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Hier wird das Görlitzer EM-Orakel nass gemacht

Sattelschwein Molly genießt im Görlitzer Zoo an den heißen Tagen ihre Dusche - obwohl sie nun nicht mehr orakelt. Der Tierpark lässt sich in Sachen Abkühlung der Bewohner viel einfallen.

Von Matthias Klaus
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Tierpfleger Philipp Kießlich duscht Dienstag  Sattelschwein Molly und ihre Ferkel mit einem Gartenschlauch im Tierpark Görlitz ab.
Tierpfleger Philipp Kießlich duscht Dienstag Sattelschwein Molly und ihre Ferkel mit einem Gartenschlauch im Tierpark Görlitz ab. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Molly hat Spaß. Immer wieder reckt und streckt sie sich dem kühlen Wasserstrahl entgegen. Kein Wunder, die Temperatur liegt am Dienstagnachmittag in Görlitz um die 30 Grad. Da ist die kalte Dusche geradezu ein schweinisches Vergnügen, dass sich die Sau nicht entgehen lässt.

Molly ist ein Sattelschwein. Eins, dass es während der Deutschland-EM-Spiele zu einiger Berühmtheit gebracht hat. Molly sagte die Spielergebnisse voraus - und das immer richtig. So lange jedenfalls, bis noch Deutschland im Turnier war. "Nur mit den Torverhältnissen haperte es manchmal", sagt Tierpark-Kuratorin Catrin Hammer.

Zwei kleine Tore, Fressen darin und ein Ball - mehr brauchte Molly nicht für ihre Orakelei. Selbst die Niederlage Deutschlands gegen Spanien hat sie "vorausgesehen".Den Job hat sie nach Ausscheiden der Nationalmannschaft inzwischen aufgegeben. Dafür wartet eine neue Herausforderung: die Hitze in diesen Tagen.

Zwei Tore, Fressen und ein Ball braucht das Orakel

Nicht nur Molly leidet unter den hohen Temperaturen, sondern für viele Tiere im Tierpark Görlitz heißt es, sich ein kühles Fleckchen zu suchen. Oder eben abgespritzt zu werden wie Molly. Wobei, nicht alle Zoobewohner können der kalten Dusche aus dem Schlauch so viel abgewinnen. Tibetschweine beispielsweise sind davon nicht sehr begeistert, weiß Tierpfleger Philipp Kießlich. Und manche Tiere mögen es etwas sanfter.

Die Pandas beispielsweise haben ein privilegiertes Quartier mit hohen Bäumen, die viel Schatten spenden. Zusätzlich ist eine Regenanlage darunter aufgebaut. "Die Verdunstungskälte kühlt die Luft", schildert Catrin Hammer. Offensichtlich mit Erfolg. Denn selbst am heißen Dienstagnachmittag lassen sich die Pandas sehen, sitzen im Baum und fressen vor sich hin. Von Hitzewallungen keine Spur.

Die Yaks haben es ebenfalls gut. Sie gehen einfach ins Wasser, die Alpakas freuen sich ähnlich wie Molly über eine kalte Dusche. Ebenso wie die Schafe wurden sie vor der warmen Jahreszeit geschoren. Sanfter geht es bei den Papageien zu. Sie werden bei hohen Temperaturen ein bisschen beregnet. Rhesusaffen gehen bei hohen Temperaturen zuweilen lieber rein, andere, wie die Zwergseidenäffchen, fühlen sich in der Wärme wohl. Das trifft auch auf die Mangusten gleich am Eingang zu, wobei ein Teil von ihnen gerade ein wenig faul im Schatten liegt.

Zoo Görlitz vermeidet Tiertransporte

Tiertransporte vermeidet der Zoo Görlitz derzeit, wenn es möglich ist. "Und wenn, dann nur in klimatisierten Fahrzeugen", so Catrin Hammer. Etwas schwierig sieht es mit den Terrarienbewohnern aus. Sie dürfen natürlich nicht überhitzen. Deshalb wird schon mal die Heizung abgestellt oder nur am frühen Morgen angeschaltet.

Um Molly wuselt jetzt ihr Nachwuchs herum, fünf Ferkel, allesamt männlich. Sechs Wochen sind sie alt. Ihr inzwischen verstorbener Vater war ein Tibetschwein. Sie sind also keine reinen Sattelschweine, obwohl sie eine bunte Zeichnung haben. Molly wurde 2018 geboren. Um die zwölf Jahre alt werden Sattelschweine. Ein allzu langes Leben im Tierpark Görlitz wird ihrem Nachwuchs allerdings nicht vergönnt sein.

Kein langes Leben für die Ferkel

Denn die fünf Ferkel werden irgendwann Futter für die Raubtiere im Tierpark. Um diese Vorgehensweise gibt es immer wieder Diskussionen, auch in Görlitz, wenn wieder einmal ein totes Tier im Geier-Gehege liegt, oder auch anderswo. "Wir stehen aber zu dieser Vorgehensweise", sagt Catrin Hammer. Immerhin ist der Tierpark damit unabhängig von Einkäufen aus der Massentierhaltung, um seine Bewohner zu versorgen. Und, so Catrin Hammer, die Ferkel werden nicht auf einen leidvollen Weg zum Schlachter geschickt. Das kann im Zoo selbst erledigt werden - kurz, schmerzlos.

Noch aber sind die fünf jungen Herren im Freigehege, das sie trotz Afrikanischer Schweinepestgefahr jetzt wieder nutzen können. Molly hat ja noch ein paar Sattelschwein-Jahre vor sich. Vielleicht tritt sie ja in zwei Jahren wieder als Orakel an, dann zur Fußball-Weltmeisterschaft.