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Familie züchtet Hühner im Wohnzimmer

Mit Eiern aus dem Supermarkt und von der Nachbarschaft starteten die Rudolphs aus dem Görlitzer Umland zu Ostern ein Experiment.

Die vierjährige Rabea konnte das Schlüpfen der Küken miterleben. Die Flauschkugeln sind federleicht.
Die vierjährige Rabea konnte das Schlüpfen der Küken miterleben. Die Flauschkugeln sind federleicht. © Constanze Junghanß

Fünf Federbälle piepsen. Nicht im Stall, sondern auf dem Wohnzimmertisch. „Küken-Kindergarten“, sagt dazu Beatrix Rudolph. Noch dürfen die Küken nicht raus aus dem Kleintierstall, der vor dem Fenster steht. Sie sind gerade mal zwei Tage alt. Frisch aus dem Ei gepickt. Hühnerbabys sozusagen. Eins in Schwarz, zwei graue Hühnchen, zwei gelbe. Und zuhause mitten in der guten Stube von Familie Rudolph.

Bei den Deutsch-Paulsdorfern landeten die Eier nicht im Eierbecher zum Frühstück, sondern im künstlichen Brutkasten.

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Rabea findet die Küken in Omas Wohnzimmer niedlich. Die Vierjährige erlebte das Schlüpfen der Flauschkugeln gemeinsam mit den Familienmitgliedern. Die Hühnchen erblickten genau zu Ostern das Licht der Welt. Großmutter Beatrix Rudolph hatte dafür eine Packung Bio-Eier im Supermarkt gekauft und auch einige Eier von Hühnern der Nachbarn aus dem Dorf bekommen. „17 Stück insgesamt“, sagt sie. Dass das mit dem Brüten auch ohne echte Glucke möglich ist, darüber berichtete unter anderem die Sendung „Marktcheck“ vom SWR-Fernsehen.

Spezielle Brutmaschine im Internet gekauft

Auch Eric Krems, Geschäftsführer vom Oberlausitzer Bauernverband, findet das nicht abwegig. „In Bio-Beständen laufen Hähne mit“, sagt er. Befruchten die Hähne die Eier der Henne, können die Eier mit entsprechenden Apparaten auch ausgebrütet werden.

Welche der fünf geschlüpften Küken tatsächlich aus den Supermarkt-Eiern stammen, weiß Frau Rudolph nicht. Sie hat sie nicht extra gekennzeichnet.

„Wir wollten ausprobieren, ob das mit der Aufzucht aus Eiern tatsächlich klappt“, sagt Beatrix Rudolph.

Die Küken benötigen als Ersatzglucke eine spezielle Wärmplatte, fressen „Starterfutter“ mit Getreide und Mineralstoffen und bekommen bei Familie Rudolph in Deutsch-Paulsdorf viel Aufmerksamkeit.
Die Küken benötigen als Ersatzglucke eine spezielle Wärmplatte, fressen „Starterfutter“ mit Getreide und Mineralstoffen und bekommen bei Familie Rudolph in Deutsch-Paulsdorf viel Aufmerksamkeit. © Constanze Junghanß

Gekauft wurde im Internet ein spezieller Inkubator. Kostenpunkt: Unter 100 Euro. Die vollautomatischen Brutmaschinen für den Hausgebrauch sehen wahlweise aus wie ein Eierkocher, ein Dörrapparat oder Joghurtbereiter und erzeugen konstante Temperaturen von mindestens 38 Grad. In das Gerät kommen die Eier rein. Ob sie befruchtet sind, zeigt sich später. „Eine Glucke wendet ihre Eier alle zwei Stunden. Der Apparat macht das zum Glück automatisch“, erzählt Frau Rudolph. Die Supermarkt- und Nachbarschaftseier wurden genau drei Wochen vor Ostersamstag in die Brutmaschine gepackt. Mit einem Stethoskop horchte Familie Rudolph die Eier ab. Einige Tage vor dem ersten Schlupf begann das Gepiepse unter den Eierschalen. Am 21. Tag begann das Schlüpfen. Eine spannende Beobachtung sei das gewesen.

Fuchs, Marder und Bussard holten drei Hühner

„Hühnerhalter sagten mir, es sei schwer, ein Huhn zu finden, welches brav brütet“, erzählt Beatrix Rudolph. Und auch aus eigener Erfahrung bestätigt sie, dass das bei frei laufenden Hühnern nicht unbedingt ganz so einfach ist. Zwei erwachsene Hennen leben in ihrem Garten. Eine der Hennen habe sich von einem Hahn in der Nachbarschaft begatten lassen und ihre Eier zwischen die Bäume hinter dem Bach gelegt. Da habe der Vogel zwar mit der Brüterei begonnen, die Eier jedoch am Abend im Stich gelassen, um wie gewohnt im Hühnerstall zu übernachten. Mit dem Nachwuchs klappte es also nicht. Das sollte sich ändern. Zumal Nachwuchs gebraucht wird: Drei Rudolph'sche Hühner wurden in der Vergangenheit von Fuchs, Marder und Bussard weggeholt – trotz Hühnerhaus.

Und was passiert mit dem flauschigen Nachwuchs, wenn der wächst und mal nicht mehr ins Wohnzimmer passt? „Sie bleiben alle hier bei uns“, sagt Beatrix Rudolph. Auf dem Grundstück gibt es genug Platz für die Schar – und sicher dann auch in Zukunft eigene frische Frühstückseier.

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