merken
PLUS Görlitz

Görlitzer Schulen setzen auf Video-Unterricht

Am Augustum-Anne-Gymnasium ist die Corona-Lage äußerst angespannt. Dann zeigt sich schnell, wie wichtig es ist, dass Online-Unterricht funktioniert.

In manchen Regionen mussten Schulen wegen der hohen Inzidenzlage doch wieder schließen. Görlitzer Schulen versuchen für solche Fälle vorzusorgen.
In manchen Regionen mussten Schulen wegen der hohen Inzidenzlage doch wieder schließen. Görlitzer Schulen versuchen für solche Fälle vorzusorgen. © APA

Angespannt ist eigentlich untertrieben. Am Augustum-Annen-Gymnasium ist die Lage gerade extrem schwer. Die Klassenstufen 11 und 12 sind in Quarantäne, ebenso eine achte Klasse, mehrere Lehrer und die Schulleitung. Direktor Frank Gröll ist erkrankt an Corona, "ich würde sagen, mittelschwer", sagt er am Telefon. Und trotzdem: Der Unterricht muss weitergehen. "Wir halten noch durch", sagt Gröll. "Aber meine Lehrkräfte sind wirklich Helden."

Eine Hilfe in der Not: Online-Unterricht. Zum Beispiel: Wenn einzelne Schüler einer Klasse in Quarantäne mussten, der Großteil aber im Kassenraum sitzt, "dann haben wir versucht, den Unterricht aus dem Klassenzimmer für die Schüler zu Hause zu streamen", erklärt Frank Gröll. Die Schüler daheim waren also über Live-Stream im Unterricht dabei - anders als im Frühjahr, wo viel über Aufgaben für Zuhause gearbeitet wurde. Zwei Dinge braucht es dafür: Eine ausreichend gute Internetanbindung bei den Kindern daheim. Und ein ausreichend starkes Netz auf Seiten der Schule.

Anzeige
Betreutes Wohnen in idyllischer Lage
Betreutes Wohnen in idyllischer Lage

Im Februar eröffnet das Familienunternehmen Kunze ein neues Haus am Quitzdorfer Stausee - mit einem besonderen Konzept.

Ein verwaistes Joliot-Curie-Gymnasium und Unterricht im Klassenzimmer nur für einige Klassen - so war es im Frühjahr. Andreas Müller will das nicht noch einmal.
Ein verwaistes Joliot-Curie-Gymnasium und Unterricht im Klassenzimmer nur für einige Klassen - so war es im Frühjahr. Andreas Müller will das nicht noch einmal. © André Schulze

Mehr Video: Stadt musste Schulnetz anpassen

Das Schulnetz gehört mit zum städtischen Netz. Das könnte manchmal schneller sein, sagt Frank Gröll, größere Probleme habe es bislang aber nicht gegeben. Beim Joliot-Curie-Gymnasium dagegen, wo derzeit in einzelnen Klassen Video-Unterricht getestet wird, ließ das städtische Netz die Schüler und Lehrer manchmal im Stich. "Das ist jetzt behoben", erzählt Andreas Müller, stellvertretender Schulleiter.

Offenbar mussten Einstellungen bei der IT-Sicherheit verändert werden. Wie Stadtsprecherin Sylvia Otto mitteilt, wurden jetzt bestimmte Einstellungen für die Durchführung von Videokonferenzen freigeschalten. An der Verbindung an sich sollte es nicht liegen. Alle Schulen in Görlitz, außer zwei, seien über die Glasfaser-Datenleitungen der Stadt mit 1000 Mbit/s verbunden.

"Ich bin dankbar für jeden Tag mit Präsenzunterricht"

Das Curie-Gymnasium ist bislang sehr glimpflich durch die Krise gekommen. Im Moment ist ein Lehrer in Quarantäne, erzählt Schulleiter Wolfgang Mayer. Bislang hatte die Schule auch immer das Glück, dass bei einem Corona-Fall nie die ganze Klasse zu Hause bleiben musste, sondern einzelne Schüler, also direkte Kontaktpersonen von Betroffenen, erzählt Mayer. Darüber ist er froh. "Ich bin dankbar für jeden Tag mit Präsenzunterricht. Es ist ein Tag, an dem wir vorankommen."

Schulen gelten nicht als Corona-Hotspots oder Träger der Pandemie. Dass Videounterricht in Zukunft womöglich eine größere Rolle spielt, ist dennoch so weit nicht hergeholt. Auch in Schulen kann sich eine dramatische Lage entwickeln. Dann braucht es Lösungen, wenn vermehrt Klassen oder Lehrer in Quarantäne müssen. Für solche Fälle testet das Curie gerade eine Online-Videoplattform, "damit wir betroffene Kinder virtuell zu uns in den Unterricht holen können", erzählt Andreas Müller.

Geteilte Klassen - immer wieder Thema

Zum anderen: Immer wieder flammt die Debatte um den Tandemunterricht auf, ein Wechselmodell mit geteilten Klassen. Falls das irgendwann doch kommen sollte, erklärt Wolfgang Mayer, "dann wäre unser Ziel, dass die eine Hälfte der Schüler im Klassenraum unterrichtet wird und die zweite Hälfte von Zuhause aus per Videokonferenz. Das würden wir gerne stabil hinbekommen."

Am heutigen Mittwoch wollen Bund und Länder über das weitere Vorgehen in den Schulen beraten. Sachsens Bildungsminister Christian Piwarz hatte sich gegen das Tandem-Modell ausgesprochen: „Ich kann mir ein Wechselmodell nur bei besonderen Inzidenzlagen und nur für einen streng befristeten Zeitraum vorstellen“, so Piwarz.

Auch Andreas Müller ist kein Freund des Wechsel-Unterrichts. "Man macht mit der einen Hälfte der Klasse Unterricht, zwei Wochen später vielleicht mit der zweiten Gruppe noch einmal den gleichen Stoff." Die ständigen Dopplungen führen letztlich dazu, dass insgesamt weniger vermittelt werden kann.

Test für den Fall der Fälle

7.50 Uhr, für die zwölfte Klasse am Curie-Gymnasium steht am Dienstagmorgen Mathematik auf dem Plan. Die Schüler sind im Klassenraum an einer interaktiven Tafel. Andreas Müller ist zu Hause. Ein Corona-Test bei ihm fiel negativ aus, "ich hätte also auch in die Schule gehen können". Aber der Unterricht via Video war nun eingeplant und bietet eine zusätzliche Testmöglichkeit. Auch für solche Fälle, wenn eben der Lehrer nicht vor der Klasse stehen kann.

Das Augustum-Annen-Gymnasium, auch weitere Schulen in Görlitz, arbeiten für Video-Unterricht mit einem Microsoft-Programm, "das haben wir auch schon eine Weile im Einsatz", erzählt Frank Gröll. "Es funktioniert." Das Joliot-Curie-Gymnasium arbeitet mit Big Blue Button, ein Online-Konferenzsystem, das viele Universitäten für die Online-Lehre nutzen, auch die Hochschule Zittau-Görlitz. Die Programme beider Gymnasien sollen beispielsweise den Vorteil haben, dass sie weniger ressourcenintensiv sind als etwa die Video-Funktion bei Lernsax.

"Manchmal waren wir trotzdem gescheitert", erzählt Andreas Müller. "Aber am Dienstag sind wir jetzt gut durchgekommen." Zwei Stellschrauben seien es. "Zum einen brauchen die Schüler natürlich ausreichend Laptops mit Kamera- und Mikrofonfunktion." Ob genügend da sind für den Fall der Fälle - "ich denke, da bräuchten wir noch ein paar". Und die zweite Stellschraube ist die Netzanbindung.

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Görlitz