merken
PLUS Görlitz

Görlitzer Stadtgut investiert Millionen

Neben dem Görlitzer Tierheim ist ein Getreidelager entstanden. Damit löst das Bio-Unternehmen ein großes und sehr altes Problem.

Johannes Dittrich vom Stadtgut Görlitz steht vor dem neuen Getreidespeicher– etwa 300 Meter entfernt von der Hühnerfarm.
Johannes Dittrich vom Stadtgut Görlitz steht vor dem neuen Getreidespeicher– etwa 300 Meter entfernt von der Hühnerfarm. © Martin Schneider

Für den Laien sind die Zahlen nur schwer vorstellbar: Rund 1.000 bis 1.400 Tonnen Getreide sind es, die das Görlitzer Stadtgut Jahr für Jahr erntet. Auf einmal aufgeschüttet aber ergäbe das einen riesigen Berg. Und mit genau diesem Berg hatte das Kunnerwitzer Bio-Landwirtschafts-Unternehmen seit vielen Jahren ein ebenso riesiges Problem: Ein gutes Lager fehlte.

Johannes Dittrich und der Geselle Hans Schröter (rechts) bereiten das Lager für die erste Nutzung vor. Hinter ihnen stehen vier große Silos für jeweils 40 Tonnen Getreide.
Johannes Dittrich und der Geselle Hans Schröter (rechts) bereiten das Lager für die erste Nutzung vor. Hinter ihnen stehen vier große Silos für jeweils 40 Tonnen Getreide. © Martin Schneider

„Klar gab es Lager“, sagt Johannes Dittrich, Bereichsleiter Ackerbau und Legehennenhaltung: „Aber das waren Betonböden in alten Scheunen, wo wir das Getreide weder reinigen noch lüften konnten.“ Dabei wurden Schädlinge zum Problem. Etwa die Hälfte des Getreides wird als Hühnerfutter genutzt, das kam mit solchen Bedingungen zurecht. Anders die sogenannte „Vermarktungsware“, also zum Beispiel Speisehafer und -weizen sowie Sonnenblumenkerne. „All das haben wir bisher in Fremdlager gebracht“, sagt Dittrich. Doch dort musste das Stadtgut Miete zahlen – und der Fahraufwand war enorm, denn in der hiesigen Region gibt es keine Lager mit Bio-Zertifizierung. „Das nächste Lohnlager steht in Halle“, sagt Dittrich. Doch eigentlich widerstrebt es einem Bio-Landwirt, so weit durch das Land zu kutschen.

Anzeige
Mitarbeiter Vertriebsinnendienst (m/w/d)
Mitarbeiter Vertriebsinnendienst (m/w/d)

Die fit GmbH sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt einen Mitarbeiter im Vertriebsinnendienst (m/w/d).

Entsprechend lange hat er das Thema schon im Hinterkopf. „Ich beschäftige mich seit 2012 mit der Planung eines neuen Lagers, mein Chef wohl noch viel länger“, sagt der Bereichsleiter. Allerdings ist das auch eine Kostenfrage. Dittrich spricht von einer Millioneninvestition. Wie viele Millionen, das sagt er lieber nicht.

Fakt ist aber: Das Unternehmen hat diese Investition jetzt getätigt. Nachdem es im Sommer 2019 den Bauantrag eingereicht hatte und Anfang März 2020 die Baugenehmigung da war, begann der Bau im Juni vorigen Jahres. Vor wenigen Tagen wurde er abgeschlossen. Was nun am Fuße des Biesnitzer Steinberges, direkt neben dem Tierheim und auch nur 300 Meter entfernt von der Hühnerfarm, entstanden ist, kann sich sehen lassen: Ein 700 Quadratmeter großer und nicht unterkellerter Speicher, in den Traktoren mit ihren Anhängern auf der einen Seite ein- und auf der anderen wieder ausfahren können.

Auf der Rückseite des neuen Getreidespeichers ist eine große Fläche asphaltiert. Die Traktoren, die hier mit Hänger in das Lager einfahren, brauchen einen solchen Radius.
Auf der Rückseite des neuen Getreidespeichers ist eine große Fläche asphaltiert. Die Traktoren, die hier mit Hänger in das Lager einfahren, brauchen einen solchen Radius. © Martin Schneider

Nachdem sie das Getreide draußen gewogen und drinnen abgekippt haben, gelangt es über Siebreiniger und verschiedene Förderbänder in fünf Flachlagerzellen und vier Silos, die allesamt mit einer Unterflurbelüftung ausgestattet sind. Die Zellen fassen jeweils 150 bis 350 Tonnen Getreide, die Silos jeweils 40 Tonnen. Also optimale Bedingungen für das Getreide? „Das kann ich im Herbst beantworten“, sagt Johannes Dittrich. Dann wird er erste Erfahrungen mit der Lagerung haben. Aber er sei optimistisch, mit dem Lager eine deutlich bessere Arbeitsqualität zu bekommen. Im Vergleich zu anderen Lagern sei es noch verhältnismäßig klein: „Aber für uns reicht es, es ist auf unsere Größe zugeschnitten.“

Demnächst kommt noch eine Futteraufbereitung in das Getreidelager, sodass das Stadtgut das Hühnerfutter selbst mischen kann: „Wir hatten sogar überlegt, eine 300 Meter lange Futterleitung zur Hühnerfarm zu bauen“, sagt er. Aus Kostengründen sei das aber verworfen worden. Doch der Standort des Speichers auf einem bisherigen stadtguteigenen Acker am Steinberg wurde tatsächlich wegen der Nähe zur Hühnerfarm ausgewählt: So muss das Futter nicht mehr weit gefahren werden, wenn es einmal eingelagert ist.

Dittrich ist froh, dass alle Vertragsabschlüsse mit den Firmen, die das Lager gebaut haben, vor der Corona-Pandemie erfolgt sind. Dadurch gab es kaum Probleme mit Kostenerhöhungen, wie sie momentan auf dem Bau üblich sind. „Aber wir hatten insgesamt fünf Monate Bauverzug“, sagt er. Grund war einerseits fehlendes Material, vor allem Holz, andererseits aber auch, dass Arbeiter zwischenzeitlich in Quarantäne waren. „Wir haben mit viel Puffer geplant – und ich bin überrascht, dass wir den komplett ausschöpfen mussten“, sagt er. Jetzt im Juli beginnt schließlich die Getreideernte. Und genau jetzt ist der Bau tatsächlich abgeschlossen.

Na ja, fast. Ein kleines Nebengebäude mit Toiletten, Sozialräumen und Garagen für die Maschinen soll noch hinzukommen. Aber das ist für den Start erst einmal noch nicht zwingend nötig. Stattdessen läuft dafür derzeit noch die Planung. „Vielleicht fangen wir im Herbst noch mit dem Bau an“, sagt Dittrich. Wahrscheinlicher sei aber, dass es erst 2022 losgeht.

Mehr zum Thema Görlitz