte. Leihgaben von Bildern für Ausstellungen schließen die Nachfahren jedoch nicht gänzlich aus.

Beim Käufer des Bildes bei "Bares für Rares", Wolfgang Pauritzsch, fragte das Museum an, denn Jasper von Richthofen hätte es schon gerne nach Görlitz geholt. Nachdem das Bild vom Experten Albert Maier auf einen Wert von 700 bis 800 Euro geschätzt wurde, ging es für 1.050 Euro an Pauritzsch. Für ein Mehrfaches würde er das Bild nun verkaufen, brachte der Sammlungsdirektor in Erfahrung, Interessenten gebe es. Für das Görlitzer Museum ist der Preis jedoch nicht bezahlbar.

Wie viele Kunstwerke Neumann-Hegenberg insgesamt hinterließ, ist nicht bekannt. 250 der wichtigsten seien aber bereits zu seinen Lebzeiten in einer Ausstellung gezeigt worden. Von etwa 15 bis 20 Prozent davon ist bekannt, dass sie noch existieren. Wo, außer im Museum und bei der Familie, ist unbekannt. "Möglicherweise taucht jetzt nach der Sendung das eine oder andere Bild wieder auf", vermutet Kai Wenzel. "Der größte Teil der Kunstwerke gilt jedoch als verloren oder verschollen."

Neumann-Hegenbergs Frau Hildegard Freiin von Lyncker war Sängerin und Gesangspädagogin. Das Foto stammt aus dem Besitz von Brita Friedrichs und zeigt die Sängerin im Jahr 1920. Das Foto wurde damals für einen Konzertaushang gemacht.
Neumann-Hegenbergs Frau Hildegard Freiin von Lyncker war Sängerin und Gesangspädagogin. Das Foto stammt aus dem Besitz von Brita Friedrichs und zeigt die Sängerin im Jahr 1920. Das Foto wurde damals für einen Konzertaushang gemacht. © privat

Witwe blieb nicht in Görlitz

Fritz Neumann-Hegenberg heiratete am 6. März 1917 Hildegard Freiin von Lyncker. Die Ehe blieb kinderlos. Seine Witwe lebte nach dem Tod des Mannes mit ihrer unverheirateten Schwester Eva zunächst auf Föhr, einer Insel, die zu Schleswig-Holstein gehört, und dann in Schlüchtern in Hessen. Ab 1953 wohnte sie nach dem Tod ihrer Schwester im hessischen Marburg mit der Witwe ihres Bruders zusammen, und nach deren Tod 1958 in einem Seniorenheim in Marburg. Sie starb knapp 90-jährig und wurde in Marburg begraben.

Hildegard Freiin von Lyncker war Sängerin (Altistin) und Gesangspädagogin. Darüber informiert Brita Friedrichs auf SZ-Nachfrage. Sie ist eine Verwandte, die heute in Bremen lebt. Freiin von Lyncker war eine Schwester des Großvaters väterlicherseits von Brita Friedrichs. Auch sie ist daran interessiert, mehr vom Leben von Fritz Neumann-Hegenberg zu erfahren. Das blieb ihr wegen seines frühen Tods zum großen Teil verwehrt. Über den Verbleib der Bilder des Künstlers kann auch sie nicht viel sagen. Sie selbst besitzt zwei seiner Bilder - ein Pastell und ein Gouache.

Erinnerung an den Künstler auf dem Friedhof

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Ganz vergessen ist Fritz Neumann-Hegenberg in Görlitz aber nicht. Nach seinem frühen Tod wurde er auf dem neuen Görlitzer Friedhof beerdigt. Das auffällige Grabmal in Form einer expressionistischen Blüte gestaltete der Bildhauer Paul Polte aus Rochlitzer Porphyrtuff. Es wurde 2008 auf Initiative des Vereins Aktionskreis für Görlitz restauriert. Das war möglich Dank zahlreicher Spenden und Mitteln aus der Görlitzer Altstadtstiftung.

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