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Jahrmarkt-Zoff in Görlitz

Die Schausteller-Familie Probst wollte im Juli vier Tage nach Görlitz kommen. Doch nun hat sie abgesagt. Wie es dazu kam.

Beim Altstadtfest ist das Riesenrad von Familie Probst seit vielen Jahren dabei.
Beim Altstadtfest ist das Riesenrad von Familie Probst seit vielen Jahren dabei. © Archiv: Pawel Sosnowski

Görlitz. Mitte Juli wollte die Schausteller-Familie Probst wieder das Riesenrad, das "schnellste Karussell der Welt", das Piratenschiff, Aqua-King, einen Free-Fall-Turm im Kidrontal aufbauen: Aber daraus wird diesmal nichts.

Die Familie Probst, die aus Brandenburg kommt, kennt man in Görlitz vom Altstadtfest. Das Riesenrad und andere Fahrgeschäfte hatten sie immer auf dem Obermarkt aufgebaut, erzählt Henry Probst, dessen Sohn den Schausteller-Betrieb inzwischen führt. Sie gehören mit zum Lausitzer Schaustellerverband, in dem sich mehrere Betriebe aus Sachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt zusammengeschlossen haben. "Die meiste Zeit sind wir in der Lausitz", erzählt Probst.

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Voriges Jahr erstmals im Kidrontal

Voriges Jahr musste das Altstadtfest erstmals aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt werden. Mit der Stadt fanden sie eine andere Lösung und gastierten im September im Kidrontal auf dem Festplatz. So sollte es auch dieses Jahr sein, "seit einer Woche haben wir auch wieder die Möglichkeit." Derzeit sind Probsts in Forst, danach in Lübbenau und Zittau. Anschließend wollten sie für vier Tage Mitte Juli nach Görlitz kommen.

Normalerweise beim Altstadtfest, voriges Jahr im Kidrontal: das Riesenrad der Schausteller Probst.
Normalerweise beim Altstadtfest, voriges Jahr im Kidrontal: das Riesenrad der Schausteller Probst. © Nikolai Schmidt

Gespräche mit der Stadt darüber habe es bereits voriges Jahr gegeben. Im April dieses Jahres fiel die Entscheidung, dass das Görlitzer Altstadtfest auch dieses Jahr nicht stattfinden wird. Zumindest nicht mit Tausenden Besuchern. Stattdessen sollen dieses Jahr einzelne kleinere Veranstaltungen über den Sommer stattfinden, zum Beispiel mit der Waschtrogregatta am kommenden Sonnabend, einem Mittelaltermarkt im August und einem Familienfest im September.

Zwei Schausteller in drei Wochen

Probsts wollten deshalb wieder auf den Festplatz im Kidrontal. Das Problem nun: Knapp zwei Wochen zuvor ist bereits ein anderer Schausteller auf dem Festplatz im Kidrontal, erzählt Henry Probst.

"Das spielt für uns schon eine große Rolle", sagt er. Zwei Schausteller mit zumindest einem ähnlichen Angebot, da sei die Gefahr groß, dass der zweite mit Blick auf die Gästezahl das Nachsehen hat. "Dazu kommt, dass wir vergleichsweise viele Fahrgeschäfte haben, wir hätten den Festplatz wieder von vorne bis hinten bespielt." Zum Beispiel das Riesenrad aufzubauen sei keine Kleinigkeit. Das alles für vier Tage aufzubauen mit der Unklarheit, ob es noch genügend Interesse gibt - Probsts haben sich dagegen entschieden. "Normalerweise rechnet man in solchen Fällen mehrere Wochen Kulanzzeit ein. Wir haben jetzt einen Rückzieher gemacht."

Absprachen rechtlich nicht zulässig

Inzwischen sind die Beiträge gelöscht, aber nachdem auf Facebook bekannt wurde, dass die Schausteller-Familie jetzt doch nicht kommen werde, zeigten sich so einige Nutzer sauer über die Stadtverwaltung, die offenbar zwei Schaustellern direkt nacheinander zugesagt hatte.

Die Stadt verteidigt sich. "Die Schausteller haben die Termine so beantragt", erklärt Stadtsprecherin Juliane Zachmann. Der Verwaltung stehe es in einem solchen Fall auch nicht zu, zu beurteilen, ob zwei ähnliche Veranstaltungen im Abstand von Tagen oder Wochen für den Veranstalter wirtschaftlich wären oder nicht. "Die Einbeziehung solcher Überlegungen in die Vergabe des Festplatzes würde im Umkehrschluss bedeuten, dass wir bei jeder neuen Anfrage alle Veranstalter, die zu einem späteren Zeitpunkt den Platz bereits für ähnliche Events gebucht haben, um ihre Zustimmung bitten müssten", erklärt sie. Das sei organisatorisch nicht leistbar und auch rechtlich wäre es nicht zulässig.

Enttäuschung bleibt

Ein Mitarbeiter der Verwaltung habe sich bei ihm auch entschuldigt, erzählt Henry Probst. "Das ist jetzt dumm gelaufen für uns." Enttäuscht ist er dennoch. Über viele Jahre habe man beim Altstadtfest gut zusammengearbeitet. Er hätte sich gewünscht, dass er früher von dem Termin-Problem erfahren hätte, "im Winter hätten wir vielleicht noch was umplanen können", sagt Probst. "Wir hatten voriges Jahr aufgrund der Ausnahmesituation auch einen super Zulauf im Kidrontal", erzählt er. Für dieses Jahr habe er auch bereits sein Hygienekonzept beim Gesundheitsamt eingereicht.

Aktuell liegt die Sieben-Tage-Inzidenz sowohl laut Kreis-Berechnung wie auch laut RKI bei 5,1 im Kreis Görlitz. Bei einer Inzidenz unter 35, wie sie Görlitz jetzt seit über zwei Wochen hat, sind nach der aktuellen Corona-Schutzverordnung Sachsens öffentliche Festivitäten auf öffentlichen Plätzen mit Hygienekonzept zulässig. Beispielsweise gilt eine Maskenpflicht, können die Abstandsregeln nicht eingehalten werden.

"Wir versuchen, einen Ausweichort zu finden." Mit Görlitz wird es voraussichtlich zumindest dieses Jahr aber nichts mehr. Vielleicht nächstes Jahr beim Altstadtfest wieder.

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