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Roscher gelingt der Wiederaufbau

Vor zwei Jahren suchte ein Großbrand den Görlitzer Gewerbepark heim. Jetzt ist der Rohbau geschafft, viele Mieter sind eingezogen. Eine Bilanz mit Fotogalerie.

Nach dem Großbrand läuft nun der Wiederaufbau im Görlitzer Gewerbepark Roscher.
Nach dem Großbrand läuft nun der Wiederaufbau im Görlitzer Gewerbepark Roscher. © Montage: SZ-Bildstelle

Das traurige Jubiläum ist still verstrichen. Zwei Jahre lag der verheerende Brand auf dem Gelände der Maschinenfabrik Roscher (Maro) an der Reichenbacher Straße in Görlitz am 25. Februar zurück. Zwei Jahre danach sollte alles fertig saniert sein, hatte Verwalterin Anke Klaus immer gehofft. „Hat es auch fast“, sagt sie nun.

Am 25. Februar 2019 stand die schwarze Rauchfahne hoch über dem Roscher-Gewerbepark in Görlitz.
Am 25. Februar 2019 stand die schwarze Rauchfahne hoch über dem Roscher-Gewerbepark in Görlitz. © nikolaischmidt.de
Ein Großeinsatz von Feuerwehr und Rettungsorganisationen war die Folge.
Ein Großeinsatz von Feuerwehr und Rettungsorganisationen war die Folge. © nikolaischmidt.de
Doch gegen die Gewalt des Brandes war die Feuerwehr machtlos
Doch gegen die Gewalt des Brandes war die Feuerwehr machtlos © nikolaischmidt.de
Der große Zentralbau des Gewerbeparkes brannte völlig aus.
Der große Zentralbau des Gewerbeparkes brannte völlig aus. © nikolaischmidt.de
Die Außenmauern blieben stehen.
Die Außenmauern blieben stehen. © Nikolai Schmidt
Kurz darauf ging der Eigentümer daran, den Wiederaufbau zu planen.
Kurz darauf ging der Eigentümer daran, den Wiederaufbau zu planen. © nikolaischmidt.de
Jetzt ist der Rohbau fertiggestellt.
Jetzt ist der Rohbau fertiggestellt. © Martin Schneider

Der Rohbau sei weitestgehend fertig – bis auf ein paar kleinere Restarbeiten im Dachbereich. Was freilich noch nicht fertig ist, ist der Innenausbau. Aber da will Anke Klaus nichts übers Knie brechen. Stattdessen sollen die Räume so ausgebaut werden, wie künftige Mieter sie haben wollen. So lange die nicht feststehen, will Anke Klaus nicht alles fertigstellen: „Wir wollen nichts verbauen, was ein künftiger Mieter vielleicht lieber ganz anders haben würde.“

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Sie sind die Väter und Mütter des Wiederaufbaus: Eigentümer Carl-Jochen Vielhaben...
Sie sind die Väter und Mütter des Wiederaufbaus: Eigentümer Carl-Jochen Vielhaben... © Nikolai Schmidt
... und Verwalterin Anke Klaus.
... und Verwalterin Anke Klaus. © nikolaischmidt.de

Doch auch bei der Vermietung geht es gut voran. Einerseits sind viele langjährige Mieter dageblieben oder nach der Behebung aller Schäden in ihre angestammten Räume zurückgekehrt, darunter die SF Lackiererei, die Autowäsche von Ronny Kubik und die Firma Robak. Andererseits haben sich für einige Flächen, deren frühere Nutzer nicht zurückkehren, neue Mieter gefunden. „Im ersten Stock des Gebäudes vorn an der Straße ist ein Casino mit gehobener Ausstattung eingezogen“, sagt Anke Klaus. Dort sei alles fix und fertig, nur wegen Corona konnte es noch nicht eröffnen. Der rosa Flamingo an der Fassade verrät den Eigentümer: Es ist der gleiche Flamingo wie im Casino auf der Bahnhofstraße. Die Casinos gehören Stefan Menzel, dem Mann, der auch hinter dem Görliwood-Bus und der Firma Boats & Friends“ steckt.

Die früheren Räume der Firma Autoglas sind im Rohbau fertig. Die historische Treppe konnte gerettet werden.
Die früheren Räume der Firma Autoglas sind im Rohbau fertig. Die historische Treppe konnte gerettet werden. © Martin Schneider

Unter dem Casino, aber auch in einigen Räumen im ersten Stock, läuft aktuell der Innenausbau für den Elektrogroßhändler Sonepar, der in den nächsten Monaten einziehen wird. „Sonepar hat rund 800 Quadratmeter gemietet“, freut sich Anke Klaus. Auch die Räume, in denen der Brand ausbrach, hat sie jetzt neu vermietet.

Siegmar Elsner, Geschäftsführer der Firma Haus- und Sicherheitstechnik in Olbersdorf, kümmert sich um die Elektrik in den künftigen Räumen des Elektrogroßhandels Sonepar bei Roscher in Görlitz.
Siegmar Elsner, Geschäftsführer der Firma Haus- und Sicherheitstechnik in Olbersdorf, kümmert sich um die Elektrik in den künftigen Räumen des Elektrogroßhandels Sonepar bei Roscher in Görlitz. © Martin Schneider

Aktuell sind nur noch vier freie Flächen im Angebot. Die markanteste davon – die früheren Räume von Autoglas mit einer Größe von fast 900 Quadratmetern – allerdings nicht mehr so richtig: „Dafür laufen derzeit sehr intensive Verhandlungen.“ Die anderen drei aber sind noch zu haben. Die Wichtigste davon ist ein neu entstandener, 500 Quadratmeter großer Raum im ersten Stock. Eine kleinere Produktionsfirma könnte sich Anke Klaus hier vorstellen, aber auch ein Call-Center oder andere Großraumbüros.

Die Dritte ist eine freie Werkstatt mit etwa 100 Quadratmetern, die Anke Klaus gern für gewerbliche Zwecke vermieten würde, aber nicht an Hobbyschrauber. Und schließlich gibt es eine kleine Einheit von 65 Quadratmetern mit zwei Büroräumen plus Turmzimmer ganz oben. Hier könnte sich Anke Klaus zum Beispiel eine Kanzlei oder auch eine Fahrschule vorstellen.

Ziel: In einem Jahr alles vermietet

Der weitere Zeitplan hängt von der Mietersuche ab. Gibt es ein Ziel? „Es wäre schön“, sagt Anke Klaus, „wenn der Innenausbau nächstes Jahr um diese Zeit fertig und dann auch alles vermietet wäre.“ Schon jetzt ist ein hoher einstelliger Millionenbetrag in die Sanierung der Gebäude geflossen. Einen guten Teil davon hat die Gebäudeversicherung bezahlt, aber längst nicht alles, denn vieles wird jetzt anders als zuvor: „Zum Beispiel haben wir jetzt eine zeitgemäße Medienanbindung.“ Das aber mussten die Eigentümer selbst zahlen.

Dieser Raum im ersten Stock ist rund 500 Quadratmeter groß.
Dieser Raum im ersten Stock ist rund 500 Quadratmeter groß. © Martin Schneider

Ziemlich enttäuscht ist Anke Klaus über die Unterstützung aus der Politik. Zwar habe es Gespräche mit den Oberbürgermeistern Deinege und Ursu und sogar mit dem Ministerpräsidenten gegeben. Aber konkrete Unterstützung? „Vielleicht ist unser Bauantrag vorrangig behandelt worden, aber ansonsten sind mir keine konkreten Hilfen bekannt“, bedauert Anke Klaus – und erinnert sich daran, dass es direkt nach dem Brand große Versprechen gab. Viel besser hätten die privaten Spendenaufrufe funktioniert, zum Beispiel wegen Möbel: „Das war wirklich phänomenal.“

Voll des Lobes ist sie auch über die Baufirmen, die zum Großteil aus der Region kommen, aber viele ausländische Mitarbeiter beschäftigen. „Dadurch ist es jetzt eine richtig internationale Baustelle geworden“, sagt Anke Klaus, die sich bemüht, jeden Arbeiter in seiner Landessprache zu begrüßen: deutsch, polnisch, tschechisch, aber auch arabisch und kurdisch. „Da kommt oft ein erstaunter Blick, und das erste Eis ist gebrochen“, sagt sie. Es sei ein schönes Zusammenarbeiten mit den Firmen.

Im Besprechungsraum ihres Büros hat Verwalterin Anke Klaus eine Roscher-Ausstellung eingerichtet.
Im Besprechungsraum ihres Büros hat Verwalterin Anke Klaus eine Roscher-Ausstellung eingerichtet. © Martin Schneider

Nicht minder schön ist ihr Büro geworden: Anke Klaus hat einen großen Raum zum Ausstellungsraum gemacht, in dem die ganze Roscher-Historie seit der Gründung 1888 chronologisch dokumentiert ist – zum Großteil mit Fundstücken aus dem Areal. Das geht los bei einem hier entdeckten Bild von August Bebel, der kurz nach der Maro-Gründung SPD-Vorsitzender war – und endet mit einer großen Sammlung von SZ-Artikeln, die den Brand und den erfolgreichen Wiederaufbau dokumentieren.

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