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Görlitzer Club Nostromo vor dem Aus?

Der Schlachthof-Besitzer plant eine Räumungsklage. Der Verkauf des Geländes scheint gescheitert. Aus einem bestimmten Grund.

Von Ingo Kramer
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Vereinsvorsitzender Dirk Kählig räumt die Kühlschränke im Nostromo ein. Nun aber ist die Zukunft des Clubs unklar.
Vereinsvorsitzender Dirk Kählig räumt die Kühlschränke im Nostromo ein. Nun aber ist die Zukunft des Clubs unklar. © Nikolai Schmidt

Franz Josef Gausepohl hat offenbar genug. „Ein Wille zur Einigung und damit zur Rettung des Nostromo ist nachhaltig nicht erkennbar, sodass nun Räumungsklage eingereicht wurde und das Gelände stillgelegt werden soll“, lässt der geschäftsführende Gesellschafter der Landeskrone Fleisch GmbH über einen Sprecher mitteilen.

Die Firma ist Eigentümerin des alten Schlachthofgeländes an der Cottbuser Straße in Görlitz und will seit langem verkaufen. Der seit 1999 bestehende Club Nostromo ist der einzige Mieter auf dem Gelände, er zahlt eine niedrige Miete, kümmert sich aber auch um Ordnung auf dem Gelände.

Doch vor einem knappen Jahr kam es zu einem Zerwürfnis: Die Stadt erwog, das Gelände für die Errichtung eines Katastrophenschutzzentrums zu kaufen. Das Nostromo war in die städtischen Pläne nicht einbezogen worden und machte mobil gegen eine eventuelle Schließung. Gausepohl verstand das als Angriff und kündigte den Mietvertrag zum 31. Januar 2021. Das Nostromo blieb – auch, weil die Stadt einsah, dass es falsch war, das Nostromo nicht in die Pläne einzubeziehen. Immerhin ist das Gelände groß genug für Katastrophenschutzzentrum plus Nostromo. Weil Gausepohl schon damals mit einer Stilllegung des Geländes – sprich: "Zaun drum und vergammeln lassen" – drohte, wurde Bürgermeister Michael Wieler aktiv.

Er fand einen Zwischenkäufer, der das Gelände erst einmal erwerben würde, damit es die Stadt später eventuell für ein Katastrophenschutzzentrum kaufen kann – und damit das Nostromo erhalten bleibt. Der Zwischenkäufer ist bis heute nicht bekannt. Klar ist nur, dass es sich nicht um eine natürliche Person handelt. Also ist es vermutlich eine Firma oder dergleichen.

Nostromo wurde bisher geduldet

Danach begannen die Verkaufsverhandlungen zwischen Gausepohl und Stadt/Zwischenkäufer. Ersterer machte schnell klar, dass er noch in diesem Jahr zu einem Ergebnis kommen will. Die Stadt indes erreichte, dass das Nostromo erst einmal geduldet wird, Gausepohl also keine Räumung betreibt.

Nun aber sieht Gausepohl die Verkaufsverhandlungen offenbar als gescheitert an. Der Kaufpreis sollte auf Basis eines gemeinsam beauftragten unabhängigen Gutachtens hergeleitet werden, sagt Gausepohl. Aus Sicht der Stadt sei das Ergebnis des Gutachtens zu hoch. „Darauf signalisierte die Landeskrone Fleisch GmbH erneut weiteres Entgegenkommen und Verhandlungsbereitschaft, etwa durch deutlichen Nachlass auf den Kaufpreis aus dem Gutachten oder eine Überprüfung des Kaufes von unabhängiger Seite“, so Gausepohl. Auch hier bleibe die Stadt Görlitz eine lösungsorientierte Rückmeldung schuldig.

„Wir wollen bleiben“ stand bereits im Winter auf einem Schild am Club Nostromo im alten Schlachthof in Görlitz.
„Wir wollen bleiben“ stand bereits im Winter auf einem Schild am Club Nostromo im alten Schlachthof in Görlitz. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Beide Seiten nennen nur eine konkrete Summe: Das Gutachten war auf 1,9 Millionen Euro gekommen. „Davon sind noch Abriss-, Entsorgungs- und sonstige Kosten abzuziehen, dann ergibt sich der Verkehrswert“, sagt Bürgermeister Michael Wieler. Von diesem Wert aus sei Gausepohl dem möglichen Käufer noch einmal sechsstellig entgegengekommen. Übrig blieb aber immer noch eine Summe von deutlich über einer Million Euro. Nach SZ-Informationen sollen es um die 1,2 Millionen Euro gewesen sein. „Das ist immer noch ein Mehrfaches von der Summe, die das Grundstück eigentlich wert ist“, sagt Wieler.

Käufer bietet niedrigere Summe

Der mögliche Käufer hat eine weitaus niedrigere Summe angeboten, nach Informationen aus unterschiedlichen Quellen sollen es zwischen 350.000 und 450.000 Euro gewesen sein. Wieler sagt, mehr als diese Summe könne weder die Stadt noch irgendwer sonst bezahlen, denn das Grundstück liegt im Sanierungsgebiet. Dort bildet der „sanierungsrechtlich genehmigungsfähige Kaufpreis“ das obere Limit. „Mehr darf gar nicht gezahlt werden, weder durch uns noch durch irgendjemand sonst“, so Wieler. Das müsse Gausepohl verstehen.

Die Stadt wollte den Gutachterausschuss des Landkreises zur Vermittlung einschalten. Die besagten 1,9 Millionen Euro hatte nämlich ein Gutachter ermittelt, den Gausepohl ausgewählt hat. „Der Zwischenkäufer kannte diesen Gutachter nicht“, so Wieler. Damit der Gutachterausschuss aktiv werden kann, braucht es Gausepohls Zustimmung. Der aber habe sein Einverständnis nicht erteilt.

Gausepohl will schnell fertig werden

Gausepohl selbst bestätigt das: „Wir haben der Einbeziehung des Gutachterausschusses im Vorfeld nicht zugestimmt, weil es absolut üblich und normal ist, dass dies nach Kaufvertragsabschluss passiert.“ Die Einbeziehung im Vorfeld verlängere den Prozess unnötig um weitere Monate. So viel Geduld habe er nicht mehr. Wieler bestätigt, dass das normalerweise erst nach Kaufvertragsabschluss passiert. Aber dazu brauche es erst einmal zwei Seiten, die bereit sind, einen Kaufvertrag abzuschließen. Das sei hier nicht der Fall: „Herr Gausepohl hat keinen Käufer, der bereit ist, seinen Preis zu zahlen.“ Entsprechend könne er auch mit niemandem einen Kaufvertrag abschließen und diesen hinterher vom Gutachterausschuss prüfen lassen.

Die Stadt ist sich ganz sicher, dass Gausepohls Preis keiner Prüfung standhalten würde. Hintergrund: Sie hat ihm bereits einen kleinen Teil des Geländes abgekauft, um dort die neue Oberschule zu bauen. „Der Preis damals war bereits am oberen Limit und der jetzige Kaufpreis ist ein Mehrfaches davon“, so Wieler. Nach SZ-Informationen soll es das Fünffache sein.

Sollte Gausepohl mit Räumungsklage und Stilllegung des Geländes Ernst machen, hätte es sich nicht nur mit dem Nostromo erledigt, sondern auch mit den Plänen für das Katastrophenschutzzentrum. Wieler sieht aber keine Handhabe: „Wir sind nicht Herr des Verfahrens.“ Der Eigentümer könne mit seinem Grundstück tun, was er wolle. Er könnte auch einfach alles so weiter laufen lassen wie bisher, also das Nostromo weiter seine Miete zahlen lassen. Doch das will Gausepohl nicht: „Das Vertrauensverhältnis mit den Betreibern ist leider nachhaltig gestört, sodass ein weiteres Mietverhältnis ausgeschlossen ist.“ Hintergrund sei, dass die Betreiber hinter seinem Rücken massiv dafür geworben hätten, dass das Gelände nicht verkauft wird.

Das Nostromo hat nach Aussage des Vereinsvorsitzenden Dirk Kählig noch keine Räumungsklage erhalten. Deshalb wird sein Verein derzeit nicht aktiv. „Aber wir beraten uns mit unserem Anwalt, was zu tun wäre, wenn es dazu kommt“, sagt er.