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Abrisspläne: Stöcker erntet Zustimmung und Kritik

Der Görlitzer Kaufhaus-Investor hat einen Abrissantrag für zwei Villen gestellt. Die SZ sammelte Reaktionen - sie sind sehr vielfältig.

So soll der Neubau am Postplatz aussehen, für den die beiden Stadtvillen weichen sollen.
So soll der Neubau am Postplatz aussehen, für den die beiden Stadtvillen weichen sollen. © Winfried Stöcker

Von seinem Haus hat Oliver Bugglé die Villen Postplatz 5 und 6 ständig im Blick: Er ist Geschäftsführer des „Via’s Appartements und Ferienwohnungen“ am Postplatz 7. „Auch unsere Gäste fragen immer mal nach den beiden Villen, die so schön dastehen“, sagt Bugglé. Dann sagt er ihnen, was er weiß: Kaufhaus-Investor Winfried Stöcker hat sie gekauft, um sie abzureißen für ein größeres Parkhaus sowie eine breitere Zu- und Abfahrt für Lieferfahrzeuge für Kaufhaus und City-Center. Kürzlich hat er den Abrissantrag gestellt.

Oliver Bugglé ist Geschäftsführer des „Via’s Appartements und Ferienwohnungen“ am Postplatz 7.
Oliver Bugglé ist Geschäftsführer des „Via’s Appartements und Ferienwohnungen“ am Postplatz 7. © Pawel Sosnowski/80studio.net

Wie er das findet? Bugglé ist hin- und hergerissen. „Eine Belebung der Innenstadt finden wir gut“, sagt er. Doch andererseits wünscht er sich, dass eine Lösung gefunden wird, bei der die Villen nicht abgerissen werden. „Sie gehören zum Stadtbild“, sagt Bugglé: „Sie stehen zurückgesetzt von der Straße und bilden auch eine Erholung fürs Auge.“ Deshalb würde er es begrüßen, wenn sie erhalten blieben.

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Mit Bannern kämpften die damaligen Bewohner der Villa Postplatz 6 im Herbst gegen den Abriss.
Mit Bannern kämpften die damaligen Bewohner der Villa Postplatz 6 im Herbst gegen den Abriss. © Nikolai Schmidt

Aktionsring: Kaufhaus ist wichtig

Mit seiner abwägenden Haltung steht er nicht allein. Unter denen, die die SZ in dieser Woche befragt hat, gibt es Menschen, die voll hinter Stöckers Plänen stehen, andere, die diese ablehnen, und solche, die eher hin- und hergerissen sind. Frank Reimann vom Aktionsring Handel gehört zu letzteren. „Eine Revitalisierung des Kaufhauses muss gelingen“, sagt er. Dafür seien manchmal auch Dinge nötig, „von denen wir Händler weniger Ahnung haben als der Investor.“ Aber andererseits ist es Reimann wichtig, dass der jetzige Einzelhandel, etwa in der Berliner Straße, nicht am Ende dadurch ausgedünnt wird, dass die bestehenden Läden ins Kaufhaus umziehen. Zudem will Stöcker im Parterre des großen Parkhauses weitere Läden bauen. Hier hat Reimann Zweifel, ob diese förderlich sind. Und er sagt auch: „Ob der Villen-Abriss für Stöckers Pläne wirklich nötig sind, entzieht sich unserer Kenntnis, denn wir kennen die Baupläne nicht.“

Frank Reimann leitet den Aktionsring Handel.
Frank Reimann leitet den Aktionsring Handel. © Pawel Sosnowski/80studio.net

Genaue Pläne sind nicht bekannt

Letzteres bestätigt auch Thomas Heid von der Firma Heid + Partner, die unter anderem die Straßburg-Passage betreibt: „Ich kenne den Lageplan nicht. Da ist es schwer, einzuschätzen, ob man das Parkhaus nicht auch nach hinten verlängern kann. Für eine genaue Beurteilung sollte man da schon wirklich alle Fakten kennen.“ Was er aber mit Sicherheit sagen kann: „Parkplätze sind für den Handel unerlässlich, sicher auch noch nach Corona.“ Bis der Bedarf durch die Verkehrswende spürbar zurückgeht, werde es hier im ländlichen Raum sicher noch zehn Jahre dauern.

Pfarrer Matthias Paul, der mit der Frauenkirche ebenfalls „Anlieger“ am Postplatz ist, glaubt auch nicht an eine sofortige Verkehrswende: „Wenn der Trend zu E-Autos geht, sind das trotzdem Autos, die Parkplätze benötigen.“ Letztlich ist aber auch er hin- und hergerissen. „Man muss in beide Richtungen denken dürfen“, sagt er: „Sowohl die Innenstadtbelebung als auch der Denkmalwert der Villen sind wichtig.“ Vielleicht gehe am Ende ja sogar beides zusammen, hofft der Pfarrer.

Parkplätze werden gebraucht

Regine Büttner ist die Inhaberin des Geschäftes „Görlitzer Fass“.
Regine Büttner ist die Inhaberin des Geschäftes „Görlitzer Fass“. © Gabriela Lachnit

Regine Büttner vom Görlitzer Fass am Marienplatz stellt sich hingegen klar hinter Stöcker: „Es ist wichtig, dass das Kaufhaus kommt.“ Parkplätze werden in jedem Fall gebraucht: „Da bin ich dafür, dass die Villen weichen.“ Ihrer Meinung nach sollte das alles so schnell wie möglich passieren.

Ähnlich sieht es Rainer Müller vom Aktionskreis für Görlitz: „Die Bedeutung des Kaufhauses ist für die Stadt ungleich höher als der Wert der Villen.“ Es sei sicher schade um diese Originale, aber in diesem Falle sei das zweitrangig: „Es geht um eine rationale Belieferung des Kaufhauses, das ist wichtig.“ Zudem schaffe das Parkhaus die Möglichkeit, dass woanders endlich Parkplätze wegfallen, etwa am Obermarkt.

Rainer Müller leitet den Aktionskreis für Görlitz.
Rainer Müller leitet den Aktionskreis für Görlitz. © nikolaischmidt.de

Denkmalschutz sollte für alle gelten

Unter Görlitzer Touristikern hingegen gehen die Meinungen auseinander. Christoph Brixner vom Touristbüro i-vent sieht den Abriss sehr kritisch: „Jeder andere Hausbesitzer bekommt strenge Auflagen vom Denkmalschutz und muss deshalb sehr viel Geld investieren.“ Das beiße sich mit dem Abriss der Villen. Er sei für Gleichbehandlung: „Die strengen Regeln sollten für alle gelten.“ Die Denkmale seien schließlich das, was Görlitz von anderen Städten unterscheidet und wofür Touristen herkommen. Auch einen Bedarf nach weiteren Parkplätzen sieht Brixner nicht: „Verkehrskonzepte gehen heute ja eher dahin, den Verkehr aus den Innenstädten herauszubekommen.“

Gunnar Buchwald betreibt das Hotel "Zum Hothertor".
Gunnar Buchwald betreibt das Hotel "Zum Hothertor". © nikolaischmidt.de

Hotelier und Stadtführer Gunnar Buchwald hingegen findet, dass das Kaufhaus mit Stöcker die einzige Chance ist, die sich an dieser Stelle auftut: „Da muss man in den sauren Apfel beißen und die Villen abreißen.“ Für Touristen seien diese beiden Gebäude ohnehin nicht schön anzusehen. Der von Stöcker vorlegte Fassadenentwurf sei allerdings grottenhässlich: „Da kann man nur hoffen, dass es da noch eine Änderung gibt.“ Das findet auch Oliver Bugglé. „Sollten die Villen tatsächlich abgerissen werden“, sagt er, „dann hoffe ich wirklich, dass diese moderne Fassade nicht zur Umsetzung kommt.“ Stattdessen wäre der Denkmalschutz gefragt, eine Lösung zu finden, die sich in das Umfeld einfügt.

Podiumsdiskussion im Internet

Am Dienstag, 19 Uhr, gibt es eine Podiumsdiskussion zum „Kaufhaus der Oberlausitz“ mit Bürgermeister Michael Wieler und Experten aus Denkmalpflege und Stadtplanung. Sie wird live ins Internet übertragen.

Das ist der Link zur Podiumsdiskussion.

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