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Eigentümer rettet Görlitzer Altstadthaus

Am Obermarkt 33 drohte der Dachstuhl einzustürzen. Er wird nun ersetzt. Doch die Nutzung des Gebäudes ist schwierig.

Jens Hoffmann von der gleichnamigen Görlitzer Immobilienverwaltung schaut sich auf der Baustelle Obermarkt 33 um.
Jens Hoffmann von der gleichnamigen Görlitzer Immobilienverwaltung schaut sich auf der Baustelle Obermarkt 33 um. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Von außen sah man dem Gebäude bis zuletzt nicht viel an. Die Fassade ist zum Großteil in Ordnung, mit ihrem orangeroten Farbton fügt sie sich gut ins Bild der Brüderstraße in der Görlitzer Altstadt ein. Im Parterre ist seit 20 Jahren das Touristbüro i-vent ansässig. Es nutzt auch die Räume im ersten Stock als Büro – quasi Tür an Tür mit der Görlitz-Information im Nachbarhaus Obermarkt 32.

Das Bild zeigt das eingerüstete Gebäude Obermarkt 33. Vom dritten Obergeschoss ist nicht mehr viel übrig.
Das Bild zeigt das eingerüstete Gebäude Obermarkt 33. Vom dritten Obergeschoss ist nicht mehr viel übrig. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Also alles in Ordnung? Mitnichten. „Das Haus stand kurz vor der Sperrung“, sagt Jens Hoffmann von der gleichnamigen Görlitzer Immobilienverwaltung mit Sitz am Marienplatz. Er hat am 1. April vorigen Jahres die Verwaltung des Hauses übernommen – und damit ein riesiges Problem, das der frühere Verwalter offensichtlich nicht ernst nahm. Eigentümer des Hauses ist seit vielen Jahren ein Professor in Basel. „Ich vermute, dass der frühere Verwalter den Eigentümer nie über die Probleme informiert und der Professor deshalb nichts unternommen hat“, sagt Hoffmann.

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Was von der Straße aus nicht erkennbar war: „Die Dachbalken waren extrem verfault“, so Hoffmann. Folglich habe die Statik nicht mehr gestimmt. Und das, obwohl sich die Einregenstellen noch in Grenzen hielten, die unteren beiden Etagen bis heute nutzbar sind. Doch zwischen dem zweiten und dritten Obergeschoss war die Decke hinüber. „Drei Deckenbalken sind noch ganz, der Rest der Decke muss ersetzt werden“, berichtet Hoffmann.

Betrieb bei i-vent läuft weiter

Mitten im Winter ist das Haus eingerüstet worden, seither ist eine Görlitzer Firma damit beschäftigt, Zwischendecke und Dachstuhl zu ersetzen. Bei i-vent läuft der Betrieb derweil im Corona-Modus weiter. „Wir sind froh, dass uns das Touristbüro als Mieter erhalten bleibt“, sagt Hoffmann. Auch Christoph Brixner von i-vent hat Grund zur Freude: „Für uns ist es gut, dass ausgerechnet im Corona-Lockdown gebaut wird.“ Jetzt kommen ohnehin keine Gäste. Nicht auszudenken, wenn die Baustelle im Sommer gekommen wäre und kein Tourist mehr das i-vent-Büro gefunden hätte.

Vor dem Sommer sollen die Bauarbeiten längst erledigt sein. „Vielleicht schon in einem Monat“, sagt Hoffmann. Doch da ist er sich nicht so ganz sicher: Es kommt einfach darauf an, wie schnell die Firma vorankommt und ob sie noch auf unerwartete Schäden oder Probleme stößt.

Ein großer Vorteil des Gebäudes ist die Aussicht von der oberen Etage. Von hier aus hat man den gesamten Obermarkt im Blick.
Ein großer Vorteil des Gebäudes ist die Aussicht von der oberen Etage. Von hier aus hat man den gesamten Obermarkt im Blick. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Bisher läuft aber alles nach Plan. Es gab auch keine besonderen Befunde, die für den Denkmalschutz spannend gewesen wären. Nach dem, was Hoffmann in Erfahrung gebracht hat, wurde das Haus wohl zwischen 1400 und 1500 erstmals errichtet, später aber immer mal wieder umgebaut. „In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist es dann aufgestockt worden“, sagt er. Aber es sei immer eher ein Wohnhaus für ärmere Leute gewesen. Im Haus findet sich nichts Prunkvolles.

Im Parterre war einst eine Kupferschmiede ansässig. Dieser Hinweis findet sich im Denkmaldokument. Wegen der Erschütterungen durch die Kupferschmiede sei der Schwibbogen über die Plattnerstraße zum Eckhaus Brüderstraße 1 errichtet worden – zur Stabilisierung. Das i-vent-Haus selbst gehört offiziell gar nicht zur Brüderstraße. Es hat die Postanschrift Obermarkt 33. Für jeden Passanten wirkt es freilich als ein Teil der Brüderstraße.

So sieht es im zweiten Stock aus. Damit hier wieder jemand einziehen kann, müsste alles erneuert werden.
So sieht es im zweiten Stock aus. Damit hier wieder jemand einziehen kann, müsste alles erneuert werden. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Dass es ein Haus für ärmere Leute war, ist im Inneren bis heute unverkennbar: Es gibt viele kleine, relativ niedrige Räume, manche sogar fensterlos. Ein Hof ist nicht vorhanden, folglich auch keine Möglichkeit, um Balkone anzubauen. All das dürften Gründe sein, warum die oberen Etagen seit Jahrzehnten leer stehen. Auch jetzt ist eine Belebung erst einmal nicht geplant. „Die Nutzung ist schwierig“, sagt Hoffmann. Dazu müsste das Gebäude erst einmal kernsaniert werden. Doch darüber hat Hoffmann noch nicht mit dem Professor gesprochen. Der steckt jetzt erst einmal rund 86.000 Euro in Dach und Zwischendecke. Weiter reicht die Planung noch nicht.

Dass in dem Haus jemand wohnen möchte, kann sich Hoffmann nicht so recht vorstellen: „Ich denke, es ließe sich eher als Büro vermieten oder auch als Ausstellungsräume.“ Über eine schmale Treppe sind die Etagen verbunden. Doch die Sanierung ist eine Kosten-Nutzen-Frage: Wie teuer wäre der Umbau, welche Miete ließe sich hinterher erzielen? Erst wenn es dafür eine gute Lösung gibt, wird der Professor aktiv werden, glaubt Hoffmann.

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