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Fehlen Wohnungen für Senioren in Görlitz?

Der Anteil über 65-Jähriger wächst im gesamten Landkreis Görlitz. In der Kreisstadt reagieren schon einige Vermieter. Der IG Bau ist das zu wenig.

Kommwohnen-Chef Arne Myckert (l.) und Kommwohnen-Bauingenieur Joachim Wätzig stehen vor den drei Wohnhäusern am Leipziger Platz, die das Unternehmen auch für Senioren saniert.
Kommwohnen-Chef Arne Myckert (l.) und Kommwohnen-Bauingenieur Joachim Wätzig stehen vor den drei Wohnhäusern am Leipziger Platz, die das Unternehmen auch für Senioren saniert. © Nikolai Schmidt

Die großen Vermieter in Görlitz haben es längst erkannt: In der Neißestadt fehlen Seniorenwohnungen. Und sie reagieren: Der städtische Großvermieter Kommwohnen hat im Frauenburgkarree 100 Wohnungen für Senioren gebaut, auf der Heilige-Grab-Straße 13/Hohe Straße 19 sind 28 Wohnungen fertig geworden. Auch auf der Arthur-Ullrich-Straße entstehen derzeit 37 Wohnungen, am sogenannten Leipziger Platz sind es 44. Die Wohnungsgenossenschaft Görlitz (WGG) hat die vier Hauseingänge An der Terrasse 17 bis 23 in Königshufen komplett umgebaut und mit neuen Grundrissen für 39 Wohnungen versehen.

Immer mehr Senioren im Kreis

Dass all das richtig ist, bestätigt jetzt die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau). Sie warnt vor einem Mangel an Seniorenwohnungen. Und sie weist darauf hin, dass im Landkreis Görlitz die Zahl der Menschen, die älter als 65 sind, bis zum Jahr 2035 auf 77.000 anwachsen könnte. Ihr Anteil an der Bevölkerung läge dann bei 38 Prozent. Zum Vergleich: 2017 waren es 29 Prozent.

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Die Gewerkschaft beruft sich dabei auf eine Demografie-Prognose des CIMA-Instituts für Regionalwirtschaft – und fordert mehr Anstrengungen bei der Schaffung seniorengerechter Wohnungen: „Es braucht Lift statt Treppe, breitere Türen für Rollator und Rollstuhl, barrierefreie Duschen“, sagt Peter Schubert, Bezirksvorsitzender der IG BAU Ostsachsen. Nur ein kleiner Teil der Wohnungen im Landkreis sei für die rasant wachsende Generation Ü 65 geeignet: „Das muss sich ändern.“ Er spricht von einer „demografischen Notwendigkeit“. Es müssten nicht nur zusätzliche Seniorenwohnungen neu gebaut werden. Auch bei der altersgerechten Sanierung bestehender Wohnungen sei der Nachholbedarf groß. „Wenn die Rentner-Generation nicht stärker berücksichtigt wird, droht vielerorts schon in einigen Jahren eine graue Wohnungsnot“, sagt Schubert.

Fördervolumen reicht nicht aus

Dieses Problem werde jetzt durch die Corona-Pandemie verschärft, weil gerade ältere Menschen einen Großteil des Tages zu Hause verbringen müssten. Die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) biete mit ihrem Programm „Altersgerecht Umbauen“ zwar Zuschüsse und Kredite. Das Fördervolumen von 150 Millionen Euro in diesem Jahr reiche aber nicht aus, kritisiert die IG BAU. Der Bund müsse die Förderung mindestens verdoppeln, um das Senioren-Wohnen voranzubringen.

Danach sehe es derzeit aber nicht aus: Laut Haushaltsplan stünden für die altersgerechte Sanierung im nächsten Jahr nur noch 130 Millionen Euro zur Verfügung. Am Ende stehe die Lebensqualität Tausender Menschen im Kreis Görlitz auf dem Spiel. „Es kann nicht sein, dass ein Rentner nur deshalb ins teure Pflegeheim muss, weil eine ambulante Betreuung an der seniorengerechten Ausstattung der eigenen Wohnung scheitert“, so Schubert.

Einziehen darf am Ende jeder

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Die Görlitzer Großvermieter setzen indes nicht nur auf Senioren. Sie halten sich mit ihren neuen Angeboten auch alle anderen Wege offen. Zwar gibt es überall Aufzüge, ebenerdige Duschen und so weiter, aber einziehen dürfen nicht nur Senioren, sondern jeder. Die WGG hat An der Terrasse schon Vollvermietung. Dort sind auch einige Familien eingezogen. Kommwohnen hofft am Leipziger Platz und auf der Arthur-Ullrich-Straße auf eine große Vielfalt, auf echtes Mehrgenerationenwohnen. Nur bei den 100 Wohnungen im Frauenburgkarree sieht es anders aus: Dort sind ausschließlich Ältere eingezogen.

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