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Im Orgeljahr zeigen Kirchen ihre Schätze

Ihre Musik ist bereits Weltkulturerbe. 2021 wird die "Königin der Instrumente" nun selbst gewürdigt. Auch Görlitz und Niesky präsentieren ihre Orgeln.

Die Orgel der Stadthalle ist die historisch bedeutendste in Görlitz, weil sie die älteste original erhaltene ist. Bei einem Orgelspaziergang im Mai soll man auch sie besuchen können.
Die Orgel der Stadthalle ist die historisch bedeutendste in Görlitz, weil sie die älteste original erhaltene ist. Bei einem Orgelspaziergang im Mai soll man auch sie besuchen können. © Jens Trenkler/Archiv

Einen Spaziergang von Orgel zu Orgel gab es bereits mehrmals in Niesky mit großem Erfolg. In diesem Jahr, das die Landesmusikräte zum "Jahr der Orgel" ausgerufen haben, soll ein solcher Spaziergang auch den Görlitzern zeigen, wie vielfältig die Orgellandschaft ihrer Stadt ist. "Wir wollen am Pfingstsonnabend möglichst alle Orgeln zeigen, die wir in Görlitz haben", sagt Kirchenmusikdirektor Reinhard Seeliger.

Die bekannten in großen Kirchen genau wie die weniger bekannten in Kapellen oder Gemeinderäumen. Die in evangelischen Kirchen genau wie die in den katholischen, der altlutherischen und den Freikirchen. "Im vergangenen Jahr war die Orgelnacht zu Pfingsten unsere erste größere Veranstaltung nach dem Lockdown", sagt Seeliger. "Deshalb hoffen wir, dass dann auch dieses Jahr wieder etwas möglich ist."

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In Niesky gab es schon mehrere Orgelspaziergänge. Hier 2018, als Kerstin-Deike Wedler an der Querflöte und Kirchenmusikdirektor Reinhard Seeliger diesen in der Kirche der Brüdergemeine Niesky eröffneten.
In Niesky gab es schon mehrere Orgelspaziergänge. Hier 2018, als Kerstin-Deike Wedler an der Querflöte und Kirchenmusikdirektor Reinhard Seeliger diesen in der Kirche der Brüdergemeine Niesky eröffneten. © Rolf Ullmann/Archiv

Auch in Niesky wird der Spaziergang 2021 stattfinden. Am 28. August sollen die Orgeln der Brüdergemeine, der Neuapostolischen Kirche, der Christuskirche und der Katholischen Kirche St. Joseph für jeweils eine gute halbe Stunde erklingen. "Auch wir hoffen, dass im Sommer wieder Konzerte möglich sind", sagt die Nieskyer Regionalkantorin Theresa Haupt.

Orgelband im Kirchenkreis

Für den Kirchenkreis gibt es ebenfalls Pläne. Die Landeskirche veranstaltet das ganze Jahr über das "Orgelband". In 365 Konzerten an 365 Tagen sollen Orgeln in Berlin, Brandenburg und der schlesischen Oberlausitz durch das symbolische Band verbunden werden.

Im Mai findet es im Görlitzer Kirchenkreis statt, mit Orgelpunkten in der Peterskirche, mit dem Eröffnungskonzert des Oberlausitzer Orgelsommers am 1. Mai in Reichenbach, mit einem Konzert in Weißwasser, einem in der Görlitzer Hoffnungskirche und einem in der Frauenkirche oder der ehemaligen Kirchenmusikhochschule auf der Langenstraße.

Ende 2019 wurde die generalüberholte Orgel in der ehemaligen Hochschule für Kirchenmusik eingeweiht. Auch im Jahr der Orgel wird Ulrike Scheytt (Mitte hinten) sie wieder zum Klingen bringen.
Ende 2019 wurde die generalüberholte Orgel in der ehemaligen Hochschule für Kirchenmusik eingeweiht. Auch im Jahr der Orgel wird Ulrike Scheytt (Mitte hinten) sie wieder zum Klingen bringen. © Nikolai Schmidt/Archiv

Diese vier Konzerte wird Ulrike Scheytt geben, teilweise zusammen mit anderen Musikern. Die Kreiskantorin hat aber noch andere Ideen für dieses Jahr. "Mir liegt die musikalische Bildung von Kindern sehr am Herzen", sagt sie. So würde sie gern Schüler zum Komponieren für die Orgel ermuntern und ihnen damit dieses große Instrument nahebringen. Oder den "Karneval der Tiere" von Camille Saint-Saëns mit Kindern einstudieren, der 2021 seinen 100. Todestag hat. Fest steht aber nichts.

Orgel von St. Jakobus erst im Advent wieder zu erleben

Diözesankirchenmusikdirektor Thomas Seyda, Domkantor der katholischen St.-Jakobus-Kathedrale, bedauert, dass "seine Orgel" ausgerechnet im Jahr der Orgel nicht zur Verfügung steht, denn St. Jakobus ist wegen der Sanierung noch geschlossen. "Die Kathedrale soll erst in der Adventszeit wieder öffnen", sagt er. Deshalb steht in seiner Planung für St. Jakobus bisher nur das Silvesterkonzert fest.

Thomas Seyda an der Orgel der St.-Jakobus-Kathedrale.
Thomas Seyda an der Orgel der St.-Jakobus-Kathedrale. © Raphael Schmidt/Bistum Görlitz

Dass in diesem Jahr die Orgel so eine große Bedeutung bekommt, begrüßt auch er sehr. Sonst werde sie eher bei runden Geburts- oder Todestagen bedeutender Komponisten gewürdigt oder zuletzt 2017, als die Orgelmusik zum immateriellen Unesco-Weltkulturerbe erhoben wurde. Dass dem Instrument nun ein ganzes Jahr gewidmet wird, gebe Gelegenheit, die vielen Orgeln zu zeigen, die Görlitz hat. "Denn wir sind hier wirklich gut ausgestattet."

Die historisch bedeutendste Orgel der Stadt ist die Sauer-Orgel in der Stadthalle, weil sie noch so erhalten ist, wie sie 1910 erbaut wurde. Die Sonnenorgel in der Peterskirche sei natürlich etwas ganz Besonderes, aber nicht historisch. "Die drittgrößte ist dann schon die in St. Jakobus", sagt Seyda. "Auch die Orgel in Heilig Kreuz ist 'substanziell gut', aber wir warten auf eine Generalsanierung."

Vielfalt der Orgeln ist ein Schatz

Für Reinhard Seeliger ist das Besondere an der Görlitzer Orgellandschaft vor allem die Vielfalt. "Jede unserer großen Kirchen hat eine Orgel von einem anderen Orgelbauer, da sind wir sehr begnadet." Etwas Besonderes sei die Ladegast-Orgel in der Dreifaltigkeitskirche von 1870, die zwar mehrmals umgebaut wurde und nicht mehr gut klinge. "Aber hier würde es sich lohnen, über eine Restaurierung zur ursprünglichen Gestalt der Orgel nachzudenken, sobald klar ist, was genau aus der Kirche wird."

Eine weitere Ladegast-Orgel habe früher auch im Hospital auf der Krölstraße – heute Alten- und Pflegeheim der Arbeiterwohlfahrt – gestanden, die später in ein Görlitzer Gymnasium umzog. "Was danach aus ihr wurde, ist nicht bekannt", sagt Seeliger, "sie ist verschollen."

Die sanierte Schuster-Orgel in der Görlitzer Frauenkirche.
Die sanierte Schuster-Orgel in der Görlitzer Frauenkirche. © Pawel Sosnowski/Archiv
Die Eule-Orgel in der Evangelischen Kreuzkirche Görlitz. Die hohen sichtbaren Flöten stammen von der früheren Sauer-Orgel, sind aber nur Attrappe.
Die Eule-Orgel in der Evangelischen Kreuzkirche Görlitz. Die hohen sichtbaren Flöten stammen von der früheren Sauer-Orgel, sind aber nur Attrappe. © viveart.de
Orgel in der evangelischen Kirche in Reichenbach.
Orgel in der evangelischen Kirche in Reichenbach. © Pawel Sosnowski/Archiv
Die Sonnenorgel in der Görlitzer Peterskirche, ein Touristenmagnet.
Die Sonnenorgel in der Görlitzer Peterskirche, ein Touristenmagnet. © Nikolai Schmidt/Archiv
Unikat in Friedersdorf: Die sanierte einzige erhaltene Orgel der Firma Arnold und Augustin.
Unikat in Friedersdorf: Die sanierte einzige erhaltene Orgel der Firma Arnold und Augustin. © Nikolai Schmidt/Archiv

Die Vielfalt der Orgellandschaft setzt sich im Umland fort, das wie Görlitz vom Krieg verschont wurde und deshalb noch viele historische Orgeln hat, auch wenn der Klang nicht immer überzeuge. "Oft ist der Zustand der Orgeln dem Engagement der Gemeinden zu verdanken", sagt Seeliger. Ein Beispiel sei die wunderbar sanierte Orgel der Friedersdorfer Kirche, die einzige erhaltene der Firma Arnold und Augustin.

Was Niesky mit Namibia verbindet

Eine Besonderheit sei die Orgel der Kirche der Brüdergemeine auf dem Nieskyer Zinzendorfplatz, erbaut von der dänischen Firma Marcussen, die auch in Namibia Aufträge hatte. "So kommt es, dass in Namibia viele Orgeln aussehen wie die in Niesky", sagt Seeliger.

Auch jenseits der Neiße findet man vor allem in evangelischen Kirchen Orgeln im Originalzustand, weil Polen nur für Orgeln in katholischen Kirchen Geld ausgab. Für die Sanierung einer Orgel in Lauban, der einzigen Orgel des Görlitzer Orgelbauers Hermann Eichler von 1888, gibt Seeligers Kammerchor immer wieder Benefizkonzerte.

Ein Schatz an Orgeln ist aber nichts ohne Organisten. Daran mangelt es besonders im Umland. Ulrike Scheytt hat zwar viele Orgelschüler und ist stolz, dass mittlerweile schon die Kinder mancher ihrer Schüler in Gottesdiensten spielen. "Aber es reicht nicht", sagt die Kreiskantorin. Auch Thomas Seyda sagt, es sei nicht immer leicht, für alle Gottesdienste musikalische Begleitung zu finden.

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Und Reinhard Seeliger erinnert sich noch an die 1980er, als jede einzelne Kirche ihren eigenen Kirchmusiker hatte. Zum Glück kenne er genügend Organisten, die auf Honorarbasis bereit sind, die Königin der Instrumente im Gottesdienst erklingen zu lassen.

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