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Was wird aus dem alten Capitol-Kino?

Der Eigentümer will das kaputte Görlitzer Hinterhaus auf der Berliner Straße wieder aufbauen. Er hat einen konkreten Nutzer im Blick. Doch der lehnt ab.

Das ehemalige Kino Capitol befand sich in einem Hinterhaus der Berliner Straße 32. Dieser undatierte Rest einer Bemalung am Giebel deutet zumindest noch auf die Vergangenheit als Saal hin.
Das ehemalige Kino Capitol befand sich in einem Hinterhaus der Berliner Straße 32. Dieser undatierte Rest einer Bemalung am Giebel deutet zumindest noch auf die Vergangenheit als Saal hin. © nikolaischmidt.de

Hauseigentümer Werner Uhrmacher möchte das frühere Kino Capitol im Hinterhaus der Berliner Straße 32 gern wieder aufbauen. Das bestätigt er jetzt auf SZ-Nachfrage. „Ich bemühe mich, eine Nutzung für den Saal zu finden“, sagt er. Einen konkreten Nutzer hat er im Blick: Das Senckenberg-Museum, das direkt angrenzend auf der Bahnhofstraße/Jakobstraße seinen neuen Forschungscampus errichtet.

„Vielleicht braucht Senckenberg ja einen Veranstaltungssaal oder einen größeren Raum für Gastronomie“, hofft Uhrmacher. Das wolle er zunächst abwarten. Sollte sich mit Senckenberg nichts ergeben, könnte aber auch eine Eventhalle entstehen, oder zu Deutsch: Eine Veranstaltungshalle. Theateraufführungen kann sich Uhrmacher darin vorstellen, Konzerte ebenfalls. „Aber definitiv keine Disko“, sagt er.

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Senckenberg hat keinen Bedarf

Tatsächlich lehnt Senckenberg dankend ab. „Wir haben selbst einen größeren Veranstaltungssaal geplant, sogar mit mehr Sitzen als im Humboldthaus“, sagt Museumsdirektor Willi Xylander. Auch eine eigene Ausschank-Kantine, also ohne Küche, ist in dem Forschungscampus vorgesehen: „Die brauchen wir auch, denn inklusive der Studenten sind wir 200 Leute“, erklärt Xylander. Weil beides geplant ist, sehe er keinen Bedarf, das frühere Capitol zu nutzen. Er ist auch etwas verwundert über das Angebot, denn Uhrmacher sei bisher nicht auf Senckenberg zugekommen. „Mittlerweile haben unsere Planungen einen gewissen Stand erreicht, da sind die Messen gesungen“, so Xylander.

Der Capitol-Saal ist vor mehr als zehn Jahren eingestürzt – auf jeden Fall, bevor Uhrmacher das Gebäude gekauft hat. Die Außenwände sind erhalten, darin Reste einer Bühne, innen ein paar Stahlträger. An einer Wand ist auch ein Bogen sichtbar, an anderer Stelle eine alte Bemalung. Uhrmacher hat ins Vorderhaus investiert. Dort war lange ein Nachtclub zu finden, jetzt hat ein Döner-Lokal eröffnet. Im Capitol aber ist bisher nicht viel passiert. „Ich habe den Schutt entsorgen lassen und sorge für Ordnung, mache beispielsweise regelmäßig das Gestrüpp weg“, sagt Uhrmacher.

Im einstigen Saal des Capitol hinter der Berliner Straße 32 wächst Gras. Nur die Außenmauern stehen noch.
Im einstigen Saal des Capitol hinter der Berliner Straße 32 wächst Gras. Nur die Außenmauern stehen noch. © nikolaischmidt.de

Im Sommer 2018 hatte er schon einmal größere Bauarbeiten angekündigt. „Der Saal wird wieder überdacht, Mitte 2019 geht es los“, hatte Uhrmacher damals gesagt. Die Außenmauern sollten in der jetzigen Höhe erhalten bleiben, vielleicht auch einen Meter niedriger. Darauf plante er ein Flachdach: „Das lässt sich besser schallisolieren als ein Spitzdach, sowohl von innen als auch von außen“, sagte Uhrmacher.

Ihm gehören neun Häuser in Görlitz, er fuhr damals jeden Monat von seinem Zuhause in Düsseldorf quer durch die Republik, um an der Neiße nach dem Rechten zu sehen. Beim Capitol waren seine Pläne noch nicht allzu detailliert: „Wir bereiten gerade erst den Bauantrag vor.“ Jetzt erklärt er, dass alles Weitere von der künftigen Nutzung abhängig sei. Auf jeden Fall brauche er „einen vernünftigen Partner, der es betreibt“, sagt Uhrmacher.

Ein Haus mit langer Geschichte

Das Capitol hat eine lange Geschichte. Es wurde um 1870 gebaut. Bauherr war der Görlitzer Fleischermeister August Altmann. Er richtete im Vorderhaus ein Restaurant ein und im Hinterhaus einen Saal. Der Komplex hieß alternierend „Zur deutschen Reichshalle“, „Café und Weinhaus Astoria“, „Astoria-Theater“, kurze Zeit auch „Empire-Theater“. Ab 1907 war es als Reichshallentheater mit Varieté-Betrieb und 1.300 Plätzen bekannt. 1924 wurde der Saal im Hinterhaus zum Lichtspieltheater. Als Kino hieß es „Deulig-Palast“, einige Jahre auch „Deulig Palast Tivoli“.

Etwa 1935 wurde das Kino „Capitol“ genannt. Im Vorderhaus übernahmen später Rüdigers Gaststätten das Lokal. Rüdiger war mit mehreren Einrichtungen in Görlitz als Speiserestaurant für gute Qualität bekannt. Auch nach 1945 blieben Rüdigers Gaststätten im Vorderhaus, während im Saal ab Herbst 1945 das „Capitol“ wieder öffnete. In der DDR galt in Görlitz das „Capitol“ mit seinen 800 Plätzen als Haus der Zweitaufführungen, während Premieren dem 1.200 Besucher fassenden „Palast-Theater“ vorbehalten waren. Das „Capitol“ wurde nach 1990 geschlossen. Im Vorderhaus gab es nach der Wende einen Nachtclub mit wechselnden Inhabern und Namen: „California“, „La Notte“, „Daily Motion“ und Nightlife. Im Saal befand sich einige Jahre nach 1990 eine Videothek.

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