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"Das geht über unsere Kräfte"

Die Corona-Teststation an der A 4 bei Görlitz wird bald aufgelöst. Bis dahin arbeiten Claudia Friedrichs und ihre Leute hart an der Grenze. Was danach wichtig ist.

Claudia Friedrichs ist Infektionsepidemiologin und leitet das Medizinische Labor Ostsachsen in Görlitz. Hier wurden 3.000 Proben von der A4-Teststation untersucht.
Claudia Friedrichs ist Infektionsepidemiologin und leitet das Medizinische Labor Ostsachsen in Görlitz. Hier wurden 3.000 Proben von der A4-Teststation untersucht. ©  Archiv/Pawel Sosnowski

Seit drei Wochen gibt es die Corona-Teststation an der A 4 für Reiserückkehrer. Die Proben, die genommen werden, haben keinen weiten Weg: Untersucht werden sie im Medizinischen Labor Ostsachsen in Görlitz. Das leitet Claudia Friedrichs, Fachärztin für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie. Warum sie froh ist, dass die Teststation bald schließt, sagt sie im SZ-Gespräch. 

Frau Dr. Friedrichs, wie viele Menschen haben die Teststation an der A 4 genutzt?

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Bislang waren es etwa 3.000 Reiserückkehrer. Acht davon wurden positiv getestet. Damit ergibt sich eine Positivrate von etwa 0,25 Prozent. 

Das ist weniger als deutschlandweit, wo vorige Woche rund eine Million Tests durchgeführt wurden. Die Positivrate lag bei 0,7 Prozent. Was sagt die viel niedrigere Zahl an der A 4 aus? 

Das entspricht einerseits sicherlich dem Trend der Region, wir lagen bei den Zahlen immer vergleichsweise niedrig. Andererseits: Unter den positiv Getesteten befinden sich nicht nur Personen aus dem Landkreis, sondern auch aus anderen Bundesländern, die in Risikogebieten im Urlaub waren und zurückgekehrt sind. Letztlich sagen diese Zahlen nicht viel aus. Verglichen mit anderen Stationen sind die 3.000 Tests bei uns eine verhältnismäßig geringe Stückzahl. Wäre jetzt beispielsweise eine Großfamilie dabei, in der alle Mitglieder infiziert sind, würde die Positivrate schon wieder ganz anders ausfallen. 

Als die Station an der A 4 eröffnet wurde, sagten Sie: "Wir wissen nicht, was auf uns zukommt". Wie geht es Ihnen und Ihren Mitarbeitern nun nach drei Wochen?

Es ist echt anstrengend. Es ist eine extrem hohe Arbeitsbelastung, unter der die Mitarbeiter stehen. Nach wie vor machen wir die normale Labordiagnostik für die Region, die wir seit vielen Jahren übernehmen. Zu dieser normalen Routine kommt die Corona-Diagnostik dazu - und das hoffentlich in einer sehr guten Qualität. Die Autobahn- und Flughafenambulanzen sind unter einer besonderen Beobachtung, weil Sachsen nicht erleben möchte, was Bayern erlebt hat. Wir haben als Labor einen Versorgungsauftrag, den wir sehr ernst nehmen. Deshalb gehen alle Testergebnisse bei uns innerhalb von 24 bis 48 Stunden raus, damit wir rasch Entwarnung geben oder positiv Getestete natürlich schnell informieren können. 

Am 14. August hat die Teststation am ehemaligen Grenzübergang Ludwigsdorf ihren Betrieb aufgenommen. Klaus Heckemann von der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen hatte die ersten Abstriche vorgenommen.
Am 14. August hat die Teststation am ehemaligen Grenzübergang Ludwigsdorf ihren Betrieb aufgenommen. Klaus Heckemann von der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen hatte die ersten Abstriche vorgenommen. © Nikolai Schmidt

Wie sieht Ihr Tag konkret aus?

Mein Wochenenddienst zum Beispiel hat am Sonnabend um sieben Uhr begonnen und dann war ich mit dem ganzen Team bis um fünf, sechs Uhr abends hier im Labor - mit einer Pause, um etwas zu essen. Freie Tage unter der Woche müssen verschoben werden, viele Mitarbeiter sind auch am Wochenende da. Die A 4-Ambulanz hat sieben Tage pro Woche auf - und wir müssen es einfach abarbeiten, ohne den Rest zu vergessen: die Kliniken gut zu versorgen, auf Visite zu gehen, zu beraten. Das ist nur durch die hohe Einsatzbereitschaft aller Mitarbeiter hier in Görlitz so möglich. 

Ab 1. Oktober soll es eine neue Regelung für Rückkehrer aus Risikogebieten geben. Sie müssen sich voraussichtlich in eine zweiwöchige, womöglich etwas kürzere, Quarantäne begeben. Die kann früher beendet werden, fällt ein Test, frühestens am fünften Tag nach Rückkehr, negativ aus. Wie sehen Sie diese Neuregelung?

Ich finde, die Regelung, die die Regierung jetzt getroffen hat, ist ein guter Kompromiss. Dass man allen auch nochmal bewusst macht: Ich muss jetzt nicht in einem Risikogebiet Urlaub machen, auch wenn ein Super-Schnäppchen noch so verlockend ist. Auch mir tut die Reisebranche leid - aber man geht ein gesundheitliches Risiko ein und davon ist allen abzuraten. Deshalb denke ich: Rückkehrer aus Risikogebieten sollten getestet werden. Fünf Tage Quarantäne, dann Abstrich, das macht auch epidemiologisch mehr Sinn. Hinter dieser Regelung stehe ich viel mehr als hinter den Massentests an Autobahnen und Flughäfen. Diese haben wir drei Wochen lang durchgeführt und festgestellt: Die ganz breitgefächerte Diagnostik bei allen Rückkehrern, egal woher sie kommen, bringt wenig Ausbeute. Dann finde ich es richtig, ganz bewusst umzusteuern.

Warum macht die neue Regelung epidemiologisch mehr Sinn? 

Nehmen wir an, man hat sich am letzten oder vorletzten Urlaubstag angesteckt. Lasse ich ein, zwei Tage später an der Autobahn einen Abstrich machen, fällt der vielleicht noch negativ aus. Drei Tage später kann ich aber sehr wohl positiv sein, weil die Inkubationszeit relativ lang ist. Mit fünf Tagen hat man ein gutes Mittelmaß genommen, in der Regel ist ein Test dann aussagekräftig. Wir alle wollen im Moment wahrscheinlich nicht Politiker sein. Aber ich finde es nicht schlimm, sondern sinnvoll, mit neuen Erfahrungen und veränderten Situationen eine neue Strategie einzuschlagen. 

Was ist jetzt wichtig? 

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Wir haben es alle sicher an den Temperaturen morgens auf dem Weg zur Arbeit gemerkt, der Sommer ist vorbei. Die Zahl der Reiserückkehrer nimmt ab, der Schulbetrieb hat wieder begonnen. Wir halten uns wieder mehr in geschlossenen Räumen auf, in denen es schwieriger ist, Infektionen zu verhindern als im Freien. Wir müssen aufpassen, dass wir gut auf den Herbst vorbereitet sind und die Ressourcen für die Versorgung effektiv und etwas strategischer einsetzen. Es mögen banale Kunststoffmaterialien sein - aber die können unter Umständen in ein, zwei Wochen alle sein. Pipettenspritzen zum Beispiel fehlen zunehmend. Dann versuchen wir bei anderen Firmen zu bestellen, sind variabel und machen schon viel. Aber wir müssen mit dem, was wir haben, die Versorgung aufrecht erhalten für eventuell wirklich erkrankte Patienten und Menschen, die durch ihren Beruf einer besonderen Gruppe angehören, zum Beispiel Pflegepersonal, Rettungskräfte, Erzieher und Lehrer. Ich denke, der Weg jetzt ist gut. Wichtig bleibt dabei, sich an die Hygieneregeln zu halten. Da sind wir uns alle sicher einig, dass das Leben mit offenen Kindergärten, Schulen, Kinos und Theatern nicht noch einmal zum Erliegen kommen darf. 

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