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Spettmann pokert munter weiter

In Görlitz senkt der Spekulant seine Preise. In Zittau und im Oberland wird er immer aktiver. Und noch ganz woanders.

Für die Ruine James-von-Moltke-Straße 35 verlangt Karl Leo Spettmann jetzt nur noch 199.999 Euro. Doch für Zustand und Lage des Hauses ist der Preis immer noch viel zu hoch.
Für die Ruine James-von-Moltke-Straße 35 verlangt Karl Leo Spettmann jetzt nur noch 199.999 Euro. Doch für Zustand und Lage des Hauses ist der Preis immer noch viel zu hoch. © www.loesel-photographie.de

Mehrere Internet-Videos auf der Plattform YouTube haben nicht geholfen, die Dauerpräsenz auf der Seite Immobilienscout24.de war bisher ebenso erfolglos wie eine Verkaufsanzeige bei Ebay Kleinanzeigen, die aber wieder gelöscht ist: Der Immobilienspekulant Karl Leo Spettmann aus dem nordrhein-westfälischen Geldern bekommt die Ruine James-von-Moltke-Straße 35 in Görlitz einfach nicht los.

Karl Leo Spettmann (61) aus Geldern steckt hinter den dubiosen Immobiliengeschäften.
Karl Leo Spettmann (61) aus Geldern steckt hinter den dubiosen Immobiliengeschäften. © Screenshot/Mdr

Jetzt hat er sogar den Preis gesenkt: Statt 222.222 Euro will er nur noch 199.999 Euro haben – angesichts von Zustand und Lage aber immer noch zu viel. Bei der Internet-Auktion, die Spettmann im Mai veranstaltet hatte, hatte der Höchstbietende bei gerade einmal 33.000 Euro den Zuschlag erhalten. Doch die Auktion war offenbar unseriös: Tage später tauchte das Haus erneut in Spettmanns Portfolio zum Verkauf auf.

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Auch auf zwei anderen Häusern in Görlitz bleibt er offenbar seit Monaten sitzen: Die Ruine der Rauschwalder Straße 53 steht bei Immoscout nach wie vor für 123.456 Euro zum Verkauf, für die Bahnhofstraße 54 hat Spettmann den Preis von 123.456 auf 99.999 Euro gesenkt.

Spettmann selbst taucht in all den Verkaufsanzeigen gar nicht auf. Er war erst im Januar auf Bewährung aus der Haft entlassen worden und hält sich seither eher im Hintergrund. Die Anzeigen sind über die Düsseldorfer Briefkastenfirma Gelago Immobilien geschaltet. Als Verkäuferin tauchte bisher Spettmanns Tochter Anastasia auf. Das hat sich nun geändert. Verkäuferin aller Immobilien ist jetzt Loreen Peters, eine Strohfrau, die schon seit Jahren für Spettmann aktiv ist. Im Impressum bei Gelago stehen aber nach wie vor Anastasia und ihr Bruder Leonardo Spettmann.

Einzig bei der Anzeige auf Ebay Kleinanzeigen tauchte der Vater als Verkäufer auf – gemeinsam mit der überall präsenten Telefonnummer 0177-7777777. Aber diese Anzeige war nicht lange online.

Momentan auffällig: Spettmann wird verstärkt im Süden des Landkreises aktiv. Auf der Gelago-Seite ist das Haus Friedensstraße 48 in Zittau für 22.222 Euro zu finden, dazu drei Häuser in Seifhennersdorf und je eins in Ebersbach-Neugersdorf, Eibau und Beiersdorf – alle für Preise zwischen 22.222 und 66.666 Euro – und alle desolat. Unklar ist, ob ihm oder seinen Strohleuten diese Häuser tatsächlich gehören.

In Görlitz offenbar nichts mehr gekauft

In Görlitz hingegen ist es Spettmann offenbar seit Monaten nicht mehr gelungen, sein Portfolio zu erweitern. Die maroden Häuser Bismarckstraße 18, Rauschwalder Straße 53 und Bahnhofstraße 54 hatte Leonardo Spettmann bei Zwangsversteigerungen am Amtsgericht für den Römer Roberto Petrucci erworben, der aber nicht mehr an der auf der Uralt-Vollmacht angegebenen Adresse in Rom lebt und auch sonst nirgendwo auffindbar ist. In jüngster Zeit hat das hiesige Amtsgericht aber keine Ruinen in Görlitz mehr versteigert.

Deshalb weicht Spettmann nun auf andere ländliche Gegenden aus, in denen sein Beuteschema – Ruinen zu Schnäppchenpreisen – bedient wird. „In der Region Weißenfels/Naumburg/Zeitz sitzen Spettmanns Leute momentan in allen Zwangsversteigerungen, bei denen Ruinen angeboten werden“, berichtet Jens Holler* am Telefon. Holler ruft aus Camburg im thüringischen Saale-Holzland-Kreis an, 15 Kilometer südwestlich von Naumburg.

Am Donnerstag ersteigert, am Freitag im Internet

„Ich war am Donnerstag bei einer Zwangsversteigerung in Naumburg“, berichtet er. Es ging um ein kaputtes Mehrfamilienhaus in einem kleinen Dorf in der Region – Verkehrswert 20.000 Euro. Spettmanns Strohmann bekam für das Mindestgebot von 17.000 Euro den Zuschlag, weil niemand mitbot. „Auch er hat für Roberto Petrucci geboten“, sagt Holler. Bereits am Freitag stand das Haus auf der Immoscout-Seite von Gelago zum Weiterverkauf – für 66.666 Euro. Identisch war Spettmann auch in Görlitz vorgegangen. Er zieht die Masche jetzt also andernorts durch.

Doch einen Unterschied sieht Holler: „Im Gerichtssaal konnte Spettmanns Vertreter nicht nachweisen, dass er die geforderte Sicherheitsleistung von 2.000 Euro hinterlegt hat.“ Das aber ist bei Zwangsversteigerungen die Grundvoraussetzung, um überhaupt mitbieten zu dürfen. Im Görlitzer Amtsgericht achten die zuständigen Mitarbeiterinnen sehr penibel darauf und weisen oft Bieter zurück, die die Sicherheitsleistung nicht erbracht haben.

Nicht so in Naumburg. „Ich habe das Gericht sogar darauf hingewiesen“, sagt Holler. Der Vertreter des Gläubigers habe aber gesagt, dass er nicht darauf dringe. Daraufhin habe das Gericht klein beigegeben und auch nicht darauf bestanden. Für Holler ein Unding: „Bei den Namen Spettmann und Petrucci müssten doch alle Alarmglocken läuten.“ Für ihn sei es „nicht nachvollziehbar, dass Spekulanten in Deutschland so leichtes Spiel haben und keiner einschreitet“. Holler ist überzeugt, dass Spettmann nicht zahlen wird.

*... Name auf Wunsch geändert

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