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Höchster Denkmalschutzpreis für Görlitzer Stiftung

Die Evangelische Kulturstiftung wurde in Berlin für ihr denkmalpflegerisches Engagement ausgezeichnet. Vorstandsvorsitzender Michael Vogel erklärt, was das heißt.

Von Ines Eifler
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Michael Vogel, Vorstandsvorsitzender der Evangelischen Kulturstiftung, mit dem Deutschen Preis für Denkmalschutz.
Michael Vogel, Vorstandsvorsitzender der Evangelischen Kulturstiftung, mit dem Deutschen Preis für Denkmalschutz. © Ines Eifler

Herr Vogel, Sie sind seit 13 Jahren im Vorstand der Evangelischen Kulturstiftung Görlitz und haben am Freitag den Deutschen Preis für Denkmalschutz in Berlin entgegengenommen. Was bedeutet dieser Preis für die Stiftung und für Görlitz?

Wir waren am Freitag zu dritt in Berlin, nicht nur ich, sondern auch die Geschäftsführerin der Stiftung, Janet Conrad, und die langjährige Vorsitzende Margrit Kempgen, die zum Wirken der Stiftung wesentlich beigetragen hat. Der Deutsche Preis für Denkmalschutz ist die höchste Auszeichnung der Bundesrepublik Deutschland, die man für seinen Einsatz im Denkmalschutz erhalten kann.

Michael Vogel, Margrit Kempgen und Janet Conrad (v. l.) nahmen den Preis am Freitag von Gunnar Schellenberg (r.), dem Präsidenten des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz, entgegen.
Michael Vogel, Margrit Kempgen und Janet Conrad (v. l.) nahmen den Preis am Freitag von Gunnar Schellenberg (r.), dem Präsidenten des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz, entgegen. © Christian Conrad

Sie wird durch eine halbe Silberkugel symbolisiert, die auch ihr ordentliches Gewicht hat. Die Evangelische Kulturstiftung hat den Preis für ihr 25-jähriges Engagement für den Erhalt des Heiligen Grabes, des Nikolaifriedhofs und der Nikolaikirche bekommen. Es heißt, wer "Überdurchschnittliches für das bessere Verständnis und den Erhalt von Denkmalen leistet", ist geeignet, den Preis zu bekommen.

Das Heilige Grab gehört mit dem Nikolaifriedhof und der Nikolaikirche zu den Objekten, für deren Erhalt sich die Kulturstiftung engagiert. Insgesamt zieht die Stiftung 30.000 Besucher pro Jahr an.
Das Heilige Grab gehört mit dem Nikolaifriedhof und der Nikolaikirche zu den Objekten, für deren Erhalt sich die Kulturstiftung engagiert. Insgesamt zieht die Stiftung 30.000 Besucher pro Jahr an. © www.wolfgang-wittchen.de

Wer hat Sie dafür vorgeschlagen?

Das Landesamt für Denkmalpflege in Dresden hat den Vorschlag gemacht, und wir hatten das Glück, dass die Bewertungskommission des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz uns dann als Preisträgerin unter vielen Bewerbern für würdig erachtet hat.

Ist das ein erster Preis oder einer, den auch andere bekommen haben?

Die Evangelische Kulturstiftung Görlitz ist eine von mehreren Preisträgern der Silbernen Halbkugel, einen ersten, zweiten oder dritten Platz gibt es da nicht. Es gibt noch eine Kategorie "Karl-Friedrich-Schinkel-Ring", den nur ein Preisträger pro Jahr erhält, und einen Journalistenpreis. In diesem Jahr wurden besonders viele Preise verliehen, sowohl die für 2021 als auch für 2020, weil die Veranstaltung voriges Jahr wegen Corona ausfallen musste.

Die Silberne Halbkugel des Deutschen Preises für Denkmalschutz. Die Evangelische Kulturstiftung Stiftung erhielt sie am 22. Oktober 2021 in Berlin.
Die Silberne Halbkugel des Deutschen Preises für Denkmalschutz. Die Evangelische Kulturstiftung Stiftung erhielt sie am 22. Oktober 2021 in Berlin. © Ines Eifler

Wer waren andere Preisträger?

Sie kamen aus der ganzen Bundesrepublik. Preisträger des Schinkel-Rings war 2020 ein privater Architekt, der sich für Baudenkmale der Moderne engagiert. 2021 wurde die Vorsitzende einer Stiftung ausgezeichnet, die sich um den Erhalt der frühneuzeitlichen Cranach-Höfe in Wittenberg verdient gemacht hat.

Die Silberne Halbkugel bekamen unter anderem der Förderverein Eiszeitkunst im Lonetal, der an die Menschen der letzten Eiszeit in den Höhlen der Schwäbischen Alb erinnert, oder ein Kölner Verein, der sich um den Erhalt eines denkmalgeschützten Empfangs- und Ausflugsschiffes aus dem Jahr 1938 kümmert.

Der barocke Nikolaifriedhof gehört zu den schönsten Görlitzer Plätzen. Der Preis für die Evangelische Kulturstiftung Görlitz kann ihn noch berühmter machen, als er schon ist.
Der barocke Nikolaifriedhof gehört zu den schönsten Görlitzer Plätzen. Der Preis für die Evangelische Kulturstiftung Görlitz kann ihn noch berühmter machen, als er schon ist. © Christian Suhrbier

Wo wurden die Preise genau vergeben?

Die Preisverleihung findet immer an verschiedenen, besonderen Orten statt, diesmal im Kongresszentrum auf dem Berliner Alexanderplatz, gleich neben dem Haus des Lehrers. Frühere Orte waren Naumburg, Straßburg, Basel, 2016 war es Görlitz. Die Initiativen aller Preisträger wurden in Videos vorgestellt, das war recht eindrucksvoll. Wegen Corona war natürlich jeder zweite Platz frei, aber es war eine schöne Veranstaltung mit einem kleinen Jazzorchester, das zwischen den einzelnen Preisvergaben spielte.

Was kann dieser Preis der Stiftung bringen? Ist er zum Beispiel mit einer finanziellen Zuwendung verbunden?

Nein, es ist eine rein symbolische Auszeichnung. Wir erhoffen uns davon eine größere Außenwirkung. Der Preis kann helfen, die Evangelische Kulturstiftung bekannter zu machen und noch mehr touristisches Interesse für das Heilige Grab, den Nikolaifriedhof mit seinen barocken Grufthäusern und die Nikolaikirche zu wecken.

In der Görlitzer Nikolaikirche mit ihrer expressionistischen Ausmalung sind immer wieder Ausstellungen zu sehen. Hier 2018 eine Schau mit Blechplastiken von Hans Wissel, die von dessen Sohn zusammen mit der damaligen Geschäftsführerin Margrit Kempgen eröf
In der Görlitzer Nikolaikirche mit ihrer expressionistischen Ausmalung sind immer wieder Ausstellungen zu sehen. Hier 2018 eine Schau mit Blechplastiken von Hans Wissel, die von dessen Sohn zusammen mit der damaligen Geschäftsführerin Margrit Kempgen eröf © Pawel Sosnowski/Archiv

Leider profitieren wir ja nicht von einer institutionellen Förderung, die langfristig den Erhalt der Stiftung sichert, sondern sind auf Projektfördermittel, die immer wieder aufwändig neu beantragt werden müssen, und Einnahmen aus Eintrittsgeldern angewiesen. Deshalb haben wir im Moment auch sehr damit zu tun, das große Loch an Einbußen aus den Lockdowns zu füllen – es fehlen die Einnahmen aus neun Monaten.

Bekommt die Evangelische Kulturstiftung auch Spenden?

Auch Spenden bekommen wir, aber die liegen meist im dreistelligen Bereich, das sind vergleichsweise kleine Beträge, von denen wir nicht existieren können. Der Einzige, der uns regelmäßig mit rund 10.000 bis 12.000 Euro pro Jahr unterstützt, ist der Evangelische Kirchenkreis Schlesische Oberlausitz.

Wie viel Geld würden Sie tatsächlich jährlich benötigen?

Um den Aufgaben aus unserer Stiftungssatzung ordentlich gerecht zu werden, um neue touristische Produkte entwickeln und mehr Mitarbeiter einstellen zu können, bräuchten wir jährlich 30.000 Euro zusätzlich zu unseren Einnahmen. Wir gehören immerhin zu den Görlitzer Kultureinrichtungen mit den meisten Besucherzahlen.

Neue touristische Produkte: 2019 entwickelte Janet Conrad, Geschäftsführerin Evangelische Kulturstiftung Görlitz, ein Geocaching-Spiel, das durch die Altstadt zum Heiligen Grab führt.
Neue touristische Produkte: 2019 entwickelte Janet Conrad, Geschäftsführerin Evangelische Kulturstiftung Görlitz, ein Geocaching-Spiel, das durch die Altstadt zum Heiligen Grab führt. © Nikolai Schmidt

Wie viele Besucher kommen pro Jahr?

Genau wie die Museen in der Stadt zählen wir jährlich rund 30.000 Gäste, die Führungen buchen oder das Heilige Grab oder die Nikolaikirche besuchen. Das stemmen wir mit 1,5 Beschäftigten, viel ehrenamtlichem Engagement und großer, sehr dankenswerter Unterstützung vom Jobcenter. Man darf auch nicht vergessen, die Gebäude und Denkmäler, die wir pflegen und erhalten, sind über 500 Jahre alt. Genau wie ein alter Mensch im Vergleich zu einem jungen Menschen, braucht auch ein Baudenkmal umso mehr Zuwendung, je älter es ist.