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Baden und Caravaning im Helenenbad

Die Chancenwerkstatt Markersdorf will die Freizeitstätte in Görlitz familienfreundlich ausbauen. Doch dafür fehlt noch der Betreiberzuschuss.

Anfang August 2015 wurde die Badelandschaft für Kinder im Görlitzer Helenenbad eröffnet.
Anfang August 2015 wurde die Badelandschaft für Kinder im Görlitzer Helenenbad eröffnet. © Archivfoto: nikolaischmidt.de

Alles hängt von der Finanzierung ab: 30.000 Euro braucht die Chancenwerkstatt Oberlausitz aus Markersdorf als Betreiberzuschuss, um das Helenenbad in Görlitz ab Mai dieses Jahres zu betreiben. Ein entsprechender Beschluss des Görlitzer Stadtrates steht aber noch aus.

Die Summe entspricht in etwa der Unterstützung aus dem Görlitzer Rathaus, die jeweils in den Jahren 2019 und 2020 an den Verein für Arbeitsmarkt- und Regionalentwicklung (AUR) floss. Der hatte das Areal am Siebenbörner betrieben, nachdem der Helenenbad-Verein das abgegeben hatte. Doch AUR wird mit der Chancenwerkstatt Oberlausitz (CWO) als gemeinnützige Organisation verschmelzen. Das soll bis Ende August dieses Jahres erledigt sein - so das Finanzamt keine Einwände vorbringt. Dann kann die Verschmelzung rückwirkend zum 1. Januar 2021 geltend gemacht werden.

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Historische Ansicht des Helenenbades. Es war bis nach der Wende sehr beliebt und das einzige Freibad in Görlitz. Nachdem 2010 das Hochwasser auch das Freibad in Hagenwerder verwüstete, bietet seit wenigen Jahren nur der Berzdorfer See sozusagen als Freiba
Historische Ansicht des Helenenbades. Es war bis nach der Wende sehr beliebt und das einzige Freibad in Görlitz. Nachdem 2010 das Hochwasser auch das Freibad in Hagenwerder verwüstete, bietet seit wenigen Jahren nur der Berzdorfer See sozusagen als Freiba © André Schulze

Betreiber-Übergang ist rechtmäßig

Durch die Fusion tritt die Chancenwerkstatt in alle Rechte und Pflichten des AUR ein. Und deswegen betreibt die Chancenwerkstatt ab Mai dieses Jahres das Helenenbad - zu den gleichen Konditionen wie bisher AUR. Beide arbeiteten bereits eng zusammen, ein neues Konzept für die Betreibung des Areals wird diese Zusammenarbeit auf eine qualitativ höhere Stufe stellen.

Der Übergang der Bad-Betreibung von AUR auf CWO ist aus Sicht des Görlitzer Rathauses rechtmäßig, insofern hat die Stadtverwaltung auch keine Mittel, um dagegen zu intervenieren, hieß es bereits im Vorjahr. Damit war KommWohnen aus dem Rennen. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft hätte das Helenenbad ebenfalls betrieben, allerdings mit einem völlig anderen Konzept, als es die Chancenwerkstatt präsentierte. KommWohnen wollte die Kinderbadelandschaft abreißen, sobald die Anlagen verschlissen seien, einen Trimm-Dich-Pfad für die Sommernutzung einrichten und im Winter eine Eisbahn anbieten.

Das Konzept der Chancenwerkstatt für das Helenenbad.
Das Konzept der Chancenwerkstatt für das Helenenbad. © Stadtverwaltung Görlitz

Naherholung auch für Familien ohne Auto

AUR besitzt eine 25-jährige Erbbaupacht für das Gelände des Helenenbades, die wegen der Fusion auf die CWO übergeht. Die verschmolzene gemeinnützige Gesellschaft möchte das Gelände weiter als Naherholungsgebiet sozusagen mitten in der Stadt vor allem für Görlitzer Familien weiterentwickeln. Dazu gehört der Erhalt der Badelandschaft, die sich ausgezeichnet für Familien mit kleineren Kindern eignet und auch ohne Auto gut erreicht werden kann. Darüber hinaus sind die Schaffung von Bike & Ride-Übernachtungsmöglichkeiten - zum Beispiel für Touristen, die mit dem Fahrrad unterwegs sind - und von Stellplätzen für Caravans geplant. Dafür müssen noch die Voraussetzungen geschaffen werden, unter anderem mit Stromanschlüssen für jeden Stellplatz.

Ein Biergarten soll ebenso entstehen wie eine Naturbühne, auf der zum Beispiel das Sommerkino stattfinden kann. Das Gelände soll wie bisher auch für Sport und Freizeit zur Verfügung stehen, darunter mit einem Volleyballfeld und künftig einer Mini-Golfanlage. Die vorhandenen Einrichtungen können auch weiterhin für Familienfeiern genutzt werden - wenn es die Corona-Lage erlaubt.


Christoph Suda, Prokurist der Chancenwerkstatt Oberlausitz im Helenenbad.
Christoph Suda, Prokurist der Chancenwerkstatt Oberlausitz im Helenenbad. ©  Archivfoto: Nikolai Schmidt

Einnahmeverluste wegen Corona

Allerdings wirkte sich die Corona-Pandemie für AUR und jetzt auch für CWO erheblich negativ aus. "Im Vorjahr hatten wir nur die Hälfte der Einnahmen als geplant", sagt Christoph Suda. Er gründete den Verein AUR mit, ist dessen Vorstandsmitglied und Koordinator. Außerdem ist er Prokurist in der Chancenwerkstatt.

Bereits im Vorjahr fielen Veranstaltungen, bei denen der Verein hätte Einnahmen erzielen können, aus, darunter das Walpurgisfeuer und das Agility-Turnier des Görlitzer Hundesportvereins. Für beide Veranstaltungen sieht Suda auch in diesem Jahr kaum Chancen, dass sie stattfinden können. Es sei schwierig, überhaupt Veranstaltungen zu planen, wenn man keine Sicherheiten hat, denn die Vorbereitung kostet Geld und auch viel Kraft. 2020 kamen coronabedingt nur etwa 1.000 Badegäste, weswegen auch hier weniger Eintrittsgelder zustande kamen. Dennoch denkt die Chancenwerkstatt derzeit (noch) nicht über die Erhöhung der Eintrittspreise nach.

Betreiber-Zuschuss von der Stadt

Nun hoffen Christoph Suda und CWO auf einen baldigen Beschluss im Görlitzer Stadtrat, was den Betreiberzuschuss betrifft. Am vergangenen Mittwoch stellte die Chancenwerkstatt im Technischen Ausschuss ihr Konzept erneut vor. "Dafür hatten wir uns gut vorbereitet und viele Fragen erwartet", sagt Christoph Suda. "Aber es gab nur wenige." Insofern ist die Chancenwerkstatt zuversichtlich, dass ihnen der Betreiberzuschuss gewährt wird. Aus eigenem Aufkommen kann die gemeinnützige Gesellschaft das Helenenbad nicht betreiben. Was, wenn die Stadträte den Zuschuss ablehnen? "Dann müssen wir noch mal reden", sagt Christoph Suda.

Ein Volleyballfeld wartet auf die Spieler - vorausgesetzt, Corona-Bestimmungen machen den Sport im Freien wieder im Team möglich.
Ein Volleyballfeld wartet auf die Spieler - vorausgesetzt, Corona-Bestimmungen machen den Sport im Freien wieder im Team möglich. © SZ-Archiv

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