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Kindererzieherin managt das große DRK

Janet Schulz ist Vorstand beim DRK Görlitz. Die 38-Jährige begann dabei in einer kleinen Kita. Nun ist sie für 400 Mitarbeiter verantwortlich.

Janet Schulz ist Vorstand beim DRK in Görlitz.
Janet Schulz ist Vorstand beim DRK in Görlitz. © Nikolai Schmidt

Am Beginn ihrer Karriere beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) in Görlitz stand ein Versprechen. Daran erinnert sich Janet Schulz sehr genau. Es wurde gehalten. Einen großen Anteil daran hat die 38-Jährige selbst.

Janet Schulz ist seit 2017 Vorstand beim Görlitzer DRK. Gemeinsam mit Rüdiger Neumann bildet sie das Vorstandsteam. Während sich ihr Vorstandskollege um alles kümmert, was mit Senioren zu tun hat, sind für Janet Schulz Kinder, Familien und Kindertagesstätten das Hauptbetätigungsfeld. Aber auch Aus- und Weiterbildung sowie Migrationsarbeit fallen in ihr Ressort.

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Beim Studium in die Stadt verliebt

Zunächst absolvierte Janet Schulz eine Lehre im Einzelhandel. "Aber dabei war ich nicht glücklich", erinnert sie sich. Wenn ich jemals wieder laufend auf die Uhr schauen muss und den Feierabend herbeisehne, muss ich was anderes machen, ist seither eine ihrer Lebensmaximen. Janet Schulz wollte studieren, Sozialpädagogik am liebsten. Für die Hochschule Zittau-Görlitz entschied sich die aus Kraußnitz bei Ortrand stammende Frau wegen des attraktiven Studienangebotes in Görlitz. Mit einer Wohnung klappte es auf Anhieb.

2004 bis 2008 studierte Janet Schulz in Görlitz. In dieser Zeit verliebte sie sich nicht nur in die Stadt, sondern auch in ihren Mann, einen "Ur-Görlitzer", wie sie sagt. Das Studium gefiel ihr gut, vor allem was im Fachgebiet Kindheitspädagogik geboten wurde, reizte die Studentin. Beim Paritätischen Wohlfahrtsverband absolvierte sie ein Praktikum und erfuhr dort, dass das Görlitzer DRK Mitarbeiter sucht.

Janet Schulz konnte sich gut vorstellen, als studierte Sozialpädagogin eine Kindertagesstätte zu leiten. Sie war überzeugt, dass sie das Zeug dazu hat, Selbstvertrauen und Mut auch. Sie bewarb sich beim DRK. Der damalige Vorstand André Maywald erkannte offenbar das Potenzial, das in der jungen Frau steckte - und bot ihr an, als Erzieherin beim DRK zu starten. "Das holte mich aus meinen Träumen", sagt Janet Schulz. "Wir wissen, dass Sie auch andere Angebote bekommen werden, aber ich verspreche Ihnen, beim DRK haben sie große Entwicklungschancen." An diesen Satz und das Versprechen von Maywald erinnert sich die 38-Jährige noch ganz genau.

Auf der Karriereleiter weiter geklettert

Es dauerte nicht lange und Maywald bot ihr die Leitung der Kita in Königshain an. Schulz nahm an. "Ich kam dort in ein gestandenes Team und konnte viele Erfahrungen sammeln, vor allem, was es heißt, wirklich im Team zu arbeiten", erklärt sie. Teamarbeit, das sei der Kern von Führungsarbeit. Damals ahnte sie das, heute weiß sie es genau.

In den drei Jahren bis 2012 versuchte sie, mit ihrem Team neue wissenschaftliche Erkenntnisse und Konzepte in der Kita umzusetzen. Nicht alles gelang auf Anhieb, in vieles flossen die langjährigen Erfahrungen der Kolleginnen ein. Janet Schulz war sehr gern in der Kita. Dann gab es ein unerwartetes Gespräch. André Maywald wollte Janet Schulz als Bereichsleiterin Kita beim DRK. Sie traute es sich zu.

Nun hatte Janet Schulz Verantwortung für elf Kitas des DRK zwischen Sohland am Rotstein, Görlitz und Horka mit rund 1.000 Mädchen und Jungen sowie 130 Mitarbeitern und vielen Ehrenamtlichen. "Das war schon eine Schippe Verantwortung obendrauf", erklärt Janet Schulz.

"Ich bin ein Teamplayer"

Und wieder überkam sie der Reiz der Verantwortung. Sie fühlte sich wohl mit der Möglichkeit, selbst etwas gestalten und verändern zu können. "Ich bin ein Teamplayer", sagt sie von sich und ging sofort daran, mit den unterschiedlichsten Teams zu arbeiten. Da waren die Mitarbeiter in den Kitas, zu denen sie engen Kontakt hielt. Aber auch mit Bürgermeistern kam sie ins Gespräch. "In den Kommunen gehören die Kitas zu den größten Herausforderungen", sagt sie und denkt daran zurück, wie DRK-Kitas profitierten: In Horka entstand eine neue Kita, die in Sohland, in Mengelsdorf und das "Knirpsenland" in Niesky wurden saniert, das "TurBienchen" in Görlitz erhielt einen Anbau mit 70 Plätzen.

Auch hier sammelte Janet Schulz Erfahrungen. "Ich hatte zu tun mit Bauplänen, Bauleuten, Vorschriften, Ausweichquartieren für Kitas, Elterninformationen und vielem mehr", erzählt sie. Es sei eine große Herausforderung für sie gewesen, aber das hat ihr Spaß gemacht, sie angestachelt, jeden Tag ihr Bestes zu geben.

Ende 2014 ging Janet Schulz in Elternzeit. Für etwa ein Jahr bestimmte die Tochter den Alltag. Als Janet Schulz 2016 wieder beim DRK arbeitete, dauerte es nicht lange, und André Maywald löste ein weiteres Stück seines Versprechens ein. Er verließ das DRK und schlug als Nachfolger eine Doppelspitze für die Führung beim DRK vor: Rüdiger Neumann und Janet Schulz. Seitdem sind sie für mehr als 400 Mitarbeiter verantwortlich.

Noch mehr Verantwortung

Obwohl sie zunächst erschrocken auf den Weggang von Maywald reagierte, brauchte sie nicht lange, um zuzusagen - nicht ohne mit ihrem Mann zu sprechen. Er gab ihr die Chance, die Herausforderung anzunehmen, indem er den größeren Anteil an der Betreuung der Tochter übernahm.

"Mir ist das DRK mittlerweile sehr ans Herz gewachsen. Und ich habe erfahren, dass man Karriere machen kann", sagt sie. Auf die Uhr geschaut und den Feierabend herbeigesehnt habe sie jedoch seit ihrer ersten Lehrzeit nie wieder.

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