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Freiwillig auf der Intensivstation

In Heimen und Kliniken erkranken auch Mitarbeiter an Covid 19. Personal ist knapp. Deshalb helfen Menschen wie die Görlitzerin Jenny Wehlt aus.

Jenny Wehlt hilft im Klinikum Görlitz.
Jenny Wehlt hilft im Klinikum Görlitz. © Klinikum Görlitz

Kliniken und Altenpflegeheime sind an ihren Grenzen: Immer mehr Mitarbeiter erkranken selbst an Covid 19 und fallen für die Arbeit aus. Es droht akute Personalnot. Das Klinikum Görlitz braucht freiwillige Helfer und startete einen Aufruf. Viele meldeten sich, eine der Helferinnen ist Jenny Wehlt.

Die 36-jährige Görlitzerin las den Aufruf. Sofort war ihr klar "hier bin ich gefragt", sagt sie. "Ich entschied mich, sofort zu reagieren. Wenn ich helfen kann, tue ich das" erklärt sie. "Ich bin motiviert und wegen meiner Ausbildung zur Altenpflegehelferin geeignet, das Pflegepersonal bei der Patientenversorgung zu unterstützen", dachte sich die Görlitzerin und schrieb an das Klinikum.

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34 freiwillige Helfer am Klinikum Görlitz

Jenny Wehlt ist aber nicht die einzige Helferin im Klinikum. Insgesamt sind es mehr als 30 Frauen und Männer, die von den zahlreichen Bewerbern ausgewählt wurden. Beworben hatten sich überwiegend Menschen aus Görlitz und der Region. Manche sind aufgrund von Corona in Kurzarbeit, andere sind arbeitslos oder Hartz-IV-Empfänger. "Es sind Studenten dabei, Akademiker, Handelsvertreter, Schüler, Rentner, Teilzeitbeschäftigte", berichtet Klinikum-Sprecherin Katja Pietsch. Vor Weihnachten 2020 begannen 34 Hilfskräfte auf verschiedenen Stationen.

Jenny Wehlt arbeitet im Intensivmedizinischen Zentrum, also auf einer Intensivstation. Sie betreut dort auch Patienten, die an Covid-19 erkrankt sind. Die Altenpflegehelferin hilft vor allem in der Grundkrankenpflege. Das heißt, sie unterstützt die Patienten bei der täglichen Körperpflege: wäscht sie, kämmt die Haare, versorgt Zahnprothesen. Jenny Wehlt leert die Bettpfannen, reinigt Katheter. Und wenn es nötig ist, wird der Patient auch einmal eingecremt. Außerdem unterstützt Jenny Wehlt schwerkranke Patienten beim Essen, wenn sie nicht künstlich ernährt werden.

Ihre Arbeiten verrichtet sie gut gelaunt und nicht stumm. Schließlich ist es der 36-Jährigen sehr wichtig, für die Patienten ein paar nette Worte übrig zu haben und mit ihnen zu kommunizieren. "Die Patienten haben es schwer genug, da streichelt ein liebes Wort die Seele", denkt sich die Altenpflegehelferin.

Nützlich sein, anstatt zu Hause zu hocken

Möglich ist ihr die Unterstützung im Klinikum, weil Jenny Wehlt seit dem ersten Lockdown in Kurzarbeit ist. Bis Ende Februar läuft ihr Vertrag mit dem Klinikum zunächst. Jetzt, seitdem sie schon etliche Tage im Klinikum aushilft, kommt es ihr immer mehr zu Bewusstsein, wie richtig ihre Entscheidung war, sich zu bewerben. "Der Aufruf kam für mich zum genau richtigen Zeitpunkt", sagt sie. "Anstatt zu Hause zu sitzen, kann ich hier nützlich sein." Und sie fühlt sich in ihrem Beruf und in ihrem Leben bestätigt - vielleicht auch, weil die Familie, darunter ein zwölfjähriger Sohn, ihr sofort zurieten, sich zu bewerben. "Skeptisch war niemand, meine Familie weiß, dass ich gern arbeite", erklärt die Altenpflegehelferin.

Pflegepersonal leistet Großartiges

Im Team, in dem Jenny Wehlt jetzt aushilft, fühlt sie sich gut aufgenommen. "Die Leute hier haben mich sofort integriert. Sie sind dankbar für meine Unterstützung", sagt die 36-Jährige und ist beeindruckt von der Arbeit der Kollegen: "Sie leisten hier wirklich Großartiges, unterstützen sich untereinander und kümmern sich aufopferungsvoll um die Patienten."

Auch der Landkreis vermittelt Helfer

Das Klinikum Görlitz war aber nicht die einzige Einrichtung, die um freiwillige Helfer warb. Auch der Landkreis startete einen Aufruf zur Unterstützung von Heimen und Kliniken. Rund 100 Freiwillige haben sich daraufhin gemeldet. Die Namen der Freiwilligen wurden an verschiedene Einrichtungen weitervermittelt. Die setzen sich mit den Helfern in Kontakt. Wie Landkreis-Sprecherin Franziska Glaubitz auf Nachfrage informiert, wurden nach Rückmeldungen der Träger bislang zehn Helfer vermittelt, darunter ein Pfarrer ins Pflegeheim Hörnitz, eine Studentin und eine Hebamme in Pflegeheime in Görlitz und Freiwillige nach Bernstadt.

Die Helfer sind zwischen 14 und über 65 Jahre alt, der Altersdurchschnitt liegt bei 38 Jahren. "Viele haben Pflegeerfahrungen aus dem privaten Bereich", erklärt Frau Glaubitz. Zu den Helfern gehören auch 14 Studierende und Azubis in Gesundheitsberufen.

Unterstützung ist weiter gefragt

Der Aufruf ist weiterhin auf der Internetseite des Landkreises zu finden. Allerdings legt man im Landratsamt derzeit das Augenmerk darauf, die eingetroffenen Angebote zu vermitteln, damit Helfer und Träger von Kliniken und Heimen zueinanderfinden.

Wer in der Corona-Pandemie anderen Menschen helfen möchte, aber nicht weiß, wie und wo Hilfe am nötigsten ist, kann sich auch bei der Aktion des Sozialen Netzwerks Lausitz registrieren. Dort finden Hilfesuchende und Hilfsbereite zusammen und organisieren kurzfristig nachbarschaftliche Hilfe.

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