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Wie sich Hitze in den Oberlausitzer Kliniken auswirkt

Hitzewellen sind auch in Krankenhäusern des Landkreises Görlitz Thema. Nicht nur, weil Hitze für mehr Patienten sorgt.

Von Frank-Uwe Michel & Susanne Sodan
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Frühmorgens kontrolliert Schwester Franziska noch einmal ein Patientenzimmer im Klinikum Görlitz. Auch auf die Temperatur. Denn draußen gab es am Donnerstag bis zu 33 Grad.
Frühmorgens kontrolliert Schwester Franziska noch einmal ein Patientenzimmer im Klinikum Görlitz. Auch auf die Temperatur. Denn draußen gab es am Donnerstag bis zu 33 Grad. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Kaum Regen, da kündigt sich schon wieder Trockenheit an. Ob es noch einmal eine Hitzewelle geben wird? Eine Frage, die auch Kliniken sehr interessiert. "In den Hitzemonaten nimmt die Zahl der Patientinnen und Patienten auch hitzebedingt zu", erzählt Dr. Jana-Cordelia Petzold, Sprecherin des Klinikums Oberlausitzer Bergland mit seinen Standorten in Ebersbach-Neugersdorf, Zittau und Weißwasser.

Ähnlich wie in Vorjahren haben die Krankenhäuser derzeit aber auch mit vielen anderen Not- und Akutfällen zu kämpfen, die in die Notaufnahme kommen, schildert sie. Dazu kommt die Urlaubszeit vieler niedergelassener Ärzte. So warnte kürzlich die Deutsche Krankenhausgesellschaft vor Extrembelastungen in den Kliniken. Denn bundesweit habe sich die Zahl der Patienten, die aufgrund von Hitze ins Krankenhaus mussten, über die vergangenen Jahre teilweise verdoppelt.

Kliniken bemerken Hitze

"Besonders betroffen sind immer Kinder, Schwangere und vor allem ältere Menschen", erklärt Jana-Cordelia Petzold. Auch Menschen mit Vorerkrankung, ergänzt Katja Pietsch, Sprecherin des Städtischen Klinikums Görlitz. Die Folgen der jüngsten Hitzewellen hielten sich in Görlitz zum Glück in Grenzen, erzählt sie, eine auffällige Zunahme von Patienten in der Notaufnahme war an den jüngsten Hitzetagen nicht zu verzeichnen. Katja Pietsch mutmaßt, dass viele sich inzwischen an Verhaltensregeln bei Hitze halten.

Zahlenmäßig wirken sich die Temperaturen zwar nicht aus, erklärt auch Johannes Schorrat, Pflegeleiter der Notaufnahme am Emmaus-Krankenhaus Niesky. Allerdings gebe es aktuell deutlich mehr Menschen, die mit Anzeichen von Flüssigkeitsdefizit behandelt werden müssen. Schwindel und Übelkeit seien typische Symptome. Um den nötigen Elektrolytausgleich herzustellen und für mögliche Engpässe gerüstet zu sein, hat die Klinik ihr Infusionsequipment aufgestockt. Weniger häufig dagegen brauchen an heißen Tagen Menschen Hilfe in der Notaufnahme, die sich etwa bei Haus- und Gartenarbeit verletzt haben. Er vermutet: „Auf Bäume steigen, Holz hacken oder was es da noch so gibt, ist bei der Hitze einfach zu anstrengend.“

Bundesweit mehr Patienten wegen Hitze

Doch auch in den Kliniken selbst ist Hitze ein Thema: Vor Längerem schon stellten Mediziner fest: Die Temperatur in Krankenzimmern hat Einfluss auf die Genesung der Patienten. Auch die Corona-Sommerwelle hat die Hitzeschutz-Frage aktuell gemacht: Die Arbeit in Schutzausrüstung macht Hitze nicht einfacher.

Wie Kliniken sich auf Hitze vorbereiten, Räume kühl halten können, erforscht Bauphysikerin Peggy Freudenberg. An der TU Dresden arbeitet sie am Institut für Bauklimatik. "Man muss zum Beispiel immer bedenken, dass Krankenhauspatienten oft nicht mobil sind", schildert sie. "Sie können nicht einfach den Raum wechseln, wenn ihnen zu warm wird, oder mal das Fenster öffnen."

Alte Kliniken im Vorteil

Ob Kliniken Probleme mit Hitze bekommen, hänge vom Gebäudetyp ab, sagt Peggy Freudenberg. "Die Problematik betrifft vor allem Häuser, die ab den 70er-Jahren gebaut wurden." Die Fenster zum Beispiel wurden größer. "Dabei spielt auch das Tageslicht für die Patienten eine wichtige Rolle. Jedoch hat man so über die Jahrzehnte auch die Angriffsfläche für Hitze immer weiter vergrößert." Zuvor, schildert sie, wurden Gebäude tendenziell mit dickeren Wänden, kleineren Fenstern, höheren Decken gebaut. "Sie sind oft klimastabiler."

Glück für das Städtische Klinikum Görlitz. Ein Klimakonzept in diesem Sinne hat das Klinikum nicht, dennoch sei es gut gerüstet, sagt Sprecherin Katja Pietsch: "Ganz klassisch kommen Sonnenschutz und Verdunklung, Klimageräte oder das Lüften zum Einsatz." An heißen Tagen werde zusätzliches Wasser für Patienten und Patientinnen und Mitarbeitende zur Verfügung gestellt. Und: Auch hier gibt es Neubauten - doch das Hauptgebäude stammt aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts. "Wir haben in den alten sanierten Gebäuden und in den modernen Häusern einen guten Hitzeschutz." 2020 wurde mit dem neuen Mutter-Kind-Zentrum die modernste Kinderklinik Sachsens eröffnet - entstanden aus einem modernisierten Altbau.

Kliniken abhängig von guten Planern

Den Vorteil haben nicht alle Kliniken. So kann die bauliche Hülle des Emmaus-Krankenhauses, die im Zuge des Umbaus der Notaufnahme auch im Innern technisch ertüchtigt wird, die hohen Temperaturen nur teilweise zurückhalten. Allerdings ist der Altbau mit Außen-Jalousien ausgestattet. Klimaanlagen gibt es nach Aussagen des Pflegechefs bisher nur in Technikräumen, in den Patientenzimmern noch nicht.

Das grundlegende Problem liege beim Gesetzgeber, erklärt Peggy Freudenberg. Für neue öffentliche Gebäude gibt es Normen, um das Überhitzungsrisiko zu senken. Nur unterscheiden diese nicht zwischen Bürogebäuden, in denen Personen sich frei bewegen können und Krankenhäusern, Pflegeheimen oder Kinderkrippen, in denen Menschen hilfsbedürftig sind. So sei es in den vergangenen Jahrzehnten und bis heute sehr auf den Gestaltungswillen der Planer angekommen. "Wenn man Pech hat, wurde einfach nur die Norm runtergerechnet, und die tatsächliche Funktion des Gebäudes war nebensächlich."

Was dann tun? Es gibt Möglichkeiten, nachzurüsten. Die Fußbodenheizung im Sommer zur Kühlung zu nutzen, Kühltapeten, begrünte Dächer und Fassaden, Wärmeschutzfolien für die Fenster. Doch nicht alles nützt wie erhofft. "Man sieht manchmal, dass in Kliniken solche Wärmeschutzfolien innen angebracht werden." Doch dann reflektieren sie die Sonneneinstrahlung im Scheibenzwischenraum, "es kann zu einer Art Ping-Pong-Effekt zwischen Glas und Folie kommen und man hat eher eine Flächenheizung als einen Abkühlungseffekt." Draußen gehen sie schneller kaputt. In den Scheibenzwischenräumen sind sie teuer, vor allem durch den Arbeitsaufwand, weil sie nur im Glaswerk eingebracht werden können.

Hitzeschutz in Kliniken besonders teuer

Und dann sind da die Klimaanlagen. Ob der Emissionen und der hohen Nebenkosten nicht gerne gesehen und daher von den meisten Bundesländern, auch Sachsen, bei neuen öffentlichen Bauvorhaben stark reglementiert, erklärt Peggy Freudenberg. Ein schwieriger Widerspruch zwischen Klimaschutz und dem Hitzethema an Kliniken. Für sensible Gebäude gibt es Ausnahmen. Nur gelten dort, etwa in OP-Sälen, ganz besonders hohe Hygienestandards. Es werden sehr teure Klimaanlagen mit speziellen Filteranlagen benötigt, erklärt Freudenberg. "Auch die Wartung ist umfangreich."

Mehr finanzielle Unterstützung für Klimaschutz in den Kliniken insgesamt forderte jetzt die Deutsche Krankenhausgesellschaft. Es sei in den vergangenen Jahren viel nachgerüstet worden, aber es gebe auch noch großen Nachholbedarf, vor allem bei größeren baulichen Maßnahmen, um Energie zu sparen. Den Krankenhäusern mit ihren knappen Kassen gibt die DKG daran nicht die Schuld, die Politik müsse reagieren.

Die klimatischen Bedingungen in den Häusern seien ein Thema, sagt Jana-Cordelia Petzold vom Klinikum Oberlausitzer Bergland, es werde kontinuierlich an der Verbesserung gearbeitet. Ganz aktuell würden die Räume des Klinikums klassifiziert, um das bestehende Konzept zu erweitern. Offenbar wurde auch so einiges bereits investiert: Wichtige Bereiche seien klimatisiert, „zum Beispiel die Operationssäle und Bereiche der Diagnostik.“

Ähnlich wie in Görlitz wird auch hier ansonsten mit Rollos, Jalousien, hitzeisolierenden Vorhängen gearbeitet. Lüften in den frühen Morgenstunden. Und viel trinken. An allen Standorten gebe es in allen Bereichen Getränkespender mit Mineralwasser für Patienten, Angehörige und die Beschäftigten. "Viele nutzen Wasserflaschen und Isobehälter, um gleich für den Tag, den Einsatz oder die Dienstschicht gerüstet zu sein."