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Schlachthof-Besitzer setzt Görlitz ein Ultimatum

Die Stadt soll das Gelände kaufen. Damit könnte der Club Nostromo gerettet werden. Die Alternative sieht trist aus.

Am Club Nostromo im alten Schlachthof in Görlitz prangt seit Kurzem ein Schild: „Wir wollen bleiben“.
Am Club Nostromo im alten Schlachthof in Görlitz prangt seit Kurzem ein Schild: „Wir wollen bleiben“. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Franz Josef Gausepohl hat endgültig genug.

„Wir haben sowohl der Stadt Görlitz, als auch den Betreibern des Nostromo, dem Verein Schall und Rauch, angeboten, das gesamte Schlachthof-Gelände in Görlitz zum Selbstkostenpreis, der sich am Bodenrichtwert orientiert, zu kaufen“, sagt der Geschäftsführer der Eigentümerin, der Landeskrone Fleisch GmbH.

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Das sei sein letztes Lösungsangebot. „Sollte ein Verkauf erneut nicht zustandekommen, werden wir das Gelände absperren und die nächsten Jahre brach liegen lassen – mit allen daraus folgenden Konsequenzen“, sagt Gausepohl.

Nostromo ist seit 1999 da

Das ist der vorläufige Höhepunkt des Ärgers um das Areal auf der Cottbuser Straße, auf dem der Club Nostromo seit 1999 Mieter ist, alle anderen Gebäude aber leer stehen. Gausepohl sagt, die Landeskrone Fleisch GmbH versuche seit über 20 Jahren mit verschiedenen Projektentwicklern das Gelände zu revitalisieren. Während andere Brachen bevorzugt behandelt worden seien, etwa das benachbarte Waggonbau-Werk I, seien im Schlachthof bisher alle Pläne für eine Gesamtlösung von der Stadtentwicklung zunichtegemacht worden.

„Mit dem Verkauf eines Teilstücks im Jahr 2019 für den Bau der neuen Oberschule auf der Rauschwalder Straße sind wir der Stadt Görlitz schon sehr weit entgegengekommen“, so Gausepohl. Und weiter: „Damals wurde uns versprochen, dass die Stadt kurzfristig auch den Rest des Grundstücks erwerben wird.“ Das aber sei nicht passiert.

Stadt weist Aussage zurück

Sowohl Bürgermeister Michael Wieler als auch der damalige OB Siegfried Deinege erklären auf Nachfrage, dass Gausepohls Behauptung nicht wahr sei. Sie haben nicht versprochen, kurzfristig den Rest des Grundstücks zu kaufen, erklären beide. „Aus Gründen der Stadtentwicklung haben wir höchstens Wohnneubau oder Discounter abgelehnt“, sagt Wieler. Ein Antrag auf Bauvorbescheid sei nicht gestellt worden.

Aufgeschaukelt hat sich die Situation seit Dezember. Damals sollte der Stadtrat eine Machbarkeitsstudie für ein Zivilschutzzentrum im Schlachthofgelände inklusive neuem Standort für die Berufsfeuerwehr auf den Weg bringen. Die Studie sollte herausfinden, ob der Standort dafür geeignet ist oder nicht. Mit diesem Vorschlag aber erntete die Stadt Kritik von allen Seiten. Zuerst vom Nostromo, das an der Studie gar nicht beteiligt werden sollte. Stattdessen sollte es schlichtweg für den Feuerwehr-Neubau weichen. Der Betreiberverein forderte, zu prüfen, ob auf dem Areal beides möglich sei: Zivilschutzzentrum und Nostromo. Viel Platz sei schließlich da. Am Ende nahm die Stadt die Vorlage von der Tagesordnung – und kündigte an, das Nostromo in eine solche Studie einzubeziehen.

Eigentümer ist verärgert

Doch auch Gausepohl ist verärgert. Die Stadt spiele auf Zeit, sagt er, eine Machbarkeitsstudie sei langwierig. Gleichzeitig ist er aber auch auf das Nostromo sauer. Im Dezember hätten die Betreiber bewusst durch soziale und andere Medien Stimmung gemacht gegen die Variante des Baus der neuen Feuerwehr auf dem Gelände, sodass der Stadtrat das Thema von der Tagesordnung genommen hat. „Das hat das Vertrauensverhältnis zu den Betreibern massiv erschüttert, da es immer gemeinsame Absprache war, dass sich das Nostromo bei möglichen Gesamt- oder Teilverkäufen kooperationsfähig zeigt“, sagt Gausepohl. Das Nostromo sieht das anders. „Wir haben nicht gegen den Feuerwehrbau Stimmung gemacht, sondern uns für eine Variante mit Feuerwehr und Nostromo eingesetzt“, so Vereinsvorsitzender Dirk Kählig.

Gausepohl kündigte dem Verein Ende Dezember das Mietverhältnis – fristgerecht zum 31. Januar. Der Verein ist dem in der Kürze der Zeit nicht nachgekommen. Er will nicht aufgeben, was er sich in 22 Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit mit viel Zeit und Geld aufgebaut hat. Stattdessen zahlt er seine Miete aktuell weiter.

Notfalls auch Räumungsklage

Und wie nun weiter? „Aufgrund des Vertrauensverlustes und der aktuellen Situation halten wir an der Kündigung fest und werden notfalls auch eine Räumungsklage einreichen“, sagt Gausepohl. Und ansonsten: „Wir gehen davon aus, dass alle möglichen Käufer kurzfristig Stellung beziehen und es dann ein klares Szenario für das Gelände in diesem Jahr geben wird.“ Beim Kaufpreis wolle seine Firma „dem möglichen Käufer fair entgegenkommen.“ Konkrete Preisvorstellungen nennt er jedoch nicht. Das Gelände misst 30.000 Quadratmeter. Im Gewerbegebiet Schlauroth wurden kürzlich Flächen für 12 Euro je Quadratmeter verkauft. Setzt man diesen Preis an, so wären das 360.000 Euro.

Nostromo macht Angebot

Dirk Kählig sagt: „Wir haben ein Kaufangebot für unser Teilstück gemacht, das noch über dem Bodenrichtwert lag.“ Gausepohl habe geantwortet, dass er nur an einem Gesamtverkauf des Geländes interessiert sei. „Das gesamte Gelände zu kaufen liegt natürlich nicht in unserem Interesse. Das Nostromo und die entsprechende Teilfläche dagegen schon“, sagt Dirk Kählig. Bürgermeister Wieler hat versprochen, sich für die Fortsetzung des Mietvertrages zwischen Gausepohl und Nostromo einzusetzen. Viel Konkretes zur Gesamtsituation will er derzeit aber nicht sagen. Erst am Mittwoch habe er wieder mit Gausepohl gesprochen. „Ich will schauen, dass wir so schnell wie möglich einen für alle Beteiligten akzeptablen Weg finden“, so Wieler. Inhaltlich wolle er dem nicht vorweggreifen.

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Gausepohl will abwarten, wie sich Stadt und Verein positionieren: „Seit über 20 Jahren kostet mich das Gelände Zeit, Nerven und viel Geld. Das wird nun so oder so ein Ende finden.“

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