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Görlitzer Schüler provozieren in der Annenkapelle

Die Fotoausstellung war 2019 im Landratsamt zu sehen, damals durfte nicht alles gezeigt werden. Jetzt werden alle Bilder vollständig ausgestellt.

Matthias Beier leitet die Foto-AGs an drei Görlitzer Schulen. Fotoarbeiten, bei denen er die Schüler begleitete, sind jetzt in der Annenkapelle zu sehen.
Matthias Beier leitet die Foto-AGs an drei Görlitzer Schulen. Fotoarbeiten, bei denen er die Schüler begleitete, sind jetzt in der Annenkapelle zu sehen. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Als er die Schmiererei auf einem AfD-Plakat zu entfernen schien, wurde Matthias Beier angezeigt. Er trug eine dunkelblaue Uniform mit dazu passender Mütze und hatte eine lange Malerrolle in der Hand.

Es war nicht ersichtlich, ob er das Plakat übermalen oder die schwarze Farbe davon abwaschen wollte. Und er wurde dabei fotografiert – höchst verdächtig. "Die Anzeige hatte natürlich keine Folgen", sagt Beier, der in den beiden Görlitzer Gymnasien und der Oberschule Innenstadt seit Jahren Schüler in Foto-AGs anleitet. "Das Plakat war bereits vorher beschmiert, wir haben hier nur Fotos gemacht."

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Wähler mit rosaroter Brille

Heute ist die Szene auf einem der rund 40 Bilder zu sehen, die gerade in der Görlitzer Annenkapelle ausgestellt werden. Etwa 20 Schüler haben für diese Fotografien ihre Kritik an der Welt in Szene gesetzt und auf ihre Bilder gebannt. Themen sind der Klimawandel, die Verschmutzung der Meere, die Energiewende, die Flüchtlingskrise oder auch die Akzeptanz von Transgender. Und einige sind dabei, die sich mit der Politik der AfD beschäftigen.

Der berühmte "Vogelschiss" ist vertreten – auf dem Foto stammt er von einer Friedenstaube über einem AfD-Plakat, das den bekleckerten Alexander Gauland und Alice Weidel mit einem Packen Schweizer Franken zeigt. Der Mann in Uniform ist noch einmal zu sehen, die SS-Runen auf seiner Schulter sind durchgestrichen, dafür trägt er eine blaue Armbinde mit rotem Pfeil überm Ellenbogen. Einer hat sich ein AfD-Schild an den Kragen geheftet, darüber eine riesige rosarote Brille auf der Nase.

Landratsamt zensierte erste Ausstellung

All diese Fotos, die auf die AfD verweisen, sind gerade zum ersten Mal öffentlich zu sehen. Anfang 2019 wurde die Ausstellung zwar schon im Landratsamt gezeigt, aber nicht vollständig. "Der Rechtsbeauftragte des Landkreises kam damals direkt zu uns", sagt Matthias Beier, "und sagte, das könne man nicht zeigen." Damals war es zur Görlitzer OB-Wahl nicht mehr lange hin, das Argument der Schüler, Kunst sei frei, zählte nicht.

"Die Schule hatte zum Glück kein Problem mit den Fotos", sagt Matthias Beier, der selbst seit 18 Jahren als freier Künstler in Görlitz arbeitet. Unter anderem stammen mehrere Plastiken auf dem Gelände des Stalag VIII A nach der Musik von Olivier Messiaen von ihm. Und das Augustum-Annen-Gymnasium ist für sein künstlerisches Profil bekannt.

Dennoch kam die Ausstellung nicht ganz durch. Auf einem Foto ist ein menschlicher Kopf mit schreiendem Mund vakuumdicht verpackt unter einer Plastikfolie zu sehen. "So müssen sich die Tiere in unseren Weltmeeren fühlen", steht darunter. Das bedrückende, schockierende Foto hatten die Schüler für ihre Ausstellungswerbung verwendet. Doch nun forderten Eltern, das Plakat wieder abzuhängen, was auch geschah.

Die Ausstellung in der Annenkapelle, Annengasse 4, ist noch bis 17. September täglich von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

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