merken
PLUS Görlitz

Stadtgut rettet die „Walderholung“

Die historische Erholungsstätte für Lungenkranke bei Kunnerwitz hat ein neues Dach. Aber noch keine neue Nutzung.

Claudia Ehrig vom Stadtgut Görlitz steht vor der „Walderholung“ bei Kunnerwitz. Das Gebäude wird derzeit saniert.
Claudia Ehrig vom Stadtgut Görlitz steht vor der „Walderholung“ bei Kunnerwitz. Das Gebäude wird derzeit saniert. © Martin Schneider

Es ist eines der ungewöhnlichen Gebäude von Görlitz: Eine Fachwerkbaracke, etwa 50 Meter lang, gelegen im Wald nahe dem Ortsteil Kunnerwitz. Vor allem Wanderer und Spaziergänger kennen die „Walderholung“. Und seit einigen Monaten fragen sie sich, was hier wohl passiert. Denn: Das lange leerstehende Bauwerk wird derzeit saniert.

„Es gehört uns nach wie vor“, sagt Claudia Ehrig, die beim Stadtgut Görlitz für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Mindestens seit 2009 steht das Gebäude leer, vielleicht auch etwas länger. Fakt aber ist: Bis vor wenigen Monaten verfiel der denkmalgeschützte Bau. „Das war der Grund für die Sanierung“, so Claudia Ehrig: „Das Gebäude soll erhalten bleiben.“ Schon vor Jahren habe das Stadtgut eine denkmalschutzrechtliche Genehmigung erhalten, das kaputte Dach mit Dachpappe zu sichern.

TOP Reisen
TOP Reisen
TOP Reisen

Auf ins Weite, ab in die Erholung! Unsere Top Reisen der Woche auf sächsische.de!

Die „Walderholung“ ist eine rund 50 Meter lange Fachwerkbaracke, idyllisch im Wald bei Kunnerwitz gelegen.
Die „Walderholung“ ist eine rund 50 Meter lange Fachwerkbaracke, idyllisch im Wald bei Kunnerwitz gelegen. © Martin Schneider

Als das vor etwa drei Jahren passieren sollte, fanden Arbeiter massiven Befall mit echtem Hausschwamm vor. „Das Problem war, dass innen irgendwann alles mit Gipskarton, Styropor und Mineralwolle verkleidet worden war und das Gebäude nicht mehr atmen konnte“, sagt Claudia Ehrig. Dadurch sei der Hausschwamm aufgetreten. Er war für das Stadtgut nun der Anlass, doch nicht nur das Dach mit neuer Dachpappe zu sichern, sondern gleich eine komplette Gebäudesanierung anzugehen. Die läuft nun seit Monaten.

Das Dach ist inzwischen fertig. Ein Teil der Dachbalken konnte erhalten werden, der andere Teil ist neu, die Dachpappe ebenfalls. Doch auch darunter war nicht alles zu retten, manche Fachwerkwände mussten komplett ausgetauscht werden, andere nur teilweise. Wieder andere konnten stehenbleiben. Auch das ist jetzt geschafft. Drinnen ist nun die ursprüngliche Raumaufteilung wiederhergestellt worden. Es gibt einen langen Gang in der Mitte des Gebäudes. Von ihm gehen nach rechts und links Schlafräume und Bäder ab.

In dem Gebäude mussten zahlreiche Dachbalken und Wände ersetzt werden, weil sie völlig kaputt waren.
In dem Gebäude mussten zahlreiche Dachbalken und Wände ersetzt werden, weil sie völlig kaputt waren. © Martin Schneider

Im Bauantrag steht „Beherbergung“. Doch wer soll hier künftig beherbergt werden? „Erst einmal niemand“, sagt Claudia Ehrig. Das Gebäude werde momentan schlichtweg nicht gebraucht. Aber verkauft werden soll es auch nicht, denn das Stadtgut kann sich vorstellen, es irgendwann mal zu benötigen. Stattdessen werde es einfach nur gesichert, damit es nicht verloren geht und später bei Bedarf schnell nutzbar gemacht werden könnte. Zwar sei prinzipiell zum Beispiel eine Beherbergung von Erntehelfern denkbar. „Aber unsere Helfer fahren jeden Tag nach Hause, sie brauchen keine Unterkunft.“ Deshalb ist jetzt auch kein Innenausbau geplant. Für dieses Jahr sind die Arbeiten ohnehin abgeschlossen, das Gerüst wird jetzt abgebaut.

„Im Frühling sollen die Innenräume noch verputzt werden und das Außengelände in einen von der Denkmalschutzbehörde abgenommenen Zustand versetzt werden“, sagt Claudia Ehrig. Dann sei dort auch Schluss. Eine Heizung wird nicht eingebaut. „Aber eine Belüftungsanlage“, erklärt die Sprecherin. Wichtig sei, dafür zu sorgen, dass sich nicht noch einmal Schimmel bildet. Aber die Voraussetzungen sind jetzt besser als zuvor, alle Einbauten sind entfernt, das Gebäude kann atmen.

1909 in wenigen Wochen erbaut

Apropos atmen: Es wurde 1909 als Walderholungsstätte für Lungenkranke errichtet. Der Magistrat fühlte sich „durch die von Kommerzienrat Raupach ins Leben gerufene Anna-Raupach-Stiftung sowie eine vom Deutschen Zentralkomitee in Berlin zugesagte Rate von 5000 Mark in der Lage, eine solche Stätte errichten zu können“, hieß es in einem Ratsprotokoll. Die Walderholungsstätte, die nur in den Sommermonaten und nur für einen Tagesbetrieb einzurichten war, entstand „aus einem einfachen, doch gefälligen Fachwerkbau, in welchem die Wohnung der Schwester und des Dienstpersonals, Küche und Vorratsräume sowie zwei Krankenstuben einzurichten sind.“ Es gab auch einige Liegehallen, getrennt für Männer, Frauen und Kinder. Der Bau selbst dauerte vor 111 Jahren nur wenige Wochen. Am 7. Juni 1909 wurde er in Betrieb genommen.

Einst Unterkunft für Lehrlinge und Erntehelfer

In der DDR-Zeit gehörte das Gebäude dem Vorläufer des heutigen Stadtgutes, dem Volkseigenen Gut Kunnerwitz. Es wurde nach hinten um etwa zehn Meter verlängert und als Unterkunft für Lehrlinge und Erntehelfer genutzt. Nach der Wende, berichtet Claudia Ehrig, diente es weiterhin als Unterkunft – nun für ABM-Kräfte und junge Leute, die zum europäischen Freiwilligendienst im Stadtgut tätig waren. Nachdem die Stadt das Stadtgut im November 2002 an drei auswärtige Öko-Bauern verkaufte, wohnten „die Neuen“ anfangs selbst in der „Walderholung“. Doch irgendwann hatten sie keine Verwendung mehr für das Gebäude, seither steht es leer.

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Görlitz