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Wie die Spettmanns an Görlitzer Häuser kommen

Die Immobilien-Poker-Familie Spettmann ist erst 2021 auf Görlitz gestoßen. Sie nutzt hier nicht nur Zwangsversteigerungen.

Gehört seit März einer alten Bekannten der Spettmanns: das Haus James-von-Moltke-Straße 35 in Görlitz.
Gehört seit März einer alten Bekannten der Spettmanns: das Haus James-von-Moltke-Straße 35 in Görlitz. © www.loesel-photographie.de

Görlitz. Der Mann ist perplex, als die Sächsische Zeitung ihn anruft. „Vor ein paar Tagen hat mich auch schon die Görlitzer Stadtverwaltung angerufen“, berichtet er. In beiden Fällen ging es um das Eckhaus Hohe Straße 11 in Görlitz. Das Haus gehört dem Mann. Er bittet darum, seinen Namen nicht zu veröffentlichen. Deshalb nur so viel: Er lebt im Landkreis Görlitz und steht seit 15. Januar 2019 im Grundbuch des unsanierten Eckhauses, das in keinem guten Zustand ist und kein Hofgrundstück hat.

Noch gar nicht bezahlt: das Eckgebäude Hohe Straße 11 in Görlitz.
Noch gar nicht bezahlt: das Eckgebäude Hohe Straße 11 in Görlitz. © www.loesel-photographie.de

Doch der Mann will es nicht sanieren, sondern verkaufen. Eine Weile lang hing ein entsprechendes Schild an der Fassade. Dann meldete sich Familie Spettmann aus Geldern bei ihm. Der Mann liest die Sächsische Zeitung nicht, deshalb wurde er beim Namen der Interessenten nicht stutzig.

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Karl Leo Spettmann und seine Kinder Leonardo und Anastasia sowie Spettmanns alte Bekannte Loreen Peters aus Meerane stecken hinter dem Immobilienpoker, der seit März in Görlitz läuft: Bei Zwangsversteigerungen erwerben sie für einen angeblichen Römer, der aber nicht auffindbar ist, marode Häuser, um sie anschließend so schnell wie möglich gewinnbringend weiterzuverkaufen. Bisher gelang das noch nicht: Bei einer eigenen Internet-Auktion am 15. Mai konnten sie die drei Görlitzer Häuser weiterverkaufen, die sie über Zwangsversteigerungen erworben hatten, allerdings mit einem Verlust von gut 100.000 Euro für alle drei zusammen.

Und: Ob die Internet-Käufer echt sind oder zum Spettmann-Clan gehören, ist nicht klar. Zwei der drei Häuser bietet Anastasia Spettmann mit ihrer Gelago Immobilien GmbH jetzt erneut im Internet zum Verkauf an, diesmal für weitaus höhere Summen. Ebenso unklar ist, ob die Spettmanns vorhaben, die Summen aus den Zwangsversteigerungen tatsächlich zu überweisen. Bisher haben sie nur das Preiswerteste der drei bezahlt. Für die anderen beiden läuft die Frist momentan noch.

Aber zurück zu dem Mann aus dem Landkreis. Ihm war der Name Spettmann kein Begriff, er ließ sich auf die Familie ein. „Ich habe ihnen das Haus mehr als billig verkauft“, sagt er. Die genaue Summe will er nicht nennen, aber es seien weniger als die 12.500 Euro gewesen, die Spettmann bei seiner Internet-Auktion für das Haus erhalten hat. „Ich habe die Spettmanns nur einmal kurz gesehen, nämlich vor etwa sieben oder acht Wochen beim Notar in Bautzen“, sagt der Mann. Vater und Sohn seien dagewesen, er habe sie vielleicht zehn Minuten lang gesehen und sich nichts Böses gedacht. Geld hat er bis heute noch nicht erhalten, sagt der Mann. Aber der Zahlungstermin sei auch noch nicht erreicht. Dass Karl Leo Spettmann das Haus zwischenzeitlich im Internet versteigert hat, überrascht ihn gewaltig. Da noch kein Geld geflossen ist, sei er schließlich noch der Eigentümer. Er ist nun etwas verunsichert.

Insgesamt fünf Häuser in Görlitz

Ganz anders ist die Lage bei der James-von-Moltke-Straße 35. Neben den drei Häusern aus den Zwangsversteigerungen und der Hohe Straße 11 ist es das fünfte in Görlitz, das Karl Leo Spettmann bei seiner Internet-Auktion angeboten hat. Dieses Haus gehörte seit 26. Mai 2017 einem Italiener, aber nicht dem ominösen Römer Roberto Petrucci, sondern offenbar einem, der nichts mit den Spettmanns zu tun hat. Er hat es dieses Jahr weiterverkauft.

Seit dem 3. März steht die Weißenfels Immobilien GmbH als Eigentümerin im Grundbuch. Sucht man diese Firma im Internet, findet man schnell heraus, wer die Geschäftsführerin ist: Loreen Peters. Sie tritt seit Jahren als Strohfrau für Spettmann auf, bot für ihn auch bei einer der Görlitzer Zwangsversteigerungen. Was sie für das Haus bezahlt hat, ist unklar. Bei der Internet-Auktion von Karl Leo Spettmann im Mai brachte es 33.000 Euro. Nun steht es ebenfalls wieder auf der Seite seiner Tochter zum Verkauf – zum Preis von 222.222 Euro. Es ist ebenfalls ruinös.

Erst seit Januar auf Bewährung frei

Klar ist damit: Die Spettmanns und ihre Strohleute sind erst seit diesem Jahr in Görlitz aktiv. Keines der fünf Häuser gehörte ihnen zuvor. Das passt zeitlich dazu, dass Karl Leo Spettmann erst im Januar auf Bewährung aus der Haft entlassen wurde. Er hatte seit August 2016 eingesessen. Bei seinem Verfahren war es um gewerbsmäßigen Bandenbetrug, Steuerhinterziehung, Wucher und vieles mehr gegangen. Seit er wieder auf freiem Fuß ist, hat er Görlitz für sich entdeckt – vermutlich, weil es hier marode Häuser für relativ wenig Geld zu kaufen gibt, und weil er auf Gewinne hofft.

Oder will er mit den Immobilien Geld waschen, wie es manch einer hinter vorgehaltener Hand vermutet? „Bei uns läuft dazu bisher kein Ermittlungsverfahren“, sagt Christopher Gerhardi von der Staatsanwaltschaft Görlitz. Bei einem Geldwäsche-Verdacht müsste das Gericht eine Mitteilung machen. Dazu sei ihm bisher nichts bekannt. „Bei Geldwäsche-Verdacht würden wir aber auch von Amts wegen ermitteln“, sagt Gerhardi. Er will die bisher bekannten Informationen jetzt zur Prüfung weiterleiten. Bis zu einem Ergebnis kann es aber einige Zeit dauern.

Nicht ganz so lange dauern wird es, bis klar ist, ob die Spettmanns die ersteigerten Häuser bezahlen: Bei der Bismarckstraße 18 endet diese Woche die Zahlungsfrist.

Wer selbst Erfahrungen mit Familie Spettmann gemacht hat, kann sich jederzeit beim Autor dieses Textes melden: 03581-47105262, [email protected]

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