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Wie Federn-Schulze auch schwierige Zeiten meisterte

Das Markersdorfer Unternehmen entstand aus der Schmiede des Großvaters – und wird nun in der dritten Generation geführt. Eine Zwischenbilanz zum 70. Geburtstag.

Constance Schulze von Federn-Schulze vor ihrem Geschäft in Markersdorf.
Constance Schulze von Federn-Schulze vor ihrem Geschäft in Markersdorf. © Martin Schneider

Eine Premiere: „Zum ersten Mal gratulierte uns die Industrie- und Handelskammer zu einem runden Jubiläum“, erzählt Constance Schulze und freut sich darüber. Eine Urkunde gab es und auch Blumen. Die gerahmte Urkunde zum 70. Geburtstag bekam bei Federn-Schulze selbstverständlich einen Ehrenplatz im Markersdorfer Betrieb, wie die Unternehmerin erzählt. Federn-Schulze handelt mit Ersatzteilen und repariert vor allem die großen Brummis, Nutzfahrzeuge.

Ganz besondere auch: An den Dreirad-Robur, der in Zittau zu tiefsten DDR-Zeiten hergestellt wurde und neue Federn brauchte, erinnert sich Constance Schulze ebenso gern, wie an die Leipziger Feuerwehr, die vor einigen Jahren bei dem Unternehmen in der Werkstatt stand. „Die Drehleiter war höher, als unser Dach“, sagt sie.

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Daher kommt das Wort „Federn“ im Namen

Erinnerungen gehören zu einem solchen Jubiläum: Begonnen hatte alles 1951 in Wehrsdorf. Schmiedemeister Fritz Schulze beschlug nach dem Krieg die Hufe der Pferde und stellte aus dem heißen Eisen kleine Gebrauchsgegenstände her. Später, so erinnert sich Constance Schulze an den Großvater, spezialisierte sich ihr Opa auf den Hänger- und Wagenbau und auf die Herstellung von Federn für diese Wagen. Erst kürzlich kam ein älterer Kunde nach Markersdorf, der ihr erzählte, dass er die Federn für seinen IFA S4000 - der bis 1959 produziert wurde - bereits beim Großvater fertigen ließ und seitdem der Firma treu blieb. Das Wort „Federn“ im Namen des Unternehmens blieb auch, wenngleich die Aufgaben immer weiter wuchsen. 1993 wurde im Gewerbegebiet Markersdorf der neue Standort errichtet. Oldtimer werden da immer noch repariert.

Blick ins Federn-Schulze Geschäft in Markersdorf.
Blick ins Federn-Schulze Geschäft in Markersdorf. © Martin Schneider

Constance Schulze und ihr Bruder Sebastian übernahmen den Betrieb 2013 von ihrem Vater Bernd. „Von heute auf morgen“, wie Frau Schulze leise sagt. Bernd Schulze, der Federn-Schulze 1989 von seinem Vater Fritz übernahm, verunglückte bei einem Motorradunfall tödlich. Constance und Sebastian Schulze mussten innerhalb kürzester Zeit die Verantwortung für mehr als 30 Mitarbeiter und die Standorte in Markersdorf, Boxdorf sowie Crimmitschau leiten. Keine leichte Aufgabe in einer nicht nur emotional schwierigen Situation. Doch die beiden schafften das. Die Mitarbeiterzahlen blieben stabil, Abstriche wurden keine gemacht.

Erste Corona-Welle erzwang Kurzarbeit

Und auch die mit der Corona-Pandemie 2020 schwierige Phase änderte daran nichts, obwohl zuerst die Sorgen und Ängste keinesfalls von der Hand zu weisen waren. „Während der ersten Welle im Frühjahr 2020 und des Lockdowns mussten wir unsere Außendienstmitarbeiter in Kurzarbeit schicken“, berichtet Constance Schulze. Die Zahl der Auslieferungen sank. „Wir haben das anfangs schon stark gespürt“, erzählt die Firmenchefin, die mit ihrem Bruder das Unternehmen nun in 3. Generation führt. Einige Monate später „wussten wir, mit der Lage umzugehen.“ Mundschutz, Abstand, Hygieneregeln – das passte.

Constance Schulze und ihr Bruder Sebastian.
Constance Schulze und ihr Bruder Sebastian. © Tine Jurtz / privat

Wobei im Großhandel so oder so nur wenig Durchgangsverkehr herrsche. Die Außendienstler konnten wieder loslegen, das Geschäft lief weiter. Nun steht die nächste Herausforderung vor der Tür. Stichwort Strukturwandel. Was, wenn es mal keine Diesel- und Benzinfahrzeuge mehr gibt? Die 39-Jährige sagt, sie sei Verfechter der Verbrennungsmotoren. „Diese Technik ist ausgereift, funktioniert seit Jahrzehnten“, sagt sie. Auch die aktuell hohen Preise von Elektroautos lassen Constance Schulze mit dem Kopf schütteln.

Bereit für Veränderungen in der Zukunft

Trotzdem will sie sich Neuerungen keinesfalls verschließen und blickt nach vorn: Der Teilemarkt werde sich in der Zukunft verändern, „und da müssen wir dann reagieren, wenn die neuen Fahrzeuge tatsächlich auf der Straße sind.“ Sobald das passiert, soll das Sortiment angepasst werden. Bereits jetzt gehe es darum, entsprechende Vertriebskanäle abzuchecken. „Wir haben die kommenden Veränderungen auf dem Schirm, damit wir – wenn es so weit ist – nicht ins kalte Wasser springen“, sagt die Geschäftsführerin.

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