merken
PLUS Görlitz

Stahlbauer in sechster Generation

Marcus Weiner übernimmt den väterlichen Stahlbaubetrieb im Görlitzer Ortsteil Ludwigsdorf. Der 34-Jährige wurde darauf von Kindheit an vorbereitet.

Marcus Weiner mit einer technischen Zeichnung in der Werkhalle.
Marcus Weiner mit einer technischen Zeichnung in der Werkhalle. © Philipp Mann

Als kleines Kind wollte Marcus Weiner Manager werden und viel Geld für wenig Arbeit bekommen. So erzählen es seine Eltern. Richtig daran erinnern kann sich der 34-Jährige heute nicht mehr - es kam sowieso ganz anders.

Denn der Ur-Ludwigsdorfer tritt in die Fußstapfen seiner Eltern. Beide sind studierte Stahl- und Metallbauer. Marcus Weiner auch. Der Bauingenieur in der Fachrichtung Stahl- und Metallbau erwarb sich das Rüstzeug in Roßwein, dem bedeutendsten mitteldeutschen Fachzentrum für Metallbau und Technik. Außerdem ist Marcus Weiner Schweißfachingenieur und Betriebswirt.

Anzeige
Die WOGENO sucht neue Mitarbeiter
Die WOGENO sucht neue Mitarbeiter

Die Wohnungsgenossenschaft Zittau eG bietet für engagierte Bewerber ein attraktives und verlässliches Arbeitsumfeld.

Studium an einer der besten Ausbildungsstätten

Gerade Letzterem misst Marcus Weiner große Bedeutung in der Unternehmensführung bei. Der 34-Jährige gründete jetzt eine GmbH, mit der er zu Beginn des neuen Jahres an den Start geht. Die väterliche Firma Stahlbau Weiner wird in dieser GmbH aufgehen. Damit setzt Marcus Weiner die Familientradition des 1892 gegründeten Unternehmens in sechster Generation fort.

Darauf hatten die Eltern gehofft. Nach dem Abitur entschied sich Marcus Weiner für Roßwein als Studienort. "Eigentlich wollte ich nicht in diesen kleinen Ort, aber der Ruf der Ausbildung dort ist hervorragend", erzählt er. Sein Studium in Roßwein öffnete ihm zum Beispiel die Tür zu einem leistungsstarken Stahlbaubetrieb in Plauen, wo er seine Abschlussarbeit schrieb und gleichzeitig ein Praktikum absolvierte.

2011 stieg Marcus Weiner in den väterlichen Betrieb ein. Zuvor hatte er schon in den Ferien mitgearbeitet und sein Taschengeld aufgebessert. Nun war er selbst in der Fertigungsleitung und in der Projektentwicklung tätig, machte Kalkulationen und übernahm Projekte, für die er selbst Verantwortung trug. "Und manchmal bin ich auch Mädchen für alles", sagt er mit spitzbübischem Lächeln.

Immer auf der Suche nach Lehrlingen

Von der GmbH-Gründung erhofft sich Marcus Weiner mehr betriebliche Gestaltungsmöglichkeiten, auch wenn Stahlbau Weiner schon jetzt breit aufgestellt ist und mit rund 20 Mitarbeitern und Lehrlingen Aufträge in ganz Deutschland und im Ausland verwirklicht. Die Stahlunterkonstruktion für die Rettungsstation am Berzdorfer See stammt genauso von Stahlbau Weiner wie die Unterkonstruktion der Orgel in der Konstantin-Basilika in Trier. Kinopodeste und Leinwandrahmen werden gefertigt und bundesweit montiert. Der sogenannten Teufelsbrücke in Görlitz geben ebenfalls Stahlträger aus Ludwigsdorf den nötigen Halt. Edelstahl-Signalkästen für die Eisenbahn, gefertigt in Ludwigsdorf, stehen in Kambodscha und in der Türkei. Wenn alles klappt, fertigt Stahlbau Weiner solche Kästen bald für Boston in den USA.

Für künftige Aufträge ist Marcus Weiner schon jetzt auf der Suche nach neuen Mitarbeitern. "Wir bilden aus und suchen immer Schulabgänger, die Freude an Technik und neuen Ausbildungsrichtungen haben", sagt er. Technischer Systemplaner sei so eine neue Ausbildung, die den früheren technischen Zeichner mehr als ersetzt, erklärt er.

Die nächste Weiner-Generation wird begeistert

Irgendwann möchte der Familienvater seinen beiden Söhnen - zwei und fünf Jahre jung - seinen Betrieb "schmackhaft" machen. Er hofft, dass die Firma in die Hände der nächsten Weiner-Generation übergehen kann. Noch ist dafür sehr viel Zeit. Marcus Weiner denkt gern daran, wie ihn sein Vater Knut-Heinz Weiner als Kind mit in den Betrieb nahm und die Eltern auch Ausflüge zu Gebäuden und Objekten unternahmen, an denen Stahlbau Weiner mitgearbeitet hatte.

Marcus Weiner hat ein ebensolches Ziel: Er staunte nicht schlecht, als er auf einem Bild, das bei Windows als Bildschirmschoner aufploppt, plötzlich die Wengernalp-Bahn in der Schweiz zu sehen war. Auf dem Foto dieser mit reichlich 19 Kilometern längsten Zahnradbahn der Welt erkannte der Ludwigsdorfer Signalkästen, die im väterlichen Betrieb gefertigt wurden. "Wenn die Söhne etwas größer sind, will ich mit ihnen dort im Urlaub mal hin und ihnen aus der Nähe zeigen, was wir da gebaut haben", erklärt er. Derzeit sind die Sprösslinge von Eisenbahnen sehr begeistert. "Der Schwiegervater facht das Eisenbahninteresse mit seiner Modellbahnanlage noch an", erklärt Weiner.

Er selbst besitzt eine Modellbahnanlage, aber die ist derzeit "eingemottet". Zu wenig Zeit bleibt dem 34-Jährigen für dieses Hobby. Die Firma fordert volle Aufmerksamkeit, seit der Corona-Pandemie erst recht. Dennoch hat der künftige Firmenchef derzeit etwas wiederentdeckt: das Lesen. Ihn interessieren dabei vor allem Sachberichte, auch politisches Geschehen in Historie und Gegenwart.

Privat und mit der Firma die Heimat stärken

Marcus Weiner ist politisch interessiert. "Man muss mitwirken", sagt er. Auch deswegen sieht man ihn hin und wieder beim Ludwigsdorfer Ortschaftsrat. Mit Interesse verfolgt er die Arbeit des Stadtrates. Bislang ist er parteilich nicht gebunden. Zu seinem Demokratieverständnis gehört es, auf jeden Fall wählen zu gehen.

Das ist ihm genau so wichtig wie lokales Handeln. "Als privater Konsument versuche ich, lokal oder in der Region einzukaufen. Eine Firma aus der Region pflastert derzeit meinen Hof. Als Stahlbau Weiner arbeiten wir mit etlichen Firmen aus Görlitz und dem Umland zusammen", berichtet Marcus Weiner. "Kleine und mittelständische Firmen und Handwerker aus der Region müssen zusammenhalten und sich gegenseitig unterstützen", ist Weiner überzeugt. Manchmal ist er dafür sogar der Manager und hat viel Arbeit damit - ganz im Gegensatz zu Kindheitsträumen.

Weitere Geschichten aus der Serie "Junge Macher" lesen Sie hier:

Weiterführende Artikel

Der furchtlose Landwirt

Der furchtlose Landwirt

Felix Tzschoch ist Geschäftsführer eines der größten Landwirtschaftsbetriebe rund um Görlitz. Trockene Jahre und Klimawandel machen ihm keine Angst.

  • "Ich bin jeden Abend knülle, aber glücklich": Fabian Berger half einst seinem Opa bei der Baumpflege. Inzwischen hat der 31-Jährige das zu seinem Beruf gemacht. Dabei sah es zunächst ganz anders aus.
  • "Schnellbootkapitän neben Supertanker": Sven Mimus ist Geschäftsführer der Kreis-Entwicklungsgesellschaft Eno. Eigentlich wollte er den Job nur zehn Jahre machen. Nun sind es schon 15.
  • Sie kreiert die berühmten Klopapier-Kekse: Diana David betreibt das Görlitzer Goethe-Back. Hier lädt sie die Kunden zu einer kulinarischen Safari ein.
  • Den Sport überlässt er jetzt anderen: Dafür rüstet Bruno Kabus Thai-Sportler aus. Sein internationales Geschäft betreibt der Nieskyer nur online.
  • Samariterin für Helden: Als Leiterin der Görlitzer Stadtmission hat Anika Arlt das Suppenküchenmobil auf den Weg gebracht. Als Clownin Bepina bewirkt sie, dass sich die Lutherkirche wieder füllt.
  • Vom Schiedsrichter zum Politiker: Martin Braun ist jetzt Chef der FDP in der Stadt. Der Student wurde von dem Angebot auf einem Parkplatz überrascht.
  • "Ich vermisse hier den Mut, neue Wege zu gehen": Dana Dubil wohnt in Kodersdorf und ist DGB-Chefin für Ostsachsen. Die 36-Jährige will die neue Arbeitswelt mitgestalten.
  • Küchenprofi, der Harald Schmidt bediente: Stephan Krebs führt das Geschäft, das sein Vater aufgebaut hat. Er war einer der ersten Görlitzer seiner Generation, die zurückkamen.
  • Nächste Station Bundestag? CDU-Politiker und Familienvater Florian Oest ist noch jung an Jahren, aber hat schon reichlich Politik-Erfahrung gesammelt - im In- und Ausland.
  • Aus Liebe zu den schönen Uhren: Adina Pohl führt mit 37 Jahren die Handwerkstradition ihrer Eltern in Niesky fort. Jetzt kommt bei ihr das Familienglück dazu.
  • Sie rechnet Görlitz schöner: Maria Schulz zeichnet für die meisten Feste in Görlitz verantwortlich. Sie kann Beides: Zahlen und kreativ sein.
  • Am liebsten auf dem Traktor: Trotz viel Arbeit und langen Tagen leitet Christoph Zachmann seinen Bauernhof bei Görlitz mit großer Leidenschaft – selbst wenn mal die Kuh ausbüxt.
  • Vom Busfahrer zum Chef: Patrick Schultze führt seit fast vier Jahren Schwarz Reisen bei Niesky. Er ist zugleich Betreiber des roten Görliwood-Busses.
  • Agentin der kleinen Landwirte: Anne Ritter-Hahn hat als Erste in der Lausitz die "Marktschwärmerei" etabliert. Der Kundenstamm ihres Vertriebs regionaler Lebensmittel wächst stetig.
  • Sie hilft Familien in Görlitz: Lisa Bail stammt aus Bremen, doch in Görlitz hat sie eine neue Heimat gefunden und hilft inzwischen auch anderen, sich in der Stadt wohlzufühlen.
  • Aufschwung mit jungen Feuerwehrchefs: Die Rothenburger Feuerwehr ist für David Schwarz und Eric Roitsch Lebensinhalt. Das spüren auch die Kameraden.
  • Sportverrückter krempelt Branche um: Richard Funke ist erst 24 Jahre alt. Einst war er Zehnkampf-Kreismeister, nun hilft der Rothenburger anderen, mehr für ihre Fitness zu tun. Und das mit Erfolg.
  • Die Suppen-Queens von Görlitz: Seit zwölf Jahren kochen Susanne und Bianca Leonhardt in "Charlottes Löffelstübchen". Und erfinden immer wieder neue Suppen-Kreationen.
  • Vegetarierin mit Herz: Nancy Scholz erfüllte sich vor fünf Jahren einen Traum mit dem ersten Görlitzer vegan-vegetarischen Café. Dass sie früh auf einen Trend setzte, ahnte damals keiner.
  • Philosoph am Kochtopf: Jörg Daubner ist Chef der Obermühle in Görlitz. Er gehört zur Generation der unter 40-Jährigen, die die Region prägen wird. Der Start zu einer neuen Serie.

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Görlitz