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Ist Ludwigsdorf das Hundeklo für Görlitz?

Einwohner ärgern sich über die vielen Haufen in Ludwigsdorf. Und über die Besitzer der Hunde, die auch noch falsch parken.

Direkt am Ludwigsdorfer Wanderweg befindet sich ein privater Carport. Häufig stehen dort aber Autos drin, die dort nicht parken dürfen.
Direkt am Ludwigsdorfer Wanderweg befindet sich ein privater Carport. Häufig stehen dort aber Autos drin, die dort nicht parken dürfen. © Martin Schneider

Helga Jacob hat es satt, ständig Hundekot von ihrem Grundstück wegzuräumen. Die Ludwigsdorferin hat auch keine Lust mehr, Autofahrer darauf hinzuweisen, dass ihr Carport kein öffentlicher Parkplatz ist. Aber was soll die Frau machen, als immer wieder doch die Hinterlassenschaften der Hunde wegzuräumen und mit den Falschparkern zu reden?

Seit einiger Zeit nimmt das Falschparken überhand. "Am Wanderweg, der als Rundweg durch das Dorf und die Ludwigsdorfer Aue führt, steht unser Carport, den wir für unsere Mieter gebaut haben", erzählt die 67-Jährige.

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Tretminen überall - und Hundekotbeutel in den Hecken

Doch nutzen diese Parkplätze offensichtlich häufig Görlitzer und Gäste der Stadt - die Kfz-Kennzeichen verraten das - , die mit ihrem Vierbeiner zum Spaziergang nach Ludwigsdorf kommen. "Dabei erklärt ein Schild unübersehbar, dass es sich hier um ein Privatgrundstück handelt", sagt die Seniorin.

Nicht nur dass viele Falschparker das Hinweisschild "übersehen", wenn sie auf ihr Fehlverhalten angesprochen werden, es werde noch diskutiert. Das ärgert Frau Jacob. Was sie ebenfalls ärgert, sind die Tretminen, die die Vierbeiner hinterlassen - auf dem Wanderweg, an dessen Rändern und sogar im Carport.

Die Ludwigsdorferin Kerstin Hildebrand kann den Ärger von Frau Jacob gut verstehen, denn auch sie ist frustriert, dass ihr Dorf offenbar zum Hundeklo für Görlitzer Vierbeiner verkommt. Im "Ludwigsdorfer Dorfblättel" machte sie sich kürzlich Luft darüber. Im Gespräch mit der SZ berichtet sie von weiterem Ärger. "Nicht nur die Hundekothaufen stören mich."

Denn es nimmt zu, dass Hundehalter zwar den Hundekot in einem Beutel einsammeln, "aber dann fliegt der Beutel in Sträucher und Hecken und bleibt dort liegen", berichtet sie. Auf ihrem Grundstück ist Baumaterial gelagert. Dort findet die Familie regelmäßig Kotbeutel, die dort wie ein Osternest versteckt wurden. "Offenbar ist es den Hundehaltern zu schwer oder unangenehm, den Beutel auf dem Spaziergang mitzunehmen und zu Hause zu entsorgen", vermutet Frau Hildebrand. Manchen Hundehaltern sei nichts "heilig". "Sogar von unserem mit Blumen dekorierten alten Fahrrad musste ich schon einen Riesenhaufen wegräumen", erzählt die Ludwigsdorferin.

Hunde toben gern auch einmal unangeleint herum. Außer im Innen- und Altstadtgebiet von Görlitz besteht kein Leinenzwang für Hunde.
Hunde toben gern auch einmal unangeleint herum. Außer im Innen- und Altstadtgebiet von Görlitz besteht kein Leinenzwang für Hunde. © Florian Schuh/dpa-tmn

Wenn mit dem Hund der Jagdtrieb durchgeht

Ein weiteres Problem haben die beiden Ludwigsdorfer Frauen: den Freilauf der Hunde. Zwar besteht auf dem Wanderweg in Ludwigsdorf kein Leinenzwang für Vierbeiner, aber vor allem bei großen Hunden sorgt sich Frau Jacob um die Sicherheit vor allem von Spaziergängern mit kleinen Kindern. Sie nutzt mit ihren drei- und sechsjährigen Enkeln mit gemischten Gefühlen den Wanderweg. "Nicht jeder Hundehalter hat seinen treuen Freund fest unter Kontrolle", sagt sie aus Erfahrung. Erst in der Vorwoche sah sie zum wiederholten Mal, wie ein Hund drei Rehe durchs Gelände trieb. Offenbar war mit dem Hund der Jagdtrieb durchgegangen.

Beide Frauen richten den Appell an die Hundeführer, mehr Respekt vor fremdem Eigentum und einer schönen Natur zu zeigen und Verantwortung für das Verhalten des Hundes zu übernehmen. Das sieht auch der Ortsvorsteher von Ludwigsdorf und Ober Neundorf, Karsten Günther-Töpert, so. "Die Görlitzer Polizeiverordnung sieht keine Leinenpflicht in den Bereichen am Wanderweg vor, was ich auch richtig finde", sagt er, "denn die Tiere müssen auch mal frei laufen. Aber es muss verantwortungsvoll sein."

Auch zum Hundekot gibt es eine klare Vorgabe in der Polizeiverordnung. Die besagt, dass der Halter oder Führer eines Hundes dafür zu sorgen hat, dass dieser öffentliche Flächen oder fremde Grundstücke nicht verunreinigt. Dennoch entstandene Verunreinigungen sind unverzüglich zu beseitigen.

Idyllisch an der Neiße gelegen bietet Ludwigsdorf viele Wege zum Radeln und Spazierengehen.
Idyllisch an der Neiße gelegen bietet Ludwigsdorf viele Wege zum Radeln und Spazierengehen. © nikolaischmidt.de

Hundekot als Infektionsquelle

Diese Verunreinigungen sind nicht nur ein unschöner Anblick, sie beeinträchtigen die Wohn- und Lebensqualität. Und sie sind eine Infektionsquelle. Denn Hundekot enthält häufig Parasiten. Hunde können sich untereinander infizieren, ihr Kot ist aber auch für Menschen gefährlich, es kann zur Zoonose kommen. Das sind von Tier zu Mensch und von Mensch zu Tier übertragbare Infektionskrankheiten, die bei Wirbeltieren vorkommen. Auch das Coronavirus, das derzeit die Welt in einer Pandemie gefangen hält, ist vermutlich durch Zoonose auf den Menschen übertragen worden.

Selbst nach der Verwitterung des Kots können die Eier von Parasiten im Erdboden mehrere Jahre lebensfähig bleiben. Dadurch besteht in Grünanlagen für Menschen ein verstecktes Infektionsrisiko. Naturgemäß sind Kinder hiervon im besonderen Maße betroffen. Hundekot kann unbemerkt an Sohlen in Wohn- und Arbeitsbereiche getragen werden. Das und mehr ist auf einem Merkblatt, das die Stadt Görlitz für Hundehalter herausgab, nachzulesen.

Jedes Jahr etwa 250 Tonnen Hundekot in Görlitz

Genau 2.399 Hunde sind derzeit im Görlitzer Rathaus für die Stadt und ihre Ortsteile angemeldet. Diese verursachen täglich zwischen 600 und 700 Kilogramm Kot. Im Jahr sind das in etwa 250 Tonnen. Durch Kontrollen und Hinweise aus der Bevölkerung werden immer Hundehalter festgestellt, die ihren Hund noch nicht angemeldet haben. Konkrete Angaben oder Schätzungen zu einer Dunkelziffer gibt es aber nicht, sagt Stadtsprecherin Sylvia Otto auf Nachfrage.

Helga Jacob, Kerstin Hildebrand und Karsten Günther-Töpert hoffen, dass dieser Beitrag einmal mehr als Appell verstanden wird, Ludwigsdorf auch mit Hund zu besuchen, den Hundekot aber bitte wieder mitzunehmen. Helga Jacob denkt zudem darüber nach, Falschparker aus ihrem Carport doch einmal abschleppen zu lassen. Bisher hat sie das noch nicht veranlasst.

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