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Warum ein Görlitzer Arzt seine Häuser verlieren soll

Die Zwangsversteigerung von Konsulstraße 17, 18 und 18a fand am Montag statt. Das Ergebnis ist überraschend.

Von Ingo Kramer
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Ein Görlitzer Arzt sanierte im Jahr 2017 die abgebrannte Villa Konsulstraße 17 (links) und die benachbarte Röhr-Villa Konsulstraße 18 (rechts). In die Nummer 18 zog er selbst ein, die Nummer 17 hingegen stellte er nie fertig.
Ein Görlitzer Arzt sanierte im Jahr 2017 die abgebrannte Villa Konsulstraße 17 (links) und die benachbarte Röhr-Villa Konsulstraße 18 (rechts). In die Nummer 18 zog er selbst ein, die Nummer 17 hingegen stellte er nie fertig. © Archivfoto: Pawel Sosnowski

Es ist eine bittere Geschichte: 2015 kaufte ein Görlitzer Arzt die verfallenen Häuser Konsulstraße 17, 18 und 18a, um sie zu sanieren. Das gelang ihm teilweise: In die von dem bekannten Görlitzer Architekten Gerhard Röhr erbaute Villa 18 zog er anschließend mit seiner Familie ein, in der 18a entstanden drei schicke Wohnungen, die voll vermietet sind. Die Sanierung der Villa 17 aber brach mittendrin ab, und die vier Einfamilien-Reihenhäuser, die er im Hinterhof bauen wollte, sind nie entstanden.

Hintergrund: Der Arzt geriet in wirtschaftliche Probleme. Die führten so weit, dass alle drei Häuser im Juli 2020 beschlagnahmt wurden. An diesem Montag nun fand die Zwangsversteigerung am Amtsgericht Görlitz statt. Hauptgläubiger war die Commerzbank, die eine Grundschuld von mehr als 1,1 Millionen Euro geltend macht. Hinzu kommen zwei Zwangssicherungshypotheken, einmal gut 16.000 Euro von einer Einzelperson, einmal knapp 9.000 Euro vom Freistaat Sachsen – offenbar Steuerschulden. Und bei der Stadt Görlitz sind noch knapp 500 Euro Grundsteuer offen.

Ein Gutachter setzte den Grundstückswert auf 873.000 Euro fest – inklusive aller Häuser. 70 Prozent dieser Summe – also 611.100 Euro – mussten mindestens geboten werden. Und tatsächlich bot eine Firma 612.000 Euro. Doch alle anderen Anwesenden steigerten nicht mit. Das gefiel Rechtsanwalt René Zich, der die Commerzbank vertrat, nicht: Kurz vor Ablauf der Bietzeit beantragte er die einstweilige Einstellung des Verfahrens. Das bedeutet: Kein Bieter bekommt den Zuschlag, aber das Grundstück bleibt weiter beschlagnahmt.

„Ab dem Verkehrswert von 873.000 Euro hätte der Zuschlag erteilt werden können“, sagt Zich. Ansonsten wäre der Verlust für die Commerzbank zu groß geworden. Und nun? „Es gibt zwei Möglichkeiten“, sagt Zich. Einerseits ist er im Gerichtssaal mit zwei Interessenten ins Gespräch gekommen. Er könnte sich mit einem der beiden auf einen Verkauf einigen. „Wenn sich eine Lösung findet, bei der die anderen Gläubiger auch befriedigt werden können, ist ein Verkauf möglich“, sagt Zich.

Die andere Option wäre ein zweiter Zwangsversteigerungstermin in sechs Monaten – in der Hoffnung, dass dann jemand erscheint, der bereit ist, mehr Geld zu bieten. Interessant ist das Grundstück allemal – auch wegen der Möglichkeit, die Reihenhäuser im Hof zu bauen. Die Stadtverwaltung hat diesem Plan bereits zugestimmt.