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Dieses Haus in der Görlitzer Konsulstraße soll weg

Kommwohnen plant einen Abriss. Um anschließend einen der größten Innenhöfe der Innenstadt neu zu gestalten.

Die Konsulstraße 19 (Mitte) soll abgerissen werden. Vorder- und Hinterhaus der Nummer 20 (rechts) könnten dann ein bisschen breiter werden.
Die Konsulstraße 19 (Mitte) soll abgerissen werden. Vorder- und Hinterhaus der Nummer 20 (rechts) könnten dann ein bisschen breiter werden. © Martin Schneider

Die Erdgeschoss-Fassade in schweinchenrosa und unterbrochen von zwei riesigen Tordurchfahrten, der Rest des Hauses mit Rissen, blätterndem Putz und teils vernagelten Fenstern, der Hinterhof eher eine Straße als ein Garten: So präsentiert sich das von der Straße deutlich eingerückte Haus Konsulstraße 19 in Görlitz. Keine Frage: Attraktiv ist anders.

Von hinten sieht man das Dilemma des Hauses deutlich: Es gibt zwei große Durchfahrten, aber keinen schönen Garten.
Von hinten sieht man das Dilemma des Hauses deutlich: Es gibt zwei große Durchfahrten, aber keinen schönen Garten. © Martin Schneider

„Selbst wenn wir es sanieren würden, fänden wir dafür in Görlitz keine Mieter“, sagt Arne Myckert, Geschäftsführer der städtischen Tochtergesellschaft Kommwohnen, der das Gebäude gehört. Mögliche Balkone würden direkt über der Durchfahrt thronen. Hinzu kommt: Wäre das Haus weg, ließe sich ein schöner, offener Zugang zum Molkereiquartier schaffen, das sich hinter dem Haus befindet. Es ist eines der größten Hofquartiere der ganzen Innenstadt. Aus diesen zwei Gründen will Myckert das Gebäude abreißen.

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Was ihm dabei zu Hilfe kommt: Das Haus steht nicht unter Denkmalschutz. Andererseits gibt es aber das Neuordnungskonzept „Innenstadt Ost/Brückenpark“. Dort war „Instandsetzung“ als Ziel für dieses Gebäude festgehalten. Doch mit einem einstimmigen Beschluss haben die Stadträte im Technischen Ausschuss nun zusätzlich auch die Option „Abbruch“ in das Konzept aufgenommen. „Diese Option kommt nur in Betracht, wenn sie mit einer vollständigen oder teilweisen Wiederbebauung des Grundstücks an gleicher Stelle unter der Maßgabe der auch künftig gesicherten Erschließung des Inneren des Quartiers verbunden ist“, heißt es in dem Beschluss.

Arne Myckert, Geschäftsführer von Kommwohnen, will ein Haus in der Konsulstraße abreißen.
Arne Myckert, Geschäftsführer von Kommwohnen, will ein Haus in der Konsulstraße abreißen. © Foto: Kommwohnen / Jenny Thümmler

Das bedeutet also nicht, dass Kommwohnen nun sofort abreißen darf, erklärt Hartmut Wilke vom Amt für Stadtentwicklung. „Wenn die Nummer 19 weg wäre, bliebe bei der Nummer 18 und Hinterhaus 20 jeweils eine nackte Brandwand zurück“, sagt er. Das Vorderhaus 20 hat schon jetzt eine solche. Drei nackte Brandwände wären für Wilke aber zu viel: „Das halten wir städtebaulich nicht für vertretbar.“

Stattdessen brauche es eine ergänzende Bebauung. Was er sich vorstellen könnte, wäre ein neuer Gebäudeabschluss an beiden Giebeln der 20, also Vorder- und Hinterhaus: „Das könnte ein Außenaufzug sein, vielleicht noch etwas dazu, zum Beispiel Balkone oder Loggien“, so Wilke.

Architekt Frank-Ernest Nitzsche ist Eigentümer des Nachbargrundstücks Konsulstraße 20.
Architekt Frank-Ernest Nitzsche ist Eigentümer des Nachbargrundstücks Konsulstraße 20. © Nikolai Schmidt

Die 20 gehört aber nicht Kommwohnen, sondern dem Architekten Frank-Ernest Nitzsche, der selbst im Vorderhaus wohnt. Er sieht die Situation als Chance: „Aufzüge machen meine Häuser zukunftsfähig.“ Sein Plan: Er will Kommwohnen einen Streifen Land entlang der Grundstücksgrenze abkaufen und seine Gebäude um jeweils etwa 4,50 Meter verbreitern – architektonisch ganz modern, mit Putz, Stahl und viel Glas. In beiden Anbauten will er unter anderem Aufzüge unterbringen, aber keine Giebel-Balkone, denn es handelt sich um die Nordseite. Neue Balkone soll es stattdessen hofseitig geben, gen Osten. Und er will Fenster in den Giebel einbauen: „Dann ist es keine tote Wand.“

Nitzsches Meinung nach würden alle profitieren: Das Stadtbild, weil die Ecke aufgewertet werden würde, das Molkereiquartier, weil es eine Zufahrt bekäme, die viel breiter ist als die Jetzige, und er selbst, weil sich die Funktionalität seiner beiden Häuser verbessern würde.

Kommwohnen würde Streifen verkaufen

Arne Myckert gefällt diese Lösung. Er kann sich gut vorstellen, einen Streifen an den Nachbarn zu verkaufen: „Unsere Zufahrt wäre dann immer noch breit genug.“ Vor allem fiele die jetzige Einbahnstraßensituation weg: „Es könnten dann gleichzeitig Autos in den Hinterhof ein- und ausfahren.“ Es gebe zwei Studien aus den Jahren zwischen 2003 und 2006: „Beide eint, dass sie das Haus abgerissen dargestellt haben, um das Quartier an dieser Stelle besser zu erschließen.“ Das sei also gar nicht seine Idee, sondern schon länger vorgeschlagen.

Momentan besteht der Hof aus befestigten und unbefestigten Parkplätzen, aber auch Brachland. Myckert hat durchaus Ideen und Pläne, wie der Hinterhof gestaltet werden könnte. Doch noch sind diese nicht so weit, dass er darüber sprechen möchte. Fakt ist: Es sind tausende Quadratmeter, die ihm hier gehören. „Wir haben die Konsulstraße 19 vor einigen Jahren nicht wegen des Vorderhauses gekauft, sondern wegen der Hofgrundstücke“, sagt er. Kommwohnen habe zu wenige innerstädtische Parkplätze für die eigenen Mieter gehabt. Das hat sich durch den Kauf verbessert.

Ein- und Zweifamilienhäuser sind denkbar

Amtsleiter Wilke indes sagt, dass als Ziel für den Hof Grün- und Spielflächen oder auch Ein- und Zweifamilienhäuser vorgesehen sind: „Vielleicht lässt sich auch beides kombinieren.“ Allerdings ist das das Ziel der Stadt. Ob es Kommwohnen ähnlich sieht, will Myckert aktuell noch nicht verraten. „Ich hoffe, dass es im Laufe des Jahres spruchreif wird“, sagt er. Auch für den Abriss des Vorderhauses gibt es aktuell weder Genehmigungen noch Zeitpläne. Doch Myckert hofft, dass es schnell geht.

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