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Hagenwerder soll Schutzwall bekommen

Um Anwohner vor dem Lärm des Kiesabbaus zu schützen, soll das Bauwerk direkt an der B 99 entstehen.

Das Gelände der geplanten Kiesabbaufläche in Hagenwerder.
Das Gelände der geplanten Kiesabbaufläche in Hagenwerder. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Noch immer sind zum geplanten Kiesabbau am Ortseingang Hagenwerder viele Fragen offen. Eine scheint zumindest auf dem besten Weg, geklärt zu werden: die des Lärmschutzes. Wie das Oberbergamt in Freiberg bestätigt, hat Bergbauunternehmer - Heim Niederschlesische Kieswerke GmbH & Co. KG - beim Sächsischen Oberbergamt einen Antrag zur Erweiterung des Schutzwalls entlang der B 99 eingereicht.

Dieser werde zurzeit geprüft, so Oberberghauptmann Prof. Dr. Bernhard Cramer vom Oberbergamt. Anschließend sollen von der Planung betroffene, andere Behörden am Genehmigungsverfahren beteiligt werden. „Es kann daher noch keine endgültige Aussage zu Lage, Ort und Höhe des Walls gemacht werden“, so Cramer. „Zur Größenordnung kann man sagen, dass beabsichtigt ist, diesen Wall tagebauseitig entlang der Bundesstraße übermannshoch zu errichten.“

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Augenscheinlich finden auf dem Kiesabbau-Gelände am nördlichen Ortsrand von Hagenwerder aktuell Vorbereitungsarbeiten statt.
Augenscheinlich finden auf dem Kiesabbau-Gelände am nördlichen Ortsrand von Hagenwerder aktuell Vorbereitungsarbeiten statt. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Ob das dem Anwohnerprotest zuzuschreiben ist, der sich seit Bekanntwerden der neuen Pläne regte, ist nicht ganz klar. In erster Linie kam hier Kritik von der direkt gegenüber wohnenden Familie Thiel, die hier einen Reiterhof betreibt. Auch eine Onlinepetition wurde gegen den Kiesabbau ins Leben gerufen, 81 Menschen unterzeichneten. Allerdings waren 840 Unterzeichner als Zielwert anvisiert gewesen. Inzwischen ist die Petition beendet. Ein Quorum wird nicht zustande kommen, aufgrund der zu wenigen Unterstützer. Quorum bedeutet, dass eine Stellungnahme eingefordert worden wäre.

Das ganz in der Nähe liegende Hotel „Insel der Sinne“ ist von den Kiesabbau-Plänen ebenfalls wenig begeistert. Hotelchefin Ina Lachmann sagt: „Wir waren und sind in erster Linie sehr irritiert, dass an einem See, der als neues touristisches Ausflugsziel und Aufenthaltsort aufgebaut werden soll, an so ein Projekt überhaupt gedacht wird. Unser See ist ein Erholungsort und das Gut Ruhe und Sauberkeit stehen an oberster Stelle.“ Andererseits sehe sie als Bauherrin selbst, dass es Bedarf an Kies gibt und könne dies verstehen. „Ich denke, mit dem zusätzlichen Wall ist eine Lösung geschaffen worden, die für alle Seiten tragbar ist.“

Nicht begeistert vom Vorhaben in der Nähe ihres Hotels: Ina Lachmann im Hotel "Insel der Sinne".
Nicht begeistert vom Vorhaben in der Nähe ihres Hotels: Ina Lachmann im Hotel "Insel der Sinne". © Pawel Sosnowski/pawelsosnowski.c

Die Stadt Görlitz sieht das Vorhaben ebenso kritisch. Stadtsprecherin Juliane Zachmann: „Durch unsere Einwendungen gegen die umfangreichen Pläne zum Kiesabbau im Jahr 2009 haben wir erreicht, dass sowohl das Abbaugebiet als auch der Abbauzeitraum drastisch gekürzt wurden. Wir bleiben bei unserer Auffassung, dass eine Ausweitung der jetzigen Genehmigung mit den touristischen Zielen am Berzdorfer See nicht vereinbar wäre und werden dies auch weiterhin so kommunizieren.“ So begrüße die Stadt auch das Errichten eines Schutzwalls, wenn er dazu dient, die Anwohner vor möglichen negativen Auswirkungen des Kiesabbaus zu schützen.

Das Unternehmen Heim selbst äußert sich nicht. Das Oberbergamt bestätigt aber, dass der eigentliche Kiesabbau noch nicht begonnen hat. Denn, um den Kies abbauen zu können, ist im Vorfeld unter anderem der Oberboden abzutragen. Das sei bisher aus artenschutzrechtlichen Gründen nicht möglich. „Sobald der Artenschutz es zulässt, können die Vorbereitungen für den Abbau fortgesetzt werden“, sagt Prof. Cramer. Geplant ist, Kies auf einer Fläche von etwa 5 Hektar abzubauen - genehmigt wurde das für die Dauer von zwei Jahren.

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