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Gülleunfall: Gefahr für Umwelt größer als bislang bekannt

Bei der Havarie in Reichenbach drohten 20 Kubikmeter Gülle in den Schwarzen Schöps zu laufen. Viermal mehr als zunächst von den Behörden angegeben.

Vermutlich aus diesem Güllebecken lief die dunkelbraune Brühe aus.
Vermutlich aus diesem Güllebecken lief die dunkelbraune Brühe aus. © Constanze Junghanß

Der Gestank ist weg. Und auch die Spuren der Havarie in einem Landwirtschaftsbetrieb im kleinen Reichenbacher Ortsteil Borda sind nicht mehr zu sehen. Eine große Menge Gülle hatte sich letzten Donnerstag über die Meuselwitzer Straße und die angrenzenden Feldflächen ergossen. Entsprechend roch es auch. Die dunkle, stinkende Brühe drohte in den naheliegenden Gokelbach zu fließen. Das hatte am gleichen Tag noch die Behörden auf den Plan gerufen. Gefahr für die Umwelt bestand.

Gemeldet wurde der Unfall zuerst an das Ordnungsamt Reichenbach von einem Fahrzeugführer, der nach Meuselwitz wollte und das Malheur unterwegs durch Zufall entdeckte. Das Ordnungsamt wiederum informierte daraufhin die Feuerwehr und ließ die Straße absperren. Kameraden der Reichenbacher Wehr und der Ortswehr Krobnitz-Meuselwitz eilten zum Einsatzort. Da waren bereits viele Kubikmeter Gülle ausgelaufen. Hinzugezogen wurden noch am gleichen Tag Mitarbeiter der Unteren Wasserbehörde des Landkreises. Dem Amt unterliegt die Fachaufsicht für Anlagen zum Umgang mit Gülle.

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Schnee, Erde und Stroh sollten die Flut stoppen

„Potentiell bestand die Gefahr einer Gewässerverunreinigung“, erklärt Kreissprecherin Julia Bjar. Der Gokelbach mündet in den Schwarzen Schöps. Auch das Sächsische Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und Geologie wurde zu dem Vorfall als Fachaufsichtsbehörde eingebunden. Die Untere Wasserbehörde habe vor Ort die Schadensursache untersucht und ordnete in Zusammenarbeit mit der Einsatzleitung der Feuerwehr und dem Ordnungsamt Reichenbach erste Abwehrmaßnahmen an. Die Kameraden schaufelten Erd- und Schneewälle auf, das Landwirtschaftsunternehmen versuchte mit Strohballen die Gülleflut zu stoppen.

Was genau passierte, dazu gibt sich der Landkreis bedeckt. Die Havarie sei aufgeklärt worden, heißt es nur. Ob technisches oder menschliches Versagen dafür verantwortlich gewesen ist, darüber gibt es auf wiederholte SZ-Nachfrage keine Auskunft. Verwiesen wird von der Kreissprecherin an den Schadensverursacher, die Saxonya farms GmbH in Borda. Da ist trotz mehrfachen Versuchen niemand telefonisch erreichbar. Nach SZ-Informationen soll eines der beiden Güllebecken durch Unachtsamkeit übergelaufen sein.

War vergangene Woche noch von etwa fünf Kubikmeter ausgelaufener Gülle – einer Mischung aus Urin und Kot landwirtschaftlicher Nutztiere - die Rede, nennt das Landratsamt nun 20 Kubikmeter, die ausgetreten sind. Die Hälfte davon sei durch ein Absaugverfahren entfernt worden.

Sanktionen für den Betreiber der Anlage möglich

„Die Frostwetterlage erschwerte die Bergung der ausgetretenen Gülle, da so eine noch umfassendere Aufnahme durch Saugwagen nicht möglich war“, sagt Julia Bjar. Eine weitere Aufnahme kann bedingt durch Frost und Schnee erst bei Temperaturen über dem Gefrierpunkt erfolgen und wurde durch den Landwirtschaftsbetrieb laufend geprüft. Insbesondere ein direkter Eintrag in das naheliegende Gewässer und konzentrierte Versickerungen in den Boden sollen so verhindert werden.

Eine Gewässerverunreinigung am Tag der Havarie dagegen konnte bereits durch das schnelle Eingreifen der Freiwilligen Feuerwehren und auch durch den Verursacher selbst abgeblockt werden. „Weitere erhebliche Beeinträchtigungen der Umwelt sind nicht festgestellt worden“, sagt Julia Bjar und auch, dass aus diesem Grund auf polizeiliche Ermittlungen seitens des Umweltamtes verzichtet wurde.

Die Behörden hätten mittlerweile eine Kontrolle bei dem Betrieb, der nach Aussagen von Anwohnern Kühe eingestallt hat, durchgeführt. Ergebnis der Untersuchung: „Es können sich Sanktionen für den Betreiber der Anlage ergeben“, so Julia Bjar. Das könnten auch Kürzungen bei den Direktzahlungen an den Betrieb bedeuten. Über die Schadenshöhe liegen dem Landratsamt keine Angaben vor.

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