merken
PLUS Görlitz

Endspurt beim Görlitzer Weinberghaus

Dieses Wochenende ist letztmalig in diesem Jahr geöffnet. Doch der Betreiber blickt schon auf 2022.

Christian Schulz steht vor dem Görlitzer Weinberghaus. Er will es wiederbeleben. Die sechs großen Palmenkübel hat er aus Berlin mitgebracht.
Christian Schulz steht vor dem Görlitzer Weinberghaus. Er will es wiederbeleben. Die sechs großen Palmenkübel hat er aus Berlin mitgebracht. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Wetter oft dürftig, Besucherandrang trotzdem großartig: So bringt Christian Schulz die vergangenen drei Wochenenden auf den Punkt. Es waren die drei, an denen der Berliner ein Experiment startete: Er hat einen Biergarten am Görlitzer Weinberghaus eröffnet, die Menschen zu Bier, Kaffee und Kuchen, aber auch zu Tanztee und Theaterstücken eingeladen.

Vieles davon hat funktioniert. Vor allem kamen die Görlitzer. Und sie haben Schulz Mut gemacht. „Ich habe bei gefühlt 250 Gesprächen keinen einzigen unfreundlichen Menschen getroffen“, sagt er. Fast alle hätten ihm gesagt, dass das Weinberghaus unbedingt zu Görlitz gehört und dass sie viele Erinnerungen mit dem Gebäude verbinden. „Das Haus hat viele positive Emotionen geweckt“, sagt der 51-Jährige.

Anzeige
Berufsakademie Sachsen wird 30
Berufsakademie Sachsen wird 30

Die Staatliche Studienakademie Bautzen ist eine von sieben Einrichtungen der Berufsakademie. In Bautzen wird noch 70 Jahre Ingenieurstudium gefeiert.

Der neue Biergarten am Weinberghaus wurde von den Görlitzern vom ersten Tag an gut angenommen.
Der neue Biergarten am Weinberghaus wurde von den Görlitzern vom ersten Tag an gut angenommen. © Martin Schneider

Doch nicht alles gelang. Bei den Theaterabenden waren nicht genug Gäste da. „Das lag wohl vor allem am Wetter“, sagt er. Teilweise habe es geregnet. Wenn nicht, so war es zumindest kühl. Doch das entmutigt ihn nicht. Ebenfalls nicht so gut: Für Schulz war der Betrieb ein großes Zuschussgeschäft, das nur möglich ist, weil er in Berlin Geld erwirtschaftet. In Görlitz macht er aktuell nur minus, weil die Infrastruktur am Weinberghaus noch nicht da ist. Medien liegen noch nicht an, vieles ist improvisiert – und Schulz bringt alles aus Berlin mit, teilweise sogar das Personal.

Die Kosten sind auch der Hauptgrund, warum er den – von vornherein auf vier Wochen befristeten – Biergartenbetrieb jetzt nicht spontan verlängert. Stattdessen wird dieses Wochenende erst einmal das Letzte sein. Jedenfalls für dieses Jahr. Und Schulz verzichtet diesmal sogar auf den Freitag, will stattdessen alles am Sonnabend und Sonntag, jeweils ab 14 Uhr, ballen.

Am Sonnabend beginnt zusätzlich um 15.30 Uhr der Tanztee, zu dem sich diesmal auch einige Tango-Paare angekündigt haben. Am Abend, ab 19 Uhr, stehen „Die Mitschuldigen“ auf dem Programm. Es spielt das Monbijou Theater nach Regie von Klaus Stephan, dem einstigen Intendanten des Gerhart-Hauptmann-Theaters Zittau. Schulz hofft auf gutes Wetter, sodass am Wochenende noch einmal viele Görlitzer zum Weinberghaus strömen – allein schon, weil es die letzte Chance ist.

Und dann? Dann muss sich Schulz mit Philipp Metz zusammensetzen. Dem Bremer gehört das Haus. Beide müssen schauen, wie es weitergehen soll. Wobei Schulz ein klares Ziel formuliert. „Wir müssen es schaffen, dass das Haus seine Stabilität wiedererlangt und wieder begehbar wird.“ Er will es nicht bis ins Detail schick sanieren. Stattdessen soll es seinen alten Charme behalten – aber gleichzeitig so weit hergerichtet werden, dass es wieder nutzbar ist.

Ziel: Betrieb auch im nächsten Jahr

Schulz wünscht sich, nächstes Jahr im Sommer Kaffee, Kuchen und Biergarten anbieten zu können – und dann ab Herbst Veranstaltungen im Inneren des Gebäudes. Das zumindest ist das Ziel. „Ein Görlitzer Unternehmer hat sogar vorgeschlagen, Firmen aufzurufen, zum Selbstkostenpreis ohne großen Gewinn an der Wiederherstellung mitzuwirken“, sagt Schulz. Er überlegt, ob das tatsächlich ein Weg wäre.

Die künftige Nutzung könnte zweigeteilt werden. Auf der einen Seite könnte das Weinberghaus immer am Sonnabend als Ort zum Feiern vermietet werden – für alles, vom Geburtstag bis zur Konfirmation. Und auf der anderen Seite will Schulz es am Sonntag niemals vermieten. Der Sonntag könnte künftig der Tag sein, an dem sich alle Görlitzer regelmäßig am und im Weinberghaus treffen können – von jung bis alt. Schulz spricht von einem Gemeinschaftsort für alle.

Und Theater? Ist er resigniert, weil das jetzt nicht so gut lief? Nein, sagt Schulz. Er ist sich sicher, dass es bei besserem Wetter richtig gut laufen könnte. Die Ebene am Fuße des Hauses sei mit all ihren Überdachungen und Logen ideal dafür geeignet. Das sei quasi Theater im Wald mit Haus und Turm. Zudem sei die Fläche unterhalb des Hauses bis in die Nacht gut nutzbar, weil Berg und Haus sämtlichen Lärm abschirmen und es somit keinen Ärger mit Anwohnern gibt. Allerdings will Schulz das Ganze künftig etwas langfristiger vorbereiten – und seine Pläne mit den hiesigen Theatern gut koordinieren.

Mehr zum Thema Görlitz