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Einkaufen beim Bauern

Hofläden und Ab-Hof-Verkäufe werden in Görlitz und Niesky immer beliebter. Das hat auch mit der Pandemie zu tun.

Der Hofladen von Ramona Ladusch in Kreba-Neudorf ist einer der am längsten bestehenden im Kreis - und erfreut sich wie andere auch zunehmender Beliebtheit.
Der Hofladen von Ramona Ladusch in Kreba-Neudorf ist einer der am längsten bestehenden im Kreis - und erfreut sich wie andere auch zunehmender Beliebtheit. © André Schulze

Erst in der vorigen Woche kam der Hofladen von Ramona Ladusch in Kreba-Neudorf aus der Winterpause. Die Stammkunden warteten schon lange darauf. Gemüse, Obst, Fleisch- und Wurstwaren, Milcherzeugnisse sowie Backwaren vom eigenen Hof und von Erzeugern aus der nahen Region sind gefragter denn je. Und nicht nur, um in Corona-Zeiten mal rauszukommen.

"Das Bewusstsein fürs Regionale ist gestiegen", sagt Ramona Ladusch. Die Corona-Pandemie mit ihren vielen Einschränkungen habe viele Menschen zum Nachdenken gebracht, auch über Bodenständigkeit. "Die Menschen besinnen sich auf die Werte, die es direkt vor der Haustür gibt." Gesunde, vor Ort produzierte Lebensmittel gehören dazu.

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Menschen legen mehr Wert auf gesunde Ernährung

Immer mehr Menschen legen Wert darauf, sich gut zu ernähren. Sie kaufen auf dem Markt Obst, Gemüse und andere regionale Produkte, lassen sich von Gärtnereien oder Landwirten Gemüsekisten nach Hause liefern oder haben Anteile an einer Solidarischen Landwirtschaft und holen sich ihr Gemüse dort ab. Diese Menschen sind bereit, dafür mehr Geld auszugeben als für die gleiche Ware aus dem Supermarkt. Denn die kommt oft von weit her, wurde weder nachhaltig und noch seltener in Bio-Qualität erzeugt.

Die gute Nachfrage nach hochwertigen Lebensmitteln aus der Region hören viele Produzenten gern und richteten deshalb selbst Hofläden ein. Dort sind meistens nicht nur Produkte eines Produzenten erhältlich, sondern die Erzeugnisse von vielen - Netzwerkarbeit eben, und Kooperationen. Landwirtschaftsbetriebe, Gärtner, Einzelbauern, Imker und weitere tun sich zusammen und vermarkten ihre Produkte gemeinsam.

Bestes und vor allem erfolgreiches Beispiel dafür ist die Görlitzer Marktschwärmerei. 2019 gründete sie die Melaunerin Anne Ritter-Hahn. Sie suchte und fand regionale Erzeuger von Lebensmitteln, listete deren Produkte in einem Onlineshop und jeder bestellt, was er braucht: Gemüse, Obst, Fleisch, Fisch, Backwaren, Käse, Honig, Saft, Kaffee, Schokolade und vieles mehr. Jeden Donnerstag bringen die Erzeuger die bestellte Ware zum Nostromo in der Cottbuser Straße, wo die Kunden sie zu einer festgelegten Zeit abholen. Jetzt, in der Corona-Zeit, sind die Erzeuger selbst allerdings nicht vor Ort - Kontakte vermeiden ist die Devise.

Anne Ritter-Hahn gründete die erste Marktschwärmerei in der Lausitz. Mehr als 800 Mitglieder kaufen dabei Produkte heimischer Erzeuger.
Anne Ritter-Hahn gründete die erste Marktschwärmerei in der Lausitz. Mehr als 800 Mitglieder kaufen dabei Produkte heimischer Erzeuger. ©  Archivfoto: Nikolai Schmidt

Marktschwärmerei verdreifacht Mitgliederzahl

Anne Ritter-Hahn startete mit der ersten Marktschwärmerei in der Lausitz und etwa 150 Mitgliedern. Jetzt gibt es weitere und es sind in der Görlitzer Schwärmerei weit mehr als 800 Mitglieder, Tendenz steigend. Zwar bestellt nicht jeder tatsächlich jede Woche, aber durchschnittlich 110 Bestellungen pro Woche sind es schon. Immer wieder kommen auch neue Anbieter dazu, beispielsweise vor Kurzem die Seer Agrargenossenschaft, die ihre Lavendelprodukte in der Marktschwärmerei anbietet.

Aber nicht jeder Landwirtschaftsbetrieb leistet sich einen eigenen Hofladen - und verkauft trotzdem ab Hof die Erzeugnisse, die angebaut oder produziert werden. Bei Christoph Zachmann in Markersdorf sind Kartoffeln erhältlich. "Einfach zu normalen Geschäftszeiten klingeln, meist ist jemand da", erklärt Eva-Maria Zachmann. Bei Zachmanns gibt es die Kartoffeln im 12,5-Kilo-Sack. Die Agrargenossenschaft Pfaffendorf verkauft ebenfalls Erdäpfel, allerdings ab 25 Kilogramm. Das Stadtgut Görlitz betreibt schon länger keinen Hofladen mehr, auch wenn das am Gebäude direkt an der Straße in Kunnerwitz noch dran steht. Wer allerdings am Betrieb unterhalb der Landeskrone jemanden antrifft und Äpfel kaufen möchte, bekommt sie in der Regel. Ähnlich verfährt das Stadtgut mit Eiern von der Hühnerfarm.

Kerstin Neumann betreibt eine Milchtankstelle in Girbigsdorf. Dort gibt es auch Eier und Käse aus dem Automaten.
Kerstin Neumann betreibt eine Milchtankstelle in Girbigsdorf. Dort gibt es auch Eier und Käse aus dem Automaten. © Archivfoto: pawel sosnowski/80studio.net

Produkte in Selbstbedienung

Der Hofladen vom Lindenhof in Pfaffendorf öffnet immer freitags am Nachmittag und bietet ein saisonales Angebot an Gemüse, Brot und Milchprodukten, die aus eigener Milch vom Ökolandbau Pommritz verarbeitet wurde. Täglich zwischen 17 und 20 Uhr wird frische Rohmilch abgegeben. Wem der Weg nach Pfaffendorf zu weit ist - der Lindenhof ist auch bei der Marktschwärmerei dabei.

Frische Milch ab Hof gibt es auch in Girbigsdorf. Dort hat Kerstin Neumann vor einigen Jahren einen Automaten installiert. Frische Eier, Milch und seit vorigem Jahr auch Käse kann man dort zwischen 7 und 20 Uhr erwerben. Die große Kälte derzeit beeinflusst den Automaten nicht, er steht in einem Raum, nicht draußen. Das Automaten-Angebot werde sehr gut angenommen, sagt Kerstin Neumann, vor allem jetzt, in der Corona-Zeit. "Die Leute suchen was, um mal herauszukommen" sagt sie. Aber auch der Kreis der Stammkunden wird größer. "Zwar sehe ich selten mal jemanden, weil ja Sinn und Zweck des Automaten die Selbstbedienung ist, aber hin und wieder sehe ich auch Autos mit Kennzeichen aus Niesky oder Löbau", erklärt sie. Offensichtlich wird da ein Abstecher auf dem Arbeitsweg gemacht, um sich mit frischer Ware zu versorgen.

Fische aus der Teichlandschaft, Wild aus dem Wald

Im Raum Niesky laden die Teichwirte in ihre Hofläden ein, darunter Armin Kittner in Petershain und die Kreba-Fisch GmbH, die ihren Hofladen in Sproitz betreibt. Rüdiger Bohlmann in Zodel dagegen verkauft im "Wildverkauf Büchner" frisches Wild aus der Region. Viele weitere Anbieter wären zu nennen, darunter Hausschlachtung und Partyservice Jakob in Diehsa und der Geflügel- und Bauernhof Mario Steinert in Diehsa. Den Anspruch auf Vollständigkeit der Hofläden und Anbieter ab Hof erhebt dieser Beitrag aber nicht.

Armin Kittner fängt hin und wieder wie hier vor einigen Jahren solche Prachtexemplare. Der Renner in seiner Teichwirtschaft sind aber Karpfen.
Armin Kittner fängt hin und wieder wie hier vor einigen Jahren solche Prachtexemplare. Der Renner in seiner Teichwirtschaft sind aber Karpfen. © Jens Trenkler

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