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Im August ist Drehstart im Kaufhaus

Lange war die Serie "Torstraße 1" in Görlitz angekündigt. Jetzt beginnen bald die Dreharbeiten. Eine große Frage ist aber noch offen.

Henrik Greisner, Alexander Kratzsch, Octavian Ursu, Moderatorin Peggy Wolter und Stefan Arndt sprachen beim Fliegenden Sommerkino über die Film-Zukunft von Görlitz.
Henrik Greisner, Alexander Kratzsch, Octavian Ursu, Moderatorin Peggy Wolter und Stefan Arndt sprachen beim Fliegenden Sommerkino über die Film-Zukunft von Görlitz. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Womöglich hat Stefan Arndt gleich noch einen Komparsen gefunden: Alexander Kratzsch, Rektor der Hochschule Zittau-Görlitz, will sich die Dreharbeiten zu der Serie "Torstraße 1" zumindest auf jeden Fall ansehen. Schließlich beginnt im Wintersemester der erste Zertifikatskurs der Filmakademie, die mit an die Hochschule angeschlossen ist. Und andersrum sucht Stefan Arndt noch Komparsen für "Torstraße 1".

Am Dienstagabend zum Sommerkino auf dem Postplatz erzählten der X-Filme-Produzent Stefan Arndt, Hochschul-Rektor Alexander Kratzsch, die Görlitzer Filmbeauftragte Kerstin Gosewisch und der Location-Manager Henrik Greisner von ihren Vorhaben.

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Drehstart in rund zwei Wochen

Filmproduzent Stefan Arndt gab auf dem Postplatz Einblick in die Pläne für die Serie "Torstraße 1"
Filmproduzent Stefan Arndt gab auf dem Postplatz Einblick in die Pläne für die Serie "Torstraße 1" © Paul Glaser/glaserfotografie.de

In den vergangenen Monaten war manchmal bereits Betrieb im Jugendstilkaufhaus von Görlitz, um es vorzubereiten auf die Dreharbeiten zu "Torstraße 1". Mitte August werden diese starten. Produzent ist Stefan Arndt, einer der Gründer der Produktionsfirma X-Filme. Görlitz kennt er unter anderem von den Dreharbeiten zu "Jeder stirbt für sich allein" mit Schauspielerin Emma Thompson. Der Film wurde zu größeren Teilen 2015 in Görlitz gedreht. "Das war eine super Erfahrung", so Stefan Arndt am Dienstag. "Torstraße 1" beruht auf dem Roman von Sybil Volks und dreht sich um die Geschichte eines Paares und zweier Familien über mehrere Jahrzehnte hinweg. Die Geschichte ist verbunden mit einem Kaufhaus, eigentlich dem einstigen Kaufhaus Jonaß und heutigen Soho-Haus in Berlin. "Man kann das auch im Studio erzeugen", so Stefan Arndt, "aber nicht so perfekt."

Dreharbeiten dauern etwa zwei Monate

Etwa zwei Monate lang soll in Görlitz gedreht werden, erzählt Stefan Arndt, "das ist für ein solches Projekt extrem lange." Ob auch die Görlitzer Brauerei zu den Drehorten gehört, konnte Arndt ad hoc nicht bestätigen, aber, dass an mehreren Görlitzer Orten gedreht wird, auch im öffentlichen Raum, "in Geschäften, auf Straßen, aber auch in Wohnungen." Neben Görlitz wird auch in Berlin gedreht. Ausgestrahlt werden soll die erste Staffel im Herbst 2022. Auftraggeber ist der Streamingdienst TV Now der RTL-Gruppe. Ob weitere Staffeln folgen werden - das ist das Ziel, so Stefan Arndt, "aber man weiß es vorher nie." Film, erklärt er, ist letztlich eine Industrie, "es muss also auch funktionieren. Aber zu erzählen hätten wir auf jeden Fall genug". Außerdem sei gerade ein kontinuierliches Drehgeschehen ein Ziel für Görlitz.

Schauspieler werden Mitte August bekannt gegeben

Nach der Gesprächsrunde ging es weiter mit dem Film "Fabian", der großteils in Görlitz gedreht wurde und dieses Jahr zur Berlinale startete.
Nach der Gesprächsrunde ging es weiter mit dem Film "Fabian", der großteils in Görlitz gedreht wurde und dieses Jahr zur Berlinale startete. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Fest steht, dass Sherry Hormann Regie führen wird. Sie zeichnet als Regisseurin beispielsweise für den 2009 erschienenen Film "Wüstenblume" verantwortlich. Das Drehbuch kommt von Conny Lubek. Auch das Ensemble stehe größtenteils fest, erzählt Arndt. Die Frage, welchen Schauspielern man womöglich bald in Görlitz über den Weg läuft, bleibt aber noch offen. Das wird zu Drehstart bekannt gegeben. Gesucht werden noch Komparsen. "Wir brauchen sehr viele Komparsen für dieses Projekt, etwa 1.400", sagt Stefan Arndt. Bisher gefunden sind etwa 200. Bewerben kann man sich nach wie vor über die Agentur Filmgesichter.

Weitere Seminare zu Filmberufen

Sich selber für Görliwood einzubringen, dazu rief Henrik Greisner auf. Als Location Manager ist er international für Film-Drehorte im weitesten Sinne zuständig. Seit Februar leitet er mit der Görlitzer Filmbeauftragten Kerstin Gosewisch das Görlitzer Filmbüro, ein Projekt aus der Mitteldeutschen Medienförderung, der Stadt Görlitz und dem Freistaat Sachsen. Ziel ist, Filmschaffende, die an Görlitz als Drehort interessiert sind oder hier drehen, zu unterstützen. Eine Idee, die auch mit der Coronakrise zu tun hatte, als die Filmbranche teils komplett pausieren musste, und ansonsten unter erschwerten Bedingungen arbeitete. So machte ein Seminar zur Reinigung eines Filmsets den Anfang einer Schulungsreihe zu Filmberufen, die das Filmbüro anbietet. Es folgte eines zur Location-Suche. Im August wird ein Seminar zum Thema Kostüm angeboten, ein weiteres soll sich um die Motivgeber drehen.

Görlitzer können ihre Motive anbieten

Was auch die Görlitzer sein können: Ende August wird die Drehort-Datenbank LSD freigeschaltet. LSD steht in dem Fall für Lokale Service Datenbank. In sie können Görlitzer ihre Drehorte eintragen. Zum Beispiel, wenn sie eine besondere Wohnung oder ein besonderes Gebäude besitzen, einen Garten, historische Fahrzeuge oder andere Dinge, die als Motiv dienen könnten. Görlitz biete sichtbar Architektur aus über fünf Jahrhunderten, so Greisner. Vieles aber liegt hinter verschlossenen Türen. Vielleicht in einer besonderen Wohnung. "Es hängt aber mehr daran, als man denkt", erklärt Henrik Greisner. "Man hat vielleicht eine schöne Wohnung, man muss sich aber auch überlegen: Will ich wirklich, dass da 400 Leute durchlaufen". Oder zum Beispiel bei einer Mietwohnung sei auch zu bedenken, dass Nachbarn und Vermieter ihre Zustimmung geben müssen. Aber auch um solche Fragen vorab zu klären, gibt es die Drehort-Datenbank.

Erster Kurs der Filmakademie startet im Wintersemester

Wie viel für einen Filmdreh zu bedenken ist, wissen zum Beispiel auch Produktionsassistenten. Im ersten Zertifikatskurs der Filmakademie Görlitz wird es um diesen Beruf gehen. "Wir hatten festgestellt, dass der Fachkräftemangel dort am größten ist", erklärte Alexander Kratzsch. Die Filmakademie ist an die Hochschule Zittau-Görlitz angeschlossen. Der erste Kurs zum Produktionsassistenten wird im Wintersemester starten. Neun Monate dauert er, ein Drittel der Zeit wird Theorie sein, für zwei Drittel soll es in die Praxis gehen.

Zwei stellen für Filmakademie

Beim Neujahrsempfang der Stadt Görlitz 2020 hatte Stefan Arndt die Idee einer Filmakademie erstmals vorgestellt. Ziel ist es, dem Fachkräftemangel in der Branche gegenzusteuern. Über mehrere Monate wurde in Workshops mit Filmschaffenden aus verschiedenen Bereichen an einem Konzept für die Filmakademie gearbeitet, erzählt Alexander Kratzsch. Zum Beispiel zu der Frage, welchen Bedarf die Filmbranche konkret hat. Um das Konzept fertigzustellen und die Filmakademie zu begleiten, wurden zwei Stellen ausgeschrieben, erzählt Kratzsch.

Die Kurse richten sich an Personen, die bereits eine Berufsausbildung, ein Studium, vielleicht Berufserfahrung haben, und sich weiterbilden wollen, um in der Filmbranche arbeiten zu können - zum Beispiel im Kulissenbau, der Maske, der Beleuchtung, Requisite. Es gibt diverse Beispiele, als eines nannte Arndt am Dienstag Taxifahrer oder andere Berufskraftfahrer. Oft seien beim Film auch die Gehälter höher, "es steht wirklich Verantwortung dahinter", so Arndt. Weil an einer Aufgabe oft viele andere hängen: Im schlimmsten Fall kann ein Problem einen ganzen Drehtag schmeißen.

Film, ein Wirtschaftsfaktor für Görlitz, sagt Oberbürgermeister Octavian Ursu. "Wir sind als Filmstadt bekannt." Ziel sei es, eine gewisse Grundlast an Produktionen, ein kontinuierliches Drehgeschehen zu schaffen. Das Filmbüro, der Seriendreh, die Filmakademie - "das ist ein Schwung für Görlitz selbst, der auch nach außen wirkt." Darauf hofft auch Alexander Kratzsch. Dass etwa die Filmakademie auch bei anderen potenziellen Studenten Interesse an der Hochschule Zittau-Görlitz weckt, wenn beispielsweise Elektrotechnik- oder Informatikstudenten die Möglichkeiten haben in den Semesterferien an Produktionen mitzuwirken. Zwei Plätze pro Kurs sollen auch für Studenten der Hochschule Zittau/Görlitz sein.

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