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„Denkmalschutz ist nicht absolut“

Sollen die Villen am Görlitzer Postplatz weichen? Für Kommwohnen-Chef Arne Myckert als Mitglied im sächsischen Denkmalrat ist das eine schwierige Frage.

Kaufhausinvestor Winfried Stöcker will diese Villa am Postplatz und das linke Nachbarhaus (nicht im Bild) abreißen.
Kaufhausinvestor Winfried Stöcker will diese Villa am Postplatz und das linke Nachbarhaus (nicht im Bild) abreißen. © Nikolai Schmidt

Arne Myckert ist nicht nur Geschäftsführer der städtischen Tochtergesellschaft Kommwohnen, sondern seit mehr als fünf Jahren auch ehrenamtliches Mitglied im sächsischen Denkmalrat. Das ist ein Gremium, das sich einmal pro Jahr trifft, zuletzt am 27. Mai. Es berät das Landesamt für Denkmalschutz, tauscht sich zu allgemeinen Entwicklungsströmungen auf dem Gebiet aus, berät aber nicht zu konkreten Einzelobjekten im Freistaat. Die SZ sprach mit Myckert über die beiden Villen Postplatz 5 und 6 in Görlitz, die Kaufhausinvestor Winfried Stöcker zugunsten eines größeren Parkhauses mit erweiterter Zu- und Ausfahrt abreißen lassen will.

Arne Myckert (54) ist Geschäftsführer von Kommwohnen und Mitglied im sächsischen Denkmalrat.
Arne Myckert (54) ist Geschäftsführer von Kommwohnen und Mitglied im sächsischen Denkmalrat. © Pawel Sosnowski/pawelsosnowski.c

Herr Myckert, Sie sind quasi ehrenamtlicher Denkmalschützer. Wie stehen Sie zum Abriss der Villen?

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Ich sitze als Vertreter der Wohnungswirtschaft im sächsischen Denkmalrat. Dort ist meine Aufgabe die Beratung mit der Perspektive des Geschäftsführers von Kommwohnen. Aber es stimmt: Bei Kommwohnen habe ich viel mit Denkmalen zu tun. Es könnte sein, dass kein Wohnungsunternehmen in Sachsen so viel im Denkmalschutz getan hat wie wir. Zu den Villen habe ich aber trotzdem keine Schnittstelle.

Inwiefern?

Das ist eine Frage zwischen dem Bauherrn und der Stadt. Ich bin da absolut nicht einbezogen. Nur aus der Sächsischen Zeitung weiß ich, dass der Investor sagt, dass er mehr Parkplätze braucht und dass er die nur auf diese Weise bauen kann.

Muss der Denkmalschutz bei solchen Fällen auch mal zurückstehen?

Es gibt bei dem Thema eine ständige Rechtssprechung bis zum Bundesverfassungsgericht. Einerseits darf ein Investor aus einem Denkmal nicht die Früchte ziehen, die er bei einem anderen Gebäude erwarten dürfte. Andererseits muss er auch nicht sein Gesamtvermögen für die Denkmalrettung aufbringen, das ist nicht zumutbar. Deshalb gilt: Der Denkmalschutz ist nicht absolut. Wenn es keine Erhaltens-Perspektive gibt, dann kann es auch zu einem Abriss kommen. Im Einzelfall werden Abrissgenehmigungen erteilt. Dazu wird aber immer das Gesamtkonzept geprüft.

Heißt das, Sie sprechen sich auch beim Postplatz für eine solche Prüfung aus, bevor Sie einem Abriss zustimmen oder diesen ablehnen würden?

Ja, auf jeden Fall. Ob das jetzige Parkhaus ausreicht oder nicht, kann ich überhaupt nicht abschätzen. Der Denkmalschutz hat eine starke Rechtsposition. Es ist gut, dass dort Experten sitzen, die das jetzt abwägen müssen. Für die ist das das tägliche Brot. Dabei werden nicht nur die Villen geprüft, sondern das Gesamtkonzept. Es wird geschaut, ob das Konzept nur mit einem Abriss funktioniert oder nicht. Daraus wird sicher die Entscheidung gefällt. Bitte verstehen Sie mich hier nicht falsch, aber ich kann wirklich keine klare Position zum Abriss einnehmen, weil ich das Konzept gar nicht kenne. Da wäre es vermessen, mir ein Urteil zu bilden. Ich bin nur Zaungast.

Und wie stehen Sie zum Projekt Kaufhaus ganz generell?

Ich wünsche mir eine Belebung des Einzelhandels sehr. Dass sich Winfried Stöcker in einer Zeit, in der Kaufhäuser reihenweise geschlossen werden, hinstellt und versucht, gegen jeden Trend ein Kaufhaus wiederzubeleben, verdient alle Achtung. Das ist mehr Mäzenatentum als Investition. Für Görlitz ist es ein Glücksfall, dass das Kaufhaus eine reelle Chance hat, in neuem Glanz zu strahlen. Das kann der ganzen Innenstadt Strahlkraft geben. Gleichzeitig ist es eins der wichtigsten Denkmale von Görlitz und eine attraktive Einkaufsmöglichkeit für Touristen, es kann also auch die Attraktivität der Stadt für Touristen erhöhen.

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