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Hotelerweiterung am grünen Rand von Görlitz

David Ledwon hat verlassene Gebäude in Ludwigsdorf ersteigert. Er träumt von einem Schwimmbad im alten Kuhstall.

David Ledwon steht im alten Kuhstall. Hier könnte er sich ein Schwimmbad vorstellen. Die Mittelsäule würde im Wasser stehen.
David Ledwon steht im alten Kuhstall. Hier könnte er sich ein Schwimmbad vorstellen. Die Mittelsäule würde im Wasser stehen. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Bis in die hintersten Räume seines neuen Besitzes ist David Ledwon selbst noch nicht vorgedrungen. „Das geht ja hier noch weiter“, sagt der 48-jährige Ludwigsdorfer beim Vor-Ort-Termin mit der SZ erstaunt. In seinem Kopf entstehen sofort Bilder, was hier in einem der drei riesigen früheren Kuhställe des Ludwigsdorfer Demisch-Gutes einmal entstehen könnte.

Von außen sieht der Kuhstall aus wie eine Ruine. Doch drinnen sind viele Gewölbe erhalten.
Von außen sieht der Kuhstall aus wie eine Ruine. Doch drinnen sind viele Gewölbe erhalten. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

„Der Platz würde reichen für ein Schwimmbad, einen zusätzlichen Wellnessbereich und ein Restaurant mit großer Küche und mehreren Gasträumen“, stellt er fest. Und schließt nicht aus, dass es tatsächlich so kommen wird. Allerdings nicht sofort. 2023 habe er voraussichtlich etwas mehr Geld zur Verfügung. Dann könnte im Kuhstall Baustart sein.

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David Ledwon stammt von hier, ist „Görlitzer mit Leib und Seele“, wie er sagt. Er hat eine gut gehende Sanitär- und Heizungsfirma – und ein gutes Gespür für die Sanierung von Häusern, für die es tatsächlich viel Nachfrage gibt. Im Stadtzentrum hat er einige Häuser saniert, zuletzt einen großen Komplex an der Heilige-Grab-/Ecke Friedhofstraße. In Rauschwalde gehört ihm eine Villa in der Rosa-Luxemburg-Straße und in Ludwigsdorf der frühere Gutshof Hedicke sowie ein paar Häuser in dessen direkter Umgebung, darunter das einstige Gemeindeamt. Das Ex-Hedicke-Anwesen heißt heute „Dein Gutshof“ und wird von Ledwons Frau Daniela als Hotel betrieben.

Direkt auf der anderen Straßenseite der Ludwigsdorfer Neißetalstraße betreibt Familie Ledwon das Hotel „Dein Gutshof“ im früheren Gutshof Hedicke.
Direkt auf der anderen Straßenseite der Ludwigsdorfer Neißetalstraße betreibt Familie Ledwon das Hotel „Dein Gutshof“ im früheren Gutshof Hedicke. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Das einstige Gemeindeamt, direkt gegenüber des Hotels gelegen, war ursprünglich mal das Herrenhaus des Demisch-Gutes. Hier hat Ledwon zwei Miet- und fünf Ferienwohnungen geschaffen. Ursprünglich sei das Demisch-Gut wohl mal ein Rittergut gewesen, hat er gehört. Allerdings habe er noch nicht allzu viel zur Historie in Erfahrung bringen können und freut sich stattdessen über Informationen.

Nur der Baum, der zu nah am Haus steht, muss wohl weg. Der Rest des Grundstücks soll grün bleiben.
Nur der Baum, der zu nah am Haus steht, muss wohl weg. Der Rest des Grundstücks soll grün bleiben. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Was er aber ganz sicher weiß: Das angrenzende Gesindehaus mit dem riesigen Kuhstall wollte er schon lange kaufen. Es gehörte aber einem Engländer, an den Ledwon nicht herankam und der nie auf Schreiben reagierte. Er ließ seinen Besitz verfallen. Am Ende zahlte er seine Grundsteuer und die Sicherung des Grundstückes nicht mehr. So bekam die Stadt die Möglichkeit, das Grundstück zwangsversteigern zu lassen. Der Termin war Ende April im Görlitzer Amtsgericht. Ledwon war der einzige Interessent und bekam das mehr als 5.500 Quadratmeter große Grundstück zum Schnäppchenpreis von 20.100 Euro.

Im ehemaligen Gesindehaus des Demisch-Gutes sollen neun Apartments entstehen: Drei im Parterre, vier im ersten Stock und zwei im Dachgeschoss.
Im ehemaligen Gesindehaus des Demisch-Gutes sollen neun Apartments entstehen: Drei im Parterre, vier im ersten Stock und zwei im Dachgeschoss. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Das ehemalige Gesindehaus wurde 1847/48 erbaut und ist trotz langen Leerstandes noch ganz gut in Schuss. Zwar hat Ledwon das Haus erst vor wenigen Wochen ersteigert und entsprechend noch nicht im Detail untersuchen können, aber viele Dachbalken wirken auf den ersten Blick intakt und müssen wohl nicht gewechselt werden. „Ich denke, das Gebäude lässt sich mit wenig Aufwand sanieren“, sagt Ledwon. Neun Apartments sollen darin entstehen, alle um die 50 Quadratmeter groß.

Für deren Nutzung aber gibt es zwei ganz unterschiedliche Ideen. Die eine: Das Haus dient als Hotelerweiterung, die Wohnungen werden Ferienapartments mit kleinen Küchen. Die andere Idee wären altersgerechte Apartments. In diesem Fall müsste Ledwon einen Außenaufzug an das Haus anbauen. „Vielleicht wäre auch eine Kooperation mit der Tagespflege im früheren Steakhaus möglich“, überlegt er. Dann könnten die Senioren bei ihm ohne Betreuung wohnen und problemlos zur Tagespflege gehen, die fast in Sichtweite ist.

Die Tafel am früheren Gesindehaus verweist auf August Demisch, der das Gebäude 1847/48 erbaute.
Die Tafel am früheren Gesindehaus verweist auf August Demisch, der das Gebäude 1847/48 erbaute. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Ob Ferien- oder Seniorenapartments: Diese Frage will Ledwon je nach Fördermitteln entscheiden. Oder anders gesagt: Wenn er für eins von beidem eine gute Förderquote bekommt, dann setzt er es um. Einen ganz konkreten Zeitplan gibt es noch nicht, denn Ledwon ist derzeit so frischgebackener Eigentümer, dass er noch keine Baugenehmigung beantragt hat und zum Beispiel auch noch nicht weiß, welche Forderungen der Denkmalschutz stellen wird. Allerdings ist das Gesindehaus nicht allzu hochwertig: Es gibt keinen Stuck oder andere Besonderheiten, alles ist eher schlicht. Aber falls die Ämter gut mitspielen, würde er das Dach gern noch dieses Jahr fertig bekommen und den Innenausbau bis Ende nächsten Jahres.

Den Kuhstall hingegen beschrieb das Gutachten aus der Zwangsversteigerung als abbruchreif. Doch für Ledwon kommt ein Abriss auf keinen Fall infrage. Zwar sei das Dach eingestürzt, aber die Gewölbe darunter sind noch verhältnismäßig gut in Ordnung. „Die will ich erhalten“, sagt er. Oben könnte er sich ein begrüntes Flachdach gut vorstellen, vielleicht noch mit einem Pavillon für das Restaurant.

Die Dächer des Kuhstalls sind zusammengestürzt und werden nun abgetragen. Kaum zu glauben, dass die Etage darunter noch halbwegs erhalten ist.
Die Dächer des Kuhstalls sind zusammengestürzt und werden nun abgetragen. Kaum zu glauben, dass die Etage darunter noch halbwegs erhalten ist. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Und unten tatsächlich Schwimmbad, Wellnessbereich und Restaurant? „Ja, warum nicht?“, sagt Ledwon. Klar, es sei noch bei keiner Behörde beantragt und die Kosten noch nicht durchkalkuliert. Insofern will er nicht versprechen, dass es wirklich so kommt. Aber vorstellen kann er es sich. Nutzer könnten alle werden: Die Hotelgäste genauso wie die Ludwigsdorfer. Für das Restaurant hätte er am Liebsten einen Italiener: „Davon sind wir Fans, aber in Görlitz gibt es noch keinen tollen Italiener.“

In diesem Gewölberaum des Kuhstalls kann sich David Ledwon ein italienisches Restaurant vorstellen.
In diesem Gewölberaum des Kuhstalls kann sich David Ledwon ein italienisches Restaurant vorstellen. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Das komplette Außengelände soll grün bleiben. Bis auf Wildwuchs sowie einen Baum, der viel zu nah am früheren Gesindehaus steht, soll alles erhalten bleiben – auch das kleine Wäldchen, das von allein gewachsen ist. In die Lücken will Ledwon Stellplätze bauen, aber auch Spielfelder: Eins für Boccia und eins für Schach. Sollte 2023 tatsächlich Baubeginn sein, könnte all das schon bald erlebbar werden.

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