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Jana Krauß verwirklicht ihren Lebenstraum in Görlitz

Die Görlitzer Buchhändlerin zieht mit ihrem Antiquariat in die Weberstraße. Es wird ein neuer Ort des Lesens, doch Kaffee gibt es auch.

Jana Krauß im Saal des bisherigen Café Kugel oder Neiß, das nun zu Art Goreliz Café & Buchhandlung wird.
Jana Krauß im Saal des bisherigen Café Kugel oder Neiß, das nun zu Art Goreliz Café & Buchhandlung wird. © Martin Schneider

Tausende Bücher ziehen gerade von der Görlitzer Brüderstraße 3 in die Weberstraße 10, Kiste für Kiste, Regal für Regal. "Ich kann gar nicht alles auf einmal transportieren", sagt Jana Krauß, "dafür sind es zu viele Bände." Die neue Bücherwelt wächst langsam im ehemaligen Café Kugel – oder Neiß, wie es zuletzt hieß.

Eine Regalwand steht schon im vorderen Raum, auch im Saal zum großen Garten hat die Buchhändlerin schon Bücher bis hoch unter die Decke in Regale sortiert, doch so gut wie fertig ist erst der Eingangsbereich mit der Bar und drei einladenden großen Tischen, an denen man gemütlich lesen, arbeiten oder etwas trinken könnte, sobald offen ist.

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Schon immer vom Literaturcafé geträumt

Jana Krauß, die aus dem Spreewald stammt und für die Grünen im Görlitzer Stadtrat sitzt, hat sich in den vergangenen Wochen entschieden, mit ihrem Antiquariat an den Rand der Altstadt zu ziehen und es um etwas Gastronomie zu erweitern. Im Mai habe der vorhergehende Betreiber Enrico Merker sie angesprochen, ob sie sein Café Neiß in der Weberstraße übernehmen möchte. "Denn viele wussten, dass ich gern ein Literaturcafé betreiben würde", sagt Jana Krauß.

Das war schon ihr Traum, als sie noch in Tübingen studierte, und sogar fast einmal ein Grund, ihr Biochemiestudium abzubrechen. "Ich hatte immer nebenbei in der Gastronomie gearbeitet und war irgendwann an einen Punkt gekommen, an dem ich mich fragte, was der Sinn dieses Studiums ist, was ich danach eigentlich anfangen soll."

Zusammen mit einer Freundin plante sie damals, stattdessen ein Literaturcafé – halb Antiquariat, halb Gastronomie – zu gründen. Dazu kam es dann doch nicht. "Zum Glück", sagt Jana Krauß, denn sonst wäre sie nie ans Max-Planck-Institut gekommen, wo sie noch im Studium ihre Laufbahn als Wissenschaftlerin begann, eine Tätigkeit, in der sie 20 Jahre lang aufging.

Kleine Gastronomie zwischen Bücherregalen

Die sieben Jahre, die sie das Antiquariat Art Goreliz in der Görlitzer Brüderstraße betrieb, zuerst noch mit ihrem Vater und ihrem Mann, später allein, zeigten ihr, dass der Traum vom Literaturcafé noch immer in ihr schlummerte. Viele ihrer Kunden waren Touristen und Bücherliebhaber, die ihre Buchhandlung bewusst aufsuchten, aber viele kamen einfach vorbei, weil sie mit jemandem reden und Zeit zwischen Büchern verbringen wollten.

Auch früher schon war Jana Krauß' Art Goreliz mehr als ein Antiquariat. Mit Veranstaltungen wie der Lese-Challenge zog sie Leser und Besucher an.
Auch früher schon war Jana Krauß' Art Goreliz mehr als ein Antiquariat. Mit Veranstaltungen wie der Lese-Challenge zog sie Leser und Besucher an. © André Schulze

"Das ist ja eigentlich das, was Gastronomie, wie ich sie schätze, vor allem ausmacht: Menschen zuhören, ihnen etwas Gutes tun, ein guter Gastgeber sein", sagt Jana Krauß. Dafür bietet das Café & Buchhandlung Art Goreliz nun alle Möglichkeiten. An der Bar vor einer Küche, mit der sie ein ganzes Speiserestaurant betreiben könnte, will Jana Krauß zunächst Kaffee, Drinks und selbstgebackenen Kuchen anbieten. "Aber es soll immer noch mehr um Bücher als um Essen und Trinken gehen."

Leseecken mit Blick auf Bücher

Deshalb will sie an vielen Stellen Tische, Sessel, Korbstühle, Leseecken einrichten, von denen aus man einen guten Blick auf die Bücher hat und Lust bekommt, darin zu lesen oder wahre Schätze zu entdecken. Das geht Jana Krauß sogar selber so. Sie weiß ziemlich genau, welche Bücher sie dahat und wo sie stehen. Das liegt daran, dass sie ihre Bücher seit jeher eigenhändig sortiert, viel Zeit damit verbringt, verstellte Bücher wieder an ihren Platz zu bringen oder Neuzugänge in ihre Ordnung einpasst.

Auch jetzt lässt sie es sich nicht nehmen, trotz der vielen Helfer, die sie beim Umzug unterstützen möchten, alle Bücher selbst in die Regale einzusortieren. Genau dabei fallen ihr manchmal Stücke in die Hand, deren Wert sie bisher selbst nicht zu schätzen wusste. "Neulich habe ich einen Film geschaut, in dem ein bestimmtes Zitat aus einem seltenen Buch eine Rolle spielte", erzählt sie. "Und jetzt habe ich dieses Buch tatsächlich bei mir entdeckt."

So soll es bald auch anderen gehen. Im neuen Literaturcafé ist zwar nicht viel mehr Platz für Bücherregale, weil etwa im Saal wegen der großen Fenster wenig Wandfläche bleibt, aber im Vergleich zum Antiquariat auf der Brüderstraße wirkt alles geräumiger. Man wird Platz haben, sich in den Regalreihen umzuschauen und das richtige Buch für sich zu finden.

Beliebter Saal des Cafés verändert sich

Manches Vertraute, das Besucher des Café Kugel oder Neiß zu schätzen wussten, wird nicht mehr da sein, wenn Jana Krauß Mitte Juli zum ersten Mal ihre Türen öffnet, zum Beispiel die großen dunklen Möbel im Saal und die meisten Tische, an denen bisher Familien und andere Gruppen gemütlich feiern konnten. Manches bleibt aber auch, etwa die barockisierten Sofas, von denen man zu Kinderbüchern und Märchen nur die Hand auszustrecken braucht, oder auch die Spielecke für die ganz Kleinen, die noch Bilderbücher "lesen".

Für den Garten will Jana Krauß eine mobile Variante finden, damit ihre Gäste auch dort aus Büchern wählen können. Lesungen, Musik oder andere Veranstaltungen wie auch früher schon kann sie sich ab dem Spätherbst vorstellen. Wie weit ihr gastronomisches Angebot in Zukunft wachsen kann, soll sich mit der Zeit entwickeln. "Ich möchte erst einmal ankommen", sagt sie, "und dann sehen, was gebraucht wird und was ich leisten kann."

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Jana Krauß ist Biochemikerin. In Görlitz fing sie vor fünf Jahren neu an. Mit ihrer Buchhandlung. Die ist preisgekrönt.

Zunächst einmal freue sie sich sehr über ihren Umzug, die Bewegung, die Veränderung. "Für mich ist das wie ein Neustart nach der langen, tristen Coronazeit, in der mir der Austausch mit anderen sehr gefehlt hat." Enrico Merker habe sie genau zum richtigen Zeitpunkt gefragt und unterstütze sie nun sehr bei ihrem Vorhaben. Und für den großen Laden in der Brüderstraße werde ab September ein Nachmieter gesucht.

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