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"Wir sind auf der Suche nach neuen Mitgliedern"

Michael Kruhl machte sein Hobby zum Beruf und hilft Menschen weltweit. In Görlitz wünscht er sich mehr Mitstreiter für das Technische Hilfswerk.

Michael Kruhl ist Fachberater beim Technischen Hilfswerk THW.
Michael Kruhl ist Fachberater beim Technischen Hilfswerk THW. © André Schulze

Michael Kruhl bereist die Welt, wegen der Corona-Pandemie derzeit allerdings seltener. Er kennt aber meist nur die weniger schönen Seiten vieler Länder. Denn es sind Hilfseinsätze nach Natur- oder anderen Katastrophen, wegen denen er unterwegs ist, manchmal sogar 300 Tage im Jahr.

Der 40-Jährige aus Reichenbach/OL ist Fachberater beim Technischen Hilfswerk (THW). Seit knapp 20 Jahren arbeitet er ehrenamtlich im Ortsverband Görlitz des THW mit. Aber er ist auch für das Technisches Hilfswerk auf Bundesebene tätig und berät, trainiert und unterstützt unter anderem die EU und die UN bei Hilfseinsätzen.
Sein eigenes Unternehmen KSK hat sieben Mitarbeiter. Krisenmanagement, Stabsarbeit, Katastrophenschutz, Gefahrenabwehr und das Testen von kritischer Infrastruktur für Behörden und Firmen sind nur einige Felder, mit denen sich das Unternehmen beschäftigt.

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Warum der ursprünglich gelernte Zentralheizungs- und Lüftungsbauer sein Hobby, anderen Menschen zu helfen, zum Beruf machte, darüber sprach sächsische.de mit dem Reichenbacher. Und auch darüber, wieder jeder helfen kann.

International im Einsatz

Herr Kruhl, was war Ihr letzter internationaler Einsatz?

Das war die Hilfe in der deutschen Botschaft nach einem Erdbeben in Nepal. 

Wie muss man sich Ihren Einsatz dabei vorstellen?

Ich bin spezialisiert auf die Einsatzerkundung und die Einsatzleitung. Dabei kommt es vor allem darauf an, in den betroffenen Ländern schnell herauszufinden, was tatsächlich gebraucht wird - an Helfern, Technik und was die Bevölkerung zum Überleben benötigt. Was vor Ort durch eine Katastrophe zerstört wurde, das zeigen uns Satellitenfotos sehr genau. Aber die richtige Hilfe zu organisieren und zu koordinieren, das geht nur am Ort des Geschehens.

Bilder von Katastrophen zeigen oft große Verwüstungen und das Leid der Menschen. Können Sie das nach dem Einsatz schnell vergessen?

Nein. Während der Hilfseinsätze, die Tage, Wochen oder Monate dauern können, funktioniert man einfach. Die Bilder und Eindrücke nehme ich natürlich immer mit und muss sie im Anschluss verarbeiten. Dann wünsche ich mir manchmal auch, dass die Leute in meinem Land sehen könnten, wie ein Großteil der Menschen weltweit lebt und vor welchen Herausforderungen sie täglich stehen. Da stelle ich immer wieder fest, wie gut es uns doch geht. Und dann wünsche ich mir, dass die Leute bei uns dafür etwas mit einem Ehrenamt zurückgeben. Klar engagieren sich schon viele in Vereinen oder in persönlichen Bereichen, aber ich bemerke auch, dass sich Menschen zunehmend in ihr persönliches Umfeld zurückziehen. Das Interesse und die Hilfe für andere wird scheinbar immer weniger. Das ist problematisch.

Warum?

Weil in Notlagen strukturierte Hilfe von zentraler Bedeutung ist. Über soziale Medien beispielsweise gibt es oft Aufrufe zu Hilfsaktionen. Das ist spontane Hilfe, die durchaus gut funktioniert. Besser ist es aber, Hilfe gezielt und strukturiert verfügbar zu machen. Und das geht am besten über Hilfsorganisationen, in denen die Helfer auch umfassend ausgebildet werden. Zum Beispiel bei der Feuerwehr, im Rettungsdienst oder eben beim THW. Hier ist mit zusätzlichen, ausgebildeten Mitgliedern mehr geholfen, weil die Helfer Fachleute sind. Sie wissen, wie man zum Beispiel bei Hochwasser ein Haus leer pumpt, ohne dass es Schaden nimmt und wie man einen umgestürzten Baum, der unter Spannung steht, beiseite räumt. Mitglieder vom THW wissen aber auch, wie man eine Schwimmbühne auf den Berzdorfer See bringt für eine Aufführung von "Carmina Burana".

Auch hier kommt das THW zum Einsatz: Nach dem dritten Einbruch in die "Dampfbar" Görlitz im Januar 2019 sicherten Einsatzkräfte vom THW das Geschäft. Der Geschäftsinhaber bedankte sich beim THW für die schnelle, unkomplizierte Hilfe.
Auch hier kommt das THW zum Einsatz: Nach dem dritten Einbruch in die "Dampfbar" Görlitz im Januar 2019 sicherten Einsatzkräfte vom THW das Geschäft. Der Geschäftsinhaber bedankte sich beim THW für die schnelle, unkomplizierte Hilfe. © Danilo Dittrich
Hier üben Ortsverbände aus Ostsachsen an der Neiße in der Nähe der Kulturinsel Einsiedel, wie schnell Löschwasserbehälter aufgebaut werden können.
Hier üben Ortsverbände aus Ostsachsen an der Neiße in der Nähe der Kulturinsel Einsiedel, wie schnell Löschwasserbehälter aufgebaut werden können. © THW
Auch das gehört dazu: Das THW Görlitz im Einsatz zur Unterstützung auf der Autobahn 4 bei Görlitz/ Ludwigsdorf. Hier hatten sich wegen der Corona-Kontrollen an Polens Grenze im Frühjahr 2020  Staus von bis zu mehr als 40 Kilometer gebildet. 
Auch das gehört dazu: Das THW Görlitz im Einsatz zur Unterstützung auf der Autobahn 4 bei Görlitz/ Ludwigsdorf. Hier hatten sich wegen der Corona-Kontrollen an Polens Grenze im Frühjahr 2020  Staus von bis zu mehr als 40 Kilometer gebildet.  © Dittrich

Im Ehrenamt helfen und Neues lernen

Heißt das, das THW ist auf der Suche nach neuen Mitgliedern?

Ja, wir sind auf der Suche nach neuen Mitgliedern. Zwar konnten wir bislang die Einsätze immer realisieren, aber wir sind auch schon unterbesetzt rausgefahren. Wir brauchen weitere Mitglieder, weil es immer komplizierter wird, die Einsätze personell abzusichern. Mitglieder scheiden aus Altersgründen aus, ziehen weg, gehen zum Studium, arbeiten auf Montage oder sind in der Firma unverzichtbar.

Welche Anforderungen werden denn gestellt?

Wer beim THW mitmachen möchte, sollte vor allem Lust aufs Ehrenamt, aufs Helfen und auf Technik haben. Das THW bildet einen Querschnitt der Gesellschaft ab. Vom Professor bis zum Arbeitslosen, vom 16-Jährigen bis zu den über 70-Jährigen reicht die Bandbreite bundesweit. Manche sehen ihr Betätigungsfeld eher im Einsatz mit Handarbeit und Technik, andere in der Organisation und Verwaltung im Ortsverband. Im THW Görlitz haben wir derzeit in allen Bereichen noch Bedarf für weitere Ehrenamtliche.

Wie alt sollte man sein?

Wir freuen uns über Nachwuchs für die THW-Jugend, ab dem zehnten Lebensjahr ist das möglich, aber auch über Erwachsene jedes Alters. Und es lohnt sich, auch mit 60 noch zum THW zu kommen, die Lebenserfahrung der älteren Kollegen ist im Einsatz oft ein großer Vorteil.

Was bieten Sie den Leuten?

Eine ganze Menge. Wer im Einsatz erfolgreich zusammenarbeiten will, muss sich aufeinander verlassen können und sich gegenseitig vertrauen. Wir sind eine starke Gemeinschaft, mit der wir Menschen in Not professionell helfen können. Das THW bietet seinen Mitgliedern aber auch Kurse und Lehrgänge, für die das THW die Kosten übernimmt und die auch im Beruf anwendbar sind und Vorteile bringen. Wer vielleicht immer am Schreibtisch arbeitet, findet Gefallen daran, unsere moderne Technik zu bedienen - nach entsprechender Ausbildung natürlich. Mitglieder können hier Sachen tun, zu denen sie sonst keine Gelegenheit hätten. Wer kann beispielsweise einen modernen Teleskop-Lader fahren, Großpumpen und Aggregate bedienen oder Deiche professionell sichern?

Wie kommt man zum Görlitzer THW?

Am besten über die Homepage oder per E-Mail an [email protected] Wir vereinbaren dann gern einen Termin, bei dem wir unseren Ortsverband vorstellen. Im persönlichen Gespräch können sicher alle Fragen geklärt werden.

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